Festival gastiert in Melle Am zweiten Tag wird Classic con brio sakral

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Classic con brio in der Kirche: In St. Matthäus in Melle singt das Vokalconsort Osnabrück unter der Leitung von Stephan Lutermann.  Foto: Moritz FrankenbergClassic con brio in der Kirche: In St. Matthäus in Melle singt das Vokalconsort Osnabrück unter der Leitung von Stephan Lutermann. Foto: Moritz Frankenberg

Melle. Am zweiten Festivaltag geht Classic con brio in die Kirche: Stephan Lutermann, das Vokalconsort Osnabrück und Organist Wolfgang Abendroth an der Orgel gestalten ein kurzweiliges Programm.

So geht es also auch: Nach einem Konzertmarathon zur Eröffnung am Freitag gestalten Stefan Lutermann und sein semiprofessionelles Vokalconsort Osnabrück für den zweiten Tag des Festivals Classic con brio ein knackiges Konzert mit sakraler Musik. Lutermann orientiert sich dabei am Festivalmotto „Entlang der Donau“ und vollführt gleichzeitig einen eleganten Sprung vom Barock in die Chormusik unsere Tage. Und nach anderthalb Stunden ist alles gesungen, was gesungen werden soll. Kein Ton zu viel, keiner zu wenig. Weiterlesen: Der erste Tag von Classic con brio 2018

Zukunftsmusik bei Classic con brio?

Ein bisschen seltsam mutet das Konzert in der St. Matthäuskirche in Melle trotzdem an, weil sich nicht erschließen will, was ein Konzert für Chor und Orgel bei einem Festival soll, das sich in erster Linie der Kammermusik widmet. Zwar legt Intendant Hagen Gleisner Wert darauf, kein Kammermusik-Festival zu veranstalten: Offenbar denkt er in umfassenderen Kontexten. Aus dem aktuellen Programm lässt sich die Öffnung allerdings noch nicht ablesen: Zehn von zwölf Konzerten präsentieren halt doch Kammermusik in Reinform. Aber wer weiß, vielleicht wagt ja Classic con brio ja im nächsten Jahr den ganz großen Sprung. Wie wäre es zum Beispiel, mit dem Popsalon zu kooperieren? Der findet in der Regel parallel statt, und in diesem Jahr hätte es wenigstens Anknüpfungspunkte geografischer Art gegeben: Mit Bilderbuch, Mogli und 5k HD stammten immerhin drei Bands aus Österreich, also einfach nur der Nase nach entlang der Donau. Weiterlesen: Lutermann und das Vokalconsort 2017 bei Classic con brio

Doch das ist Zukunftsmusik; für diesmal gibt es Musik für Chor und Orgel. Beide Konzerthälften beginnen mit gewichtigen Orgelwerken: Wolfgang Abendroth bringt mit einer Toccata von Georg Muffat die historische Orgel in der Alten Kirche mit ihren historisch bedingten knorrigen Charaktereigenschaften zur Geltung – ein wirkungsvoller Einstieg. In den zweiten Teil führt der musikalische Hausherr an St. Matthäus, Stephan Lutermann, vor, dass er neben seinen großen Qualitäten als Chorleiter und innovativer Schöpfer neuer Konzertformate auch ein brillanter Organist ist: Präludium und Fuge über den Namen BACH von Franz Liszt wird bei ihm zum mitreißenden Exempel an Klangpracht. Der Rest des Abends gehört dem Vokalconsort Osnabrück.

Großartiges kleines Häuflein: Das Vokalconsort Osnabrück

Man darf, man muss diesem kleinen Häuflein großes Lob zollen: Für die Reinheit, mit der die Sängerinnen und Sänger György Ligetis Mikrointervalle zum Klingen bringen. Für die rhythmische Präzision, die eine Preziose wie „Daemon irrepit callidus“ des aus Siebenbürgen stammenden Komponisten György Orbán zum Vergnügen macht. Für die Klangfülle, mit der sie aus Leos Janáceks „Die wilde Ente“ ein spätromantisch-sentimentales Wunderwerk machen. Und all das hat Stephan Lutermann nicht nur perfekt programmiert, sondern auch so einstudiert, dass der Chor mit größter Selbstverständlichkeit singt. Weiterlesen: Im Berliner Berghain kombiniert Stephan Lutermann Chorgesang mit Tanz

Zoltán Kodálys „Laudes organi“ führt schließlich Orgel, wieder gespielt von Wolfgang Abendroth, und das Vokalconsort unter Lutermann zusammen: Das sind großartige zwanzig Minuten Musik, von Abendroth und dem Vokalconsort klangprächtig, majestätisch, intim realisiert. Eine toller Erfolg, der die Ausnahmestellung des Vokalconsorts in der regionalen Chorszene unterstreicht. Die Verknüpfung mit Classic con brio bleibt trotzdem eher locker, auch wenn bei Gyöngyösi Leventes Auszug aus „Gloria Kajoniensis“ neben den Perkussionisten Christoph Elixmann und Pasquale Sgrodie die Con-Brio-Gäste Wouter Vossen und Vanessa Szegeti an den Geigen Balkankolorit ins Spiel bringen.


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