IHK Osnabrück - Emsland - Bentheim „Trumps Säbelrasseln ist nicht negativ für unsere Region“

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ranz-Josef Paus, Vorsitzender des IHK-Außenwirtschaftsausschusses, sagt, US-Präsident Donald Trump schotte die USA vorwiegend rhetorisch ab: „Es gibt ernst zu nehmende Risiken, aber ich glaube, die Vernunft wird siegen.“ Foto: Heinz Krüsselranz-Josef Paus, Vorsitzender des IHK-Außenwirtschaftsausschusses, sagt, US-Präsident Donald Trump schotte die USA vorwiegend rhetorisch ab: „Es gibt ernst zu nehmende Risiken, aber ich glaube, die Vernunft wird siegen.“ Foto: Heinz Krüssel

Osnabrück. Der Vorsitzende des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, Franz-Josef Paus, setzt ungeachtet der angedrohten Strafzölle auf das Exportland USA. Der Emsbürener Unternehmer hält die Rhetorik des US-Präsidenten Donald Trump nur für „Säbelrasseln“, um einen guten Deal für Amerika zu erreichen. Auf die Handelsbeziehungen mit unserer Region habe sich das noch nicht ausgewirkt.

Immer mehr Unternehmen aus der Region exportieren ihre Waren ins Ausland oder gründen sogar Niederlassungen. Die Exportquote, also der Anteil des Auslandsgeschäftes am Gesamtumsatz, ist auf 33 Prozent angestiegen. Woran liegt das?

Die Welt wird kleiner und vernetzt sich immer stärker. Insofern nutzen die Unternehmen die Chance, den Umsatz zu steigern. In unserer Region gibt es sehr viele Firmen, die in Nischenmärkten sehr stark und oft sogar Weltmarktführer sind. Oft ist der Absatzmarkt für so spezialisierte Produkte in Deutschland zu klein, und die Globalisierung bietet große Chancen, weil es so weit entwickelte Anlagen oder Maschinen dort nicht gibt.

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Die außenpolitische Lage ist angespannt. Seit 2014 gibt es EU-Sanktionen gegen Russland, die USA haben Strafzölle in Milliardenhöhe gegen China verhängt und drohen mit Strafzöllen gegen Europa. Wie wirkt sich die protektionistische Politik auf die Handelsbeziehungen aus?

Wir beobachten die Drohungen von US-Präsident Donald Trump schon seit mehr als einem Jahr. Sie blieben bislang aber ohne Folgen. Wenn er 100 Prozent erreichen will, fordert er 150 Prozent, um am Ende einen guten Deal für die USA zu erzielen. Ich halte diese Rhetorik eher für Verhandlungstaktik. Es zeigt sich jedoch, dass es bei Trump bislang beim Säbelrasseln geblieben ist, zumindest was die Auswirkungen auf unsere Region anbelangt. Die protektionistischen Tendenzen führen zwar zu einer gewissen Unsicherheit, aber irgendwie hat unsere Wirtschaft das gut verkraftet und exportiert ungeachtet der politischen Spannungen weiter auch in Länder wie USA und Russland.

Will Trump sich durch Zölle abschotten, weil die USA sonst nicht wettbewerbsfähig sind?

Bei Dienstleistungen und IT wie Microsoft, Google, Amazon oder Facebook sind die USA stark. Alles, was früher mal Industrie war, wo auch Deutschland und unsere Region stark ist, etwa in der Automobilindustrie, im Anlagen- und Maschinenbau, wurde vernachlässigt. Durch die Zölle versucht er, seinem Land etwas Luft zu verschaffen und die Zeit etwas zurückzudrehen. Ich glaube aber nicht, dass das gelingt.

Wegen der Annexion der Krim verhängte die EU 2014 Sanktionen gegen Russland. Auch Sie sind im Russlandgeschäft stark aktiv. Konnten Sie dadurch weniger Bergbaumaschinen verkaufen?

