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Nominierung wider Willen Osnabrücker Band will nicht bei German Blues Award antreten

Von Kristina Müller

Die Osnabrücker Band „Blues Company“ will eigentlich gar nicht für den German Blues Award nominiert sein. Archivfoto: Swaantje HehmannDie Osnabrücker Band „Blues Company“ will eigentlich gar nicht für den German Blues Award nominiert sein. Archivfoto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Osnabrück ist das Zentrum der guten Blues-Musik – zumindest deutet das die lange Nominiertenliste für den German Blues Award an. Darauf finden sich die Lagerhalle, die Blueslawine sowie mehrere Osnabrücker Bands. So auch die Blues Company – wider Willen.

Seit 2010 vergibt der Verein Baltic Blues im schleswig-holsteinischen Eutin den German Blues Award. Unter den Nominierten finden sich in diesem Jahr auffällig viele Osnabrücker: So wurden mit der Blues Company, der Jimmy Reiter Band, Kai Strauss & the Electric Allstars und der Tommy Schneller Band gleich vier Gruppen für die Kategorie „Band“ ausgewählt. Darüber hinaus wurden Jimmy Reiter und Kai Strauss zusätzlich für den Gitarren-Award nominiert.

In der Kategorie „Gesang“ stehen bei den Männern ebenso Kai Strauss und Tommy Schneller, der wiederum zusammen mit Volker Wink (ebenfalls Saxophon sowie Klarinette) und Uwe Nolopp (Trompete) für Sonstige Instrumente gelistet ist. Als bestes Festival wurde die Osnabrücker Blueslawine, als bester Club die Lagerhalle und Christian Rannenberg in der Kategorie „Tonträger“ für seine CD „Old School Piano Style“ ausgewählt. „Das zeigt, das Osnabrück die Blues-Hauptstadt ist“, freut sich Wolfgang Lampe, Organisator der Blueslawine.

Will Fans nicht „auf die Nerven gehen“

Über eine Umfrage unter Fachjournalisten, Veranstaltern und Produzenten wählt der „Baltic Blues“-Verein die fünf Besten jeder Kategorie aus und stellt daraus die Nominiertenliste zusammen. Dann ist es an den Nominierten, ihre Fans zu mobilisieren, innerhalb von drei Wochen online für sie abzustimmen.

Bereits zwei, drei Mal sei die Blues Company in der Vergangenheit für den Award nominiert worden – „ohne zu fragen“, beanstandet Bandleader Todor „Tosho“ Todorovic. In diesem Jahr habe der Veranstalter ihn zwar vorab angerufen – doch obwohl Todorovic ihm explizit gesagt habe, dass er eine Nominierung nicht möchte, sei die Band auf die Liste gesetzt worden.

„Da sind auch viele Amateurgruppen und junge Musiker dabei. Ich will mich mit denen nicht auf eine Ebene stellen“, betont der Gitarrist und Leadsänger. „Ich mache das jetzt seit 42 Jahren und soll jetzt meinen Fans auf die Nerven gehen? Wofür? Ich habe keine Ambitionen mich da irgendwie zu bemühen.“ Das habe er über Facebook deutlich gemacht: „Wir haben unseren Fans mitgeteilt: ‚Stimmt ab, für wen ihr wollt, aber nicht für uns.‘“

Lagerhalle und Blueslawine werben dagegen offensiv

Die Blueslawine wurde bereits im vergangenen Jahr als bestes Festival ausgezeichnet und ist nun erneut nominiert. Todorovics Kritik kann Lampe bezogen auf seine Award-Kategorie nicht bestätigen. „Die Blueslawine gibt es jetzt schon seit 24 Jahren. Wir sind stolz darauf, dass sie als best organisiertes Blues-Festival Deutschlands gewählt wurde und jetzt sogar wieder nominiert wurde“, sagt er.

Auch Martina Scholz, Kulturplanerin der Lagerhalle, kann Todorovics Bedenken nicht teilen. Dass die Fans aktiv dazu angehalten werden, für ihren Favoriten abzustimmen, sei die Vorgehensweise bei jeglichen Votings. „So wie ich das sehe, sind nur hochkarätige Musiker auf der Liste“, sagt Scholz. Ihre einzige Kritik: „Unter den Nominierten sind sehr wenig Frauen vertreten, die nur in der Kategorie ‚Gesang weiblich‘ gelistet sind. Es gibt im Blues viele gute Frauen.“ Über die Nominierung der Lagehalle neben vielen anderen Osnabrückern freut sie sich aber sehr. „Das ist eine tolle Auszeichnung und spricht auch für die Stadt, dass wir hier eine tolle Blues-Szene haben und auch eine aktive Blues-Stadt sind“, so Scholz.

Award ohne Preis

Der Award ist mit keinem Geldpreis dotiert. Die Preisträger der Kategorien Band und Solo/Duo könnten lediglich für die Teilnahme an der International Blues Challenge in den USA im darauffolgenden Jahr nominiert werden, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Die Verleihung des Awards findet Ende Juni im Rahmen einer dreitägigen Open-Air-Veranstaltung mit Gastkonzerten in Eutin statt. „Ich wollte immer schon nach Eutin fahren und ohne Gage auf einem Stadtfest spielen“, sagt Todorovic ironisch.


Noch bis zum 22. April 2018 kann unter voting.blues-baltica.de abgestimmt werden.