Ein Jahr nach USA-Delegationsreise Firmen aus der Region Osnabrück bauen US-Geschäft aus

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Osnabrück. Der „America First“-Politik des US-Präsidenten Donald Trump zum Trotz entwickeln sich die Geschäfte von Unternehmen aus unserer Region in den USA erfreulich. Dazu beigetragen hat eine Delegationsreise von Politikern und Unternehmern aus der Region Osnabrück vor einem Jahr.

Der Wallenhorster Anlagenbauer Purplan hat ein 10-Millionen-Projekt erfolgreich abgeschlossen. So konnte er Anlagen bauen, die Kunstharze als Rohstoffe für Farben und Lacke produzieren, um später etwa Lebensmittelverpackungen beschichten zu können. Purplan-Chef Andreas Sandmann konstatiert: „Durch die entsprechenden Wartungsarbeiten und Erweiterungen ist das ein Dauerauftragsbringer geworden.“

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Sandmann hatte 2004 angefangen wie die meisten. Er mietete sich mit mehr als 200 deutschen Unternehmer in der 800.000-Einwohner-Stadt Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina ein kleines Büro als US-Repräsentanz, wickelte mit zunächst nur einem Mitarbeiter vor Ort die Projekte ab und steigerte jährlich seinen Umsatz: „Jetzt haben wir den Standort in Charlotte gewechselt und eine größere Produktionshalle als neuen Standort gewählt“, berichtet Sandmann. Bislang mussten die Schaltschränke noch in Wallenhorst gefertigt und dann geliefert werden.

Jetzt will er beginnen, dort auch Stahlbau zu machen und Schaltschränke zu bauen. Durch die Produktion vor Ort will er sich „die beginnende Abschottung“ und die US-Steuerreform zunutze machen, die im Januar in Kraft trat. Hintergrund ist, dass Trump die US-Körperschaftssteuer von 35 auf 21 Prozent senkte. „Durch die Steuerreform haben die Betriebe mehr Geld und es wird stark investiert“, freut sich Sandmann. „Wichtig ist allerdings, das man im Land mit einer US-Gesellschaft vertreten ist.“

Darüber hinaus arbeite er daran, mit der Stadt Charlotte und der hiesigen Handelskammer zu kooperieren, um mit der dort noch unbekannten dualen Ausbildung zu beginnen. „So versuchen wir, unser Modell der dualen Ausbildung für unsere amerikanischen Mitarbeiter vorzubereiten und einzusetzen“, erläutert der Wallenhorster. In der kommenden Woche reise er für Gespräche zu diesem Thema nach Charlotte.

Die Nachteile von Trumps protektionistischer Politik sieht Sandmann in der Verteuerung von ausländischen Waren und in einer etwas restriktiveren Visa-Politik. Dennoch habe er es gerade erst geschafft, ein Visum über vier Jahre für einen Mitarbeiter zu erhalten, der nun mit seiner Familie in die USA ziehe.

Neue Repräsentanz der Meller Maschinenfabrik Wilhelm Niemann in Charlotte

Auch der Chef der Meller Maschinenfabrik Wilhelm Niemann, Frank Niemann, machte seine Ankündigung wahr, zu Januar 2018 eine gemeinsame Repräsentanz mit Purplan in Charlotte aufzubauen. Niemann selbst war auf Anfrage unserer Redaktion für eine Stellungnahme nicht erreichbar, aber Sandmann berichtete: „Die Firma Niemann hat eine Repräsentanz in Charlotte eröffnet. Sie nutzt unsere Adresse und wir dürfen Arbeiten für Niemann erledigen. Es gibt eine gute Zusammenarbeit.“ So hätten der Maschinen- und der Anlagenbauer erst vor Kurzem gemeinsam eine wichtige Messe für Farben und Lacke in Indianapolis besucht und hoffen nun darauf, noch mehr Geschäfte in den Vereinigten Staaten machen zu können.

„China schottet Markt weiter ab“

Von der Ankündigung des chinesischen Staatschefs Xi Jinpings, die Wirtschaft dort stärker zu öffnen, die Zölle zu senken und insgesamt mehr zu importieren, hält Sandmann, der in Schanghai vor acht Jahren einen kleinen Standort aufbaute, nicht viel. Die Chinesen schirmten ihren Markt weiterhin weitestgehend ab: „Die Abschottung der Chinesen durch ihren Kulturkreis und die eigenen starken Netzwerke der Chinesen unter sich werden es uns nicht so bald ermöglichen, wirklich wirtschaftlich frei - ohne Diskriminierung und Überwachung sämtlicher Datennetze - eine freie Entwicklung zu ermöglichen.“ So erhielten chinesische Betriebe einfacher Betriebsgenehmigungen. Auch Korruption und Bestechung sind laut Sandmann weiterhin ein großes Problem. Es laufe viel „im Graubereich der Auftragsbeschaffung“. Er konzentriert sich daher nun stärker auf den amerikanischen Markt, weil er dort ein größeres Potenzial sieht, sich schneller und stärker zu entwickeln.

Osnabrücker Logistiker Nosta weiter optimistisch

Der Geschäftsführer des Osnabrücker Logistikers Nosta, Andreas Wolke-Hanenkamp, konnte seine bei der Delegationsreise geschlossenen Kontakte weiter ausbauen. „Wir waren erst vor vier Wochen erneut in Chicago und haben weitere, vertiefende Gespräche mit unseren Geschäftspartnern geführt“, beschreibt Wolke-Hanenkamp. Er zeigt sich optimistisch, die Gründung einer Gesellschaft zeitnah zu realisieren: „Unsere Pläne haben sich in den letzten Monaten weiter sehr stark konkretisiert.“ Dabei hätten die aktuellen Entwicklungen in den USA wenig Einfluss auf das Geschäftsmodell, da die logistischen Dienstleistungen bei Trump „weniger im Fokus stehen“. Der Nosta-Geschäftsführer beklagt jedoch einen akuten Mangel an fachlich geeigneten Mitarbeitern. Auch die Entsendung von Mitarbeitern aus Deutschland gestalte sich schwierig. Trump hatte Ausländern die Einreise in die USA erschwert. Arbeits- und Reisevisa müssen früher beantragt werden. Dennoch hält Wolke-Hanenkamp die Probleme für lösbar und zeigt sich für eine Geschäftserweiterung optimistisch.

Wallenhorster Richert Fenstergruppe sieht keine Perspektive in den USA

Thomas Richert von der Wallenhorster Richert Fenstergruppe hingegen sieht keine Perspektive mehr in den USA. Nach der Delegationsreise vor knapp einem Jahr sprach er davon, perspektivisch einen Techniker und einen Mitarbeiter im Vertrieb für das Nordamerikageschäft einzustellen, doch nun zeigt er sich von den politischen Diskussionen um Strafzölle und einen drohenden Handelskrieg verunsichert, da nicht gewährleistet sei, dass Trump Europa auch weiterhin von Strafzöllen ausnehme. „Und wenn wir da eine Produktion aufbauen wollen, müssten wir sicherlich etwa fünf Millionen Euro investieren. Das ist für einen Mittelständler ein großes Investment und ein großes Risiko, das wir unter diesen Rahmenbedingungen erst einmal nicht eingehen wollen“, resümiert Richert.


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