Offspace für Medienkunststudierende Theaterpassage wird beim Emaf in Osnabrück zur Medienkunstpassage

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Julia König und Jonathan Omer Mizrahi aus Köln machen das ehemalige Ihr-Platz-Geschäft zur virtuellen Ausstellung. Foto: Michael GründelJulia König und Jonathan Omer Mizrahi aus Köln machen das ehemalige Ihr-Platz-Geschäft zur virtuellen Ausstellung. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die fast leer stehende Theaterpassage in Osnabrück wird beim European Media Art Festival (EMAF) zur Ausstellungsfläche. Studierende zeigen dort Installationen, Performances und andere Arbeiten. Mit dem Offspace will das Festival Publikum anlocken, das etablierte Kunsträume eher meidet.

Bildgewalt ist ein Begriff, der kaum auf ein anderes Festival so sehr zutrifft wie auf das EMAF. Die Studierenden des Seminars „Urban Stage“ von Mischa Kubal an der Kunsthochschule für Medien (KHM) Köln brechen im ehemaligen Ihr-Platz-Geschäft an der Krahnstraße gekonnt mit diesen Erwartungen. Wer das ehemalige Ladenlokal betritt, sieht: nichts. Videos oder Installationen? Fehlanzeige.

Die Kölner Studierenden haben stattdessen eine Art Ausstellung für den Kopf konzipiert. Die Besucher werden mit Audioguides ausgerüstet, mit denen sie durch die virtuelle Schau laufen. An den Wänden finden sich Nummern wie an Werken in Museen und Kunsthallen. Drücken die Besucher auf die entsprechende Nummer auf dem Audioguide, hören sie einen Text. Das kann eine Bildbeschreibung sein, aber auch ein Interview. Jeder Besucher sehe so seine ganz eigene Ausstellung, sagen die Studierenden Julia König und Jonathan Omer Mizrahi.

Theaterpassage wird einmaliger Ausstellungsraum

Sie gehören zu den Studierendengruppen und -klasssen, die die Theaterpassage beim Emaf zur Spielwiese machen. Zum ersten und einzigen Mal wird die fast leer stehende Passage zum Ausstellungsort des Festivals. „Wir haben schon länger nach einem Offspace gesucht und konnten schließlich die Theaterpassage nutzen“, erklärt Tim Roßberg vom Team des Media Campus Init. Das Ziel ist, Schwellenängste zu senken und Publikum anzuziehen, das die etablierten Kunsträume meidet. Das klappt scheinbar bereits vor der Emaf-Eröffnung. Immer wieder seien Passanten stehen geblieben und die Studiernden beim Aufbau ihrer Arbeiten gefragt, was sie da machen, so Roßberg.

Weiter drinnen in der Passage macht sich das Kollektiv RHO ein Lokal mit einer Lichtinstallation aus hunderten von Glühbirnen und Sounds von DJS zu eigen. „Altes Zeugs“, nennt Tim Roßberg die Lichtquellen, die längst nicht mehr im Handel zu kaufen sind.

Video aus der Zukunft

Die Klasse Korpys/Löffler der Hochschule für Künste (HdK) Bremen hat ihre Arbeiten für das Konzept „Ja! Ich liebe Erfolg!“ extra für die Theaterpassage entworfen. Sie bespielen ihren Raum mit performativen, aktionistischen und musikalischen Formaten. Studentin Jo Bohi Choi etwa hat eine Installation aus alten Teppichen, Stühlen und anderen Gegenständen gebaut, die im Ladenlokal zurückgelassen wurden. Inspiriert wurden die Bremer Studierenden außerdem vom Gegensatz zwischen den L + T-Gebäuden, in denen es viel Publikum gibt, und der verlassenen Theaterpassage.

Gleich zwei ehemalige Läden nutzen die Klassen Candice Breitz und Corinna Schnitt der Hochschule für Bildende Kunst (HBK) Braunschweig. Sie machen die ehemalige Apotheke und das gegenüberliegende Ladengeschäft an der Ecke zum Domhof zu Ausstellungsräumen. Für sie sei die Theaterpassage ein Experimentierfeld, auf sie ihre Arbeiten in neuem Zusammenhang präsentieren können, so die junge Künstler. Kyu Nyun Kim hat seinen Beitrag extra fürs Emaf produziert: Er wirft in seinem Video einen Blick in die Zukunft und zeigt den Ort, nämlich die HBK selbst, an dem die Studierenden ihre nächste Ausstellung präsentieren. Das ist ein Konzept. Bei der vorherigen Ausstellung in Braunschweig zeigte Kyu Nyun Kim ein Video der Theaterpassage. Kommilitonin Jaq Lisboa beschäftigt sich derweil in ihrem Beitrag mit Arbeit. Auf die Idee kam die Brasilianerin, als sie ihren Aufenthaltstitel nur verlängern konnte, wenn sie eine Arbeit hat. „Das Thema betrifft aber nicht nur mich, sondern in irgendeiner Form alle“, so Jaq Lisboa.


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