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Bilderbuch, KLAN, Isolation Berlin, Warhaus Popsalon in Osnabrück: So war der Samstag

Von Tom Bullmann, Katharina Leuck und Matthias Liedtke

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thb/leu/mali Osnabrück. Im ausverkauften Osnabrücker Rosenhof hat die österreichische Band Bilderbuch gezeigt, was sie unter ausgefeilter Popmusik versteht, die unter die Haut geht. Außerdem beim Popsalon-Samstag: KLAN, Isolation Berlin, Warhaus. Wir haben sie uns angesehen.

Bilderbuch im Rosenhof

Den Höhepunkt des Popsalons bezüglich der Beliebtheit beim Publikum bildete die Band Bilderbuch aus Österreich. Die Austro-Popper erfüllten alle Erwartungen, die die Fans an sie stellen: Hochgradig versierte Popmusik wurde geliefert, mit einem charismatischen Frontmann, der Jung und Alt von der ersten Minute an mitriss. Nachdem sich die Riesenschlange vor dem Rosenhof aufgelöst hatte, weil alle Bilderbuch sehen wollten, startete Drummer Philipp Scheibl höchst unkonventionell mit einem Schlagzeugsolo die Show.

Illuminiert von einer reduzierten, aber höchst effektiven Lightshow driftete Sänger Maurice Ernst mit seinen Kollegen durch ein Set, das mit Highlights und kleineren Pop-Preziosen gespickt war. „Barry Manilow“ startete mit einem