Natürlich hat das auch in meiner Firma zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt. Die Situation in Russland ist mittlerweile aber wieder stabil. Wir sind noch nicht wieder da, wo wir waren, aber immerhin ist die Verunsicherung zurückgegangen, sodass lange geschobene Investitionen langsam wieder getätigt werden.

Die USA haben weitere Strafmaßnahmen gegen Russland wegen Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf verhängt. Als Antwort wird in Russland nun ein Strafpaket gegen die USA erwogen. Welche Folgen könnte diese neue Sanktionsspirale haben?

Wenn sich irgendwas im politischen Umfeld verändert, dann führt das zu Verunsicherung. Und diese ist für die Wirtschaft immer Gift.

Beunruhigt Sie, dass das Freihandelsabkommen TTIP auf Eis liegt und der freie Handel durch die wichtigen Wirtschaftsnationen weltweit immer stärker eingeschränkt wird?

Das ist für die Welt eine Katastrophe, denn diese Entwicklung führt zu Verhältnissen, die sich keiner wünscht. Dadurch werden alle nur Nachteile haben. Das hat sich schon zu Zeiten des Kalten Krieges gezeigt. So etwas will keiner zurück. Der freie Handel nährt den weltweiten Wohlstand und ist Basis für den Frieden in der Welt.

Polen ist das Land mit den meisten Niederlassungen von Unternehmen aus unserer Region. Woran liegt das?

Polen ist schon lange ein sehr stabiles Land und hat sich wirtschaftlich positiv entwickelt. Die vielen Niederlassungen aus unserer Region führen dazu, dass wir von dem zunehmenden Wohlstand des Landes profitieren. Durch diese positiven Wirtschaftsbeziehungen wird Polen als Außenhandelspartner geschätzt und der Handel sich daher wohl auch noch weiter intensivieren.

Was ist aus Ihrer Unternehmersicht das vielversprechendste Exportland?

Für uns ist Kasachstan sicher interessant, da wir stark an der Rohstoffbranche orientiert sind. Ansonsten liegen unsere Hauptaktivitäten in Russland und Nordamerika. Wir sind überall da aktiv, wo Rohstoffe wie etwa Erz in nennenswerter Weise abgebaut werden. Mit zwei chinesischen Partnern sind wir auch in China aktiv. Allerdings ist China ein schwieriges Land. Einerseits aus politischen Gründen, weil man sich nicht so frei entfalten kann, wie man das gerne möchte. Andererseits auch aus kulturellen Gründen, weil die Chinesen eben anders orientiert sind als der durchschnittliche Europäer. Daher kommt man eben auch ganz anders ins Gespräch. Andere Länder wie etwa die USA sind in dieser Hinsicht natürlich einfacher zu erreichen.

China kündigt nun aber an, den Markt öffnen zu wollen, während die USA sich abschotten will. Sprechen diese unterschiedlichen Vorzeichen nicht eher für eine Investition im Land der Mitte?

Generell sehe ich das für Unternehmen aus unserer Region noch nicht. Sicherlich hängt es aber auch stark von der Branche ab, welches Exportland da besser geeignet ist. US-Präsident Donald Trump schottet sein Land bislang vorwiegend rhetorisch ab. In der Praxis sehe ich noch nicht, das sich tatsächlich viel verändert hat. Natürlich gibt es Risiken, die man ernst nehmen sollte, aber ich glaube, die Vernunft wird siegen, und wir werden uns mit den USA wieder irgendwie zusammenraufen. Fest steht: Wenn es eskaliert, gibt es keine Gewinner. Dafür gibt es viele Beispiele in unserer Geschichte.

Glauben Sie auch, dass der Brexit doch noch abgewendet werden kann?

Die Briten werden erkennen, dass der Brexit ihnen keinen Vorteil bringt. Allerdings gibt es Umfragen, wonach viele Briten auch weiterhin zu der Entscheidung stehen würden, selbst wenn sie dafür finanzielle Nachteile in Kauf nehmen müssten. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass der Brexit noch abgewendet werden kann.


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