Neues Kabarett von Kalla Wefel Mit Ozzy im Taxi rückwärts durch Hamburg

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Kalla ‚Lefthand‘ Wefel: Im Café Spitzboden, seinem zweiten Wohnzimmer, stellte der Kabarettist sein neues Programm „Am Anfang war die Musik“ vor. Foto: André HavergoKalla ‚Lefthand‘ Wefel: Im Café Spitzboden, seinem zweiten Wohnzimmer, stellte der Kabarettist sein neues Programm „Am Anfang war die Musik“ vor. Foto: André Havergo

Osnabrück. Deutschlandpremiere in der Lagerhalle: Der Musiker und Quatschmacher Kalla Wefel stellte am Samstag sein neues Kabarettprogramm vor. Mit „Am Anfang war die Musik“ nimmt der 67-Jährige die Zuschauer mit in die Untiefen einer gar nicht so ungelebten Biografie.

Wie wurde aus dem juvenilen Wefel jener Rolling Stone („unsteter Geist“), der ihn zum Musiker, Buchautor und zum Kabarettisten machte? Durch Rollschuhe mit Rädern aus Beton und einem Mittelwelle-Empfänger. Es war anno 1963 in der Rückertstraße Richtung Schweizer Haus: Klein-Kalla bekam dort am besten Radio Luxemburg rein – und fand musikalische Erleuchtung.

Für den Urknall der Erkenntnis hatte zuvor die Schwester gesorgt, als sie das damals ungemein wuchtige „She loves you“ der Beatles auf den heimischen Plattenteller gelegt hatte. „Die Welt war danach aus den Fugen!“, erinnerte sich Wefel

Was den Pubertären in jenen musikalischen Aufbruchsjahren noch bewegte, gibt er in seinem neuen Kabarettprogramm preis. Der Clou: Nicht nur hat er die Lieder von damals mit originellen deutschen Übersetzungen versehen – hinreißend: „Street Fighting Man“ – auch die Begleitung hat Wefel höchstpersönlich im heimischen Studio eingespielt. Per Mausklick gestartet, spielt er nun auf der Bühne dazu live Gitarre. Und tönt fast charmant vokal dazu.

Dazwischen gerät Wefel manchmal ins Dozieren. Wer nur leidlich über die Entwicklungsgeschichte der Pop- und Rockmusik Bescheid weiß, für den klingt das wie Opa-erzählt-vom-Krieg. Aber bitteschön: Jeder hat seine Geschichte, das hatte Wefel ja vorausgeschickt.

Nah dran war er an manchen Musikgrößen. Im Vorprogramm von The Remo Four („die kannten die Beatles persönlich“) spielte Wefel mit eigener Beatband. Ozzy Osbourne kutschierte er im Taxi rückwärts durch Hamburg und den Southern-Comfort-getränkten Motörhead-Frontman Lenny Kilmister lernte er als harmonieverliebten Beach-Boys-Fan kennen.

Wefel kann auch politisch: Den zitierten AFD-Antrag, doch bitte mehr deutsches Liedgut im Radio zu spielen, verknüpft er mit jener Initiative deutschsprachiger Musiker, die dort einst eine 40-Prozent-Quote verankert haben wollten. In Form einer Büttenrede biss Wefel wunderbar alphamännchenhaft Heinz-Rudolf Kunze als einem der Initiatoren jener Quoten-Kampagne vom Platz.

Etwas überfordert wirkte Wefel mitunter ob der Bühnentechnik. Bevor es im Herbst auf die geplante Deutschlandtour geht, gehört besser noch ein Techniker angeheuert: Damit das Programm jene Professionalität bekommt, die es verdient.


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