Zum Tod von Josef Thöle Osnabrück verliert einen großen Kommunalpolitiker

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Die Entwicklung des Kultur- und Landschaftsparks Piesberg war für Josef Thöle eine Herzensangelegenheit. Foto: Erhard BöhmerDie Entwicklung des Kultur- und Landschaftsparks Piesberg war für Josef Thöle eine Herzensangelegenheit. Foto: Erhard Böhmer

Osnabrück. Was muss man tun als Mensch und Kommunalpolitiker, um der Nachwelt in positiver Erinnerung zu bleiben? Schwer zu sagen. Da gibt es sicherlich vieles. Man kann sich aber auch einfach ein Beispiel an Josef Thöle nehmen, der mit seinem Engagement, vor allem aber mit seiner Integrität und Menschlichkeit Maßstäbe gesetzt hat. Josef Thöle ist in der vergangenen Woche mit 71 Jahren gestorben.

Josef Thöle war CDU-Politiker und gehörte von 1991 bis 2016 dem Rat der Stadt Osnabrück an, seit 2001 war er Vorsitzender des Gremiums. Daneben gehörte er dem Ortsrat Pye vom 1986 bis 2006, seit März 1990 als Ortsbürgermeister an. Umweltausschuss, Betriebsausschuss des Osnabrücker Service-Betriebes, Finanzausschuss und Verwaltungsausschuss sind Gremien, in die Thöle sein Wissen und seine Tatkraft einbrachte. Den Ehrenring für zwanzigjährige Mitgliedschaft im Rat erhielt Josef Thöle 2011.

Nach einer Ausbildung zum Elektriker zog es Thöle bald zurück in die Berufsschule. Zuletzt machte er sich als Leitender Regierungsschuldirektor, aber auch noch jenseits der Pensionsgrenze – angebunden an die Universität Osnabrück – für Berufsschullehrer und ihre Ausbildung für den Nachwuchs an Berufschullehrern stark. So weit die Fakten, stark verkürzt. Es gäbe da sicherlich noch viel mehr aufzuzählen. Aber die reinen Daten würden den Menschen Josef Thöle doch nur unzureichend beschreiben.

„Mir geht es um die Sache.“ Das war Josef Thöles Credo. Was klingt wie ein nüchternes Statement, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als der Kern seines Schaffens. Denn in diesem Satz zeigt sich auch die Offenheit des Menschen Josef Thöle, der immer auch die Meinung der anderen hören wollte und diese bereitwillig in die eigenen Überlegungen einbezog. Hauptsache der Sache war gedient. Da war es auch egal, aus welcher politischen Ecke Vorschläge und Anregungen kamen. Das Ernstnehmen des anderen war es, was Josef Thöle ein hohes Maß an Respekt verschaffte.

Ein Respekt, der ihm vor allem auch während seiner nicht immer ganz einfachen Tätigkeit als Ratsvorsitzender zugutekam. Wann immer der Sitzungsverlauf die Grenze zum Chaos zu erreichen drohte oder wenn der Ton rüde wurde, gelang es Thöle die Damen und Herren Kommunalpolitiker in ruhiges Fahrwasser zurückzubringen. Unvergesslich sein „Mooomentmal“. Wenn es erklang, war den Ratsmitgliedern klar, dass sie dabei waren den Bogen zu überspannen und ihr Vorsitzender eben das nicht zulassen würde. Und schon kehrten Sitzungsdisziplin und Sachlichkeit in die Diskussion zurück, von Thöle oftmals noch mit einer kleinen Prise feinsinnigen Humors begleitet.

Die „Sache“ war es auch, die Thöle bei seinem Lieblingsprojekt antrieb: der Piesberg und seine Entwicklung zu einem kulturellen und landschaftlichen Leuchtturm in Osnabrück. Dass Osnabrück letztendlich den Zuschlag für die Bundesgartenschau zurückgab, hat ihn sicherlich enttäuscht aber definitiv nicht entmutigt. Also hat Thöle das Heft des Handelns ergriffen und gemeinsam mit vielen Akteuren die Geschicke am Piesberg zu dem gelenkt, was sich heute am Stadtrand den Bürgern als Freizeitparadies präsentiert. Hier hätte Josef Thöle gerne noch mehr bewegt. Das ist ihm leider nicht vergönnt gewesen, weil ihn eine schwere Krankheit 2016 von einem Tag auf den anderen aller Kraft beraubte.

Uns bleibt Josef Thöles „Mooomentmal“. Es sollte uns weiter in den Ohren klingen, wenn es mal wieder hektisch wird. Dann sollten wir uns seiner erinnern und versuchen, ihm ein wenig nachzueifern.


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