Osnabrückerin erneut bei der UN Mehr Bildung und Rechte für alle Frauen

Von Ulrike Schmidt


Osnabrück. Noch etwas müde ist Alicia Fengler von der UN-Frauenrechtskommission in New York zu einer kurzen Stippvisite in ihrer Heimatstadt zurückgekehrt. Zum zweiten Mal hat die Osnabrücker Medizinstudentin an der zweiwöchigen Tagung teilgenommen.

Inzwischen leitet die engagierte junge Frau die Taskforce für Vereinte Nationen des internationalen Dachverbandes der Medizinstudierenden (IFMSA) und war als Delegationsleitung dabei. Ihre Mitstreiterinnen kamen aus Taiwan, Indien, Großbritannien, Schweden, Australien, Estland und Deutschland.

Angst vor der Einreise

„Leider“, so erzählt sie, „sind wieder etliche Delegierte nicht gekommen“. Eine Einladung der Vereinten Nationen sei nicht mehr so viel wert wie früher. Wegen Trumps Politik fürchteten Delegierte aus bestimmten, vor allem muslimischen Ländern Probleme bei der Einreise in die USA. Mit leeren Plätzen werde im Plenum auf die Fehlenden hingewiesen. „Diesmal waren es deutlich mehr freie Plätze als im Vorjahr.“

Lebendigste UN-Versammlung

Außerdem seien nur 30 statt der erwarteten 70 Frauen aus ländlichen Gebieten in aller Welt angereist. Die Situation dieser Frauen, die in vielen Bereichen des Lebens benachteiligt seien, habe diesem Jahr im Mittelpunkt des Treffens gestanden. Mit 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gelte die UN-Frauenrechtskommission als die lebendigste, aber auch als besonders chaotische Runde der Vereinten Nationen.

In der Diskussion über die Verbesserung der Situation von Frauen auf dem Land sei einmal mehr deutlich geworden, dass der Klimawandel auch hier Auswirkungen zeige. In Afrika, so berichtet die Studentin, sei die Zahl der Kinderehen zurückgegangen. Weil sich die Dürre aber in weiten Teilen des Landes weiter ausbreite, überlegten manche Familienväter jetzt wieder öfter, ob sie ihre minderjährige Tochter an einen Ehemann verkaufen, um Geld für neues Vieh zu bekommen.

Kein Sex vor der Ehe

Rückwärts gewandte US-Amerikaner, die auch den Klimawandel leugnen, hätten sich in diesem Jahr lauter geäußert als noch vor einem Jahr, erzählt Alicia Fengler weiter. Keuschheit und kein Sex vor der Ehe seien für diese Gruppe das Wichtigste, um junge Frauen vor ungewollter Schwangerschaft zu schützen.

Während in den USA und anderen Ländern groß über die UN-Frauenrechtskommission berichtet werde, gebe es in Deutschland allenfalls Randnotizen über das Ereignis. Es werde offensichtlich nicht wichtig genommen, meint die junge Frau. Sie wünscht sich, dass generell mehr junge Menschen in politische Entscheidungen einbezogen werden. Und natürlich sollten sie auch in Deutschland ernster genommen werden. Während die Teilnehmer anderer Länder Jugenddelegierte heißen, seien die Deutschen nur Jugendbeobachter.

Keine Zeit zum Ausruhen

Gerade als reiches Land müsse Deutschland die UN-Agenda 2030 umsetzen, fordert die Osnabrückerin. Dazu gehören unter anderem bessere Bildungschancen für alle jungen und Mädchen, Gleichberechtigung, eine Änderung des Konsumverhaltens und – für sie ganz wichtig – der Kampf gegen den Klimawandel.

Viel Zeit zum Ausruhen blieb Alicia Fengler nicht: Schon sechs Tage nach ihrer Rückkehr aus New York saß sie wieder im Flugzeug auf dem Weg nach Hongkong. Dort absolviert sie ein vierwöchiges Praktikum im Lehrkrankenhaus der chinesischen Universität Hongkong. Die angehende Medizinerin macht Praktika in vielen Teilen der Welt, um die Kulturen und das medizinische Wissen der Länder kennenzulernen. Und auch dort wird sie sicher auf die Rechte von Frauen aufmerksam machen, als Menschenrechtlerin, wie sie sich selbst nennt.