Lustvoller Predigt-Wettbewerb Marburgerin gewinnt Osnabrücker Preacher-Slam

Von Susanne Haverkamp


Osnabrück. Spannend, lustvoll und wortgewaltig über Gott und die Kirche reden – das ist Aufgabe beim Preacher-Slam, einem Prediger-Wettbewerb, der in Osnabrück zum dritten Mal ausgetragen wurde. Den begehrten „Löwenpudel“ gewann die Teilnehmerin mit der weitesten Anreise: Janina Dueck aus Marburg.

Am Schluss purzelten die Centstücke in Einmachgläser. Zehn Münzen durfte jeder der rund 140 Besucher auf die Gläser der sechs Kandidaten verteilen und damit den Sieger des dritten Osnabrücker Preacher-Slams küren. Und anders als in den Vorjahren machte der recht gleichmäßig verteilte Applaus nach den einzelnen Vorträgen klar: Es wird knapp. Doch so knapp war es dann gar nicht. Mit 767 Gramm Münzen hatte die Marburger Studentin Janina Dueck fast 200 Gramm Vorsprung vor dem Sieger der beiden Vorjahre, Tom Herter, und als Dritter der Newcomerin Christin Kölling aus Hagen.

Dabei war die Aufgabe, die die Prediger zu erfüllen hatten, nicht einfach. „An der Lust, die dir zusteht, geh nicht vorbei“ – dieser Vers aus dem biblischen Buch Jesus Sirach war die Grundlage der Kurzbeiträge. Lust? Und Kirche? Schwierig!

Freifahrtschein zum Glücklichsein

Vielleicht hatten deshalb vier der sechs Kandidaten, die im Forum am Dom antraten, eine ähnliche Idee. „Gott schenkt uns jeden Tag einen Freifahrtschein zum Glücklichsein“, so formulierte es die Osnabrückerin Marie Gabrielle. Nutze den Tag!, sagten gleich mehrere. „Wir haben Anspruch auf Glück“, formulierte Norbert Fink, der einzige katholische Priester, der sich in drei Jahren Preacher-Slam auf die Bühne traute; der Düsseldorfer wurde Fernsehzuschauern dadurch bekannt, dass er 2016 vor laufenden Kameras die TV-Darstellerin Daniela Katzenberger und ihren Freund Lucas Cordalis traute.

Gewonnen haben aber die beiden, die einen originelleren Ansatz hatten. Tom Herter, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Osnabrück, wusste wieder einmal durch seinen lokal eingefärbten Witz zu überzeugen – bei keinen Vortrag wurde so viel gelacht wie bei seinem. Aber er hatte auch eine Botschaft dabei. Leben, lieben, genießen, wie der alttestamentliche Prediger Jesus Sirach sagt? „Dem anderen Jesus ging es um die, die nicht genießen können“, erinnerte er. Deshalb sein Tipp: Nicht beim Genießer-Jesus stehenbleiben, sondern zwischen beiden Jesussen hin- und herpendeln. Den silbernen Löwenpudel konnte er dafür seiner Sammlung zufügen.

Mutige Priester gesucht

Die originellste war aber die Marburger Studentin Janina Dueck. Sie schlüpfte in die Rolle des biblischen Apostels Thomas: Thomas, der Zweifler. Als einzige auswendig ganz ohne Manuskript und mit viel schauspielerischen Talent versetzte sie das Publikum in die Gedankenwelt eines Mannes, der mit großer Lust mit dem Wanderprediger Jesus durch das Land zog – aber unter dem Kreuz sämtliche Lust verlor. Es war die Art ihres Vortrags, die das sehr gemischte Publikum von Studenten bis Rentnern begeisterte und der jungen Frau den goldenen Löwenpudel einbrachte. Damit, kündigte Moderator Urs van Wulfen an, werde sie bei der vierten Ausgabe im kommenden Jahr als Titelverteidigerin ins Rennen gehen. Und dafür sucht er weiter beharrlich nach katholischen Priestern, die sich auf die Slammer-Bühne trauen. Immer nur Kirche ist doch langweilig.