Ausstellung in der Schatzkammer Osnabrücker Geld im 30-jährigen Krieg

Von Joachim Dierks


Osnabrück. Die Schatzkammer im Historischen Rathaus hat Zuwachs bekommen. Neben die Vitrine mit Goldmünzen und –medaillen, die die Protagonisten des 30-jährigen Kriegs und des Friedensschlusses von 1648 zeigen, ist jetzt eine kleinere Vitrine mit überwiegend Kupfermünzen aus Osnabrücker Prägung gerückt.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert verdeutlichte, weshalb die Ausstellung gerade jetzt nach Osnabrück kommt: Vor 400 Jahren, genau am 23. Mai 1618, geschah der Prager Fenstersturz. Vertreter der protestantischen böhmischen Stände waren erbost über die Beschneidung der Religionsfreiheit durch den katholischen Kaiser und warfen dessen Statthalter kurzerhand aus dem Fenster in eine Abortgrube. Diese „Defenestration“ markiert den Beginn des europäischen Krieges, an dessen Ende 30 Jahre später der Westfälische Friede von Osnabrück und Münster stand. Griesert dankte dem Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank Carl-Ludwig Thiele, dass er nun auch die neue Ausstellung mit Stücken aus den Beständen der Numismatischen Sammlung der Bundesbank in Frankfurt nach Osnabrück holen konnte.

Zahlungsmittel des Volkes

Dass die Münzen in Osnabrück und nicht in Münster gezeigt werden, begründete der Osnabrücker Thiele in reiner Unschuldsmiene damit, dass das Rathaus zu Münster leider über keinen hochgesicherten Raum verfüge. Anders die Schatzkammer im Osnabrücker Rathaus, wo die Münzen inmitten des wertvollen Ratssilbers, des Kaiserpokals, der ältesten Schützenkette und wichtiger Urkunden zur Stadtgeschichte bestens aufgehoben seien. „Münzen und Geldscheine sind unmittelbare und unverfälschte Zeitzeugen, sie haben viel zu erzählen“, sagte Thiele, der im Bundesbank-Vorstand für die Bereiche Bargeld, Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme zuständig ist und auch die historische Münzsammlung beaufsichtigt. Geld sei im wahren Wortsinn „begreifbare Geschichte“. Kryptowährungen könne man nicht in die Hand nehmen, nicht begreifen, und deshalb würden sie sich auch nicht als Zahlungsmittel des Volkes durchsetzen.

Zeichen der Souveränität

„Die Gesandtenporträts im Friedenssaal nebenan sind zweifellos beeindruckend, aber sie sind nicht unter das Volk gelangt. Anders die Münzen in dieser Vitrine“, kam Thiele auf den Kern der Ausstellung zurück, „das hier waren die Gebrauchsmünzen, die Kleinmünzen, die jeder normale Bürger in der Tasche trug, um damit Alltagsausgaben zu bestreiten“. Kupfermünzen wurden schon seit 1566 in Osnabrück geprägt. Sie zeigen auf der einen Seite das Rad als Stadtwappen und auf der anderen den Nominalwert von 1 Pfennig oder 3 Pfennige. Das Münzrecht besaß für die Stadt und ebenso für den Bischof eine überaus große Bedeutung, konnte damit doch das „Logo“ der Stadt und das Bild des Bischofs als Zeichen der Souveränität bis in die letzte Hosentasche eines Tagelöhners verbreitet werden.

Silber durch Kupfer ersetzt

Wie wirkte sich der Krieg auf die Geldpolitik aus? Kriege kosten Geld, viel Geld, erläuterte Hendrik Mäkeler, Leiter Numismatik und Geldgeschichte in der Bundesbank. Traditionell entsprach die Kaufkraft einer Münze dem Materialwert des verwendeten Münzmetalls. Um die Kriegskasse aufzufüllen, Belagerungskosten abzudecken oder Reparationsforderungen zu begleichen, griffen die Inhaber des Münzregals zu allen Zeiten zu dem Mittel, den Edelmetallgehalt zu senken und durch billigere Legierungen zu ersetzen. Osnabrück ersetzte Silber durch Kupfer, nachdem die Schweden 1633 die Stadt besetzt und ihr auferlegt hatten, Silber im Gegenwert von 60 000 Talern zu bezahlen. Der Nennwert der Münzen blieb jedoch gleich. Die umlaufende Geldmenge stieg, die Kaufkraft sank – und das Ergebnis war eine Inflation.

Die Ausstellung „Osnabrücker Geld im Dreißigjährigen Krieg“ ist bis zum 15. Oktober 2018 in der Schatzkammer des historischen Rathauses zu besichtigen. Ein bebilderter Flyer ist kostenlos erhältlich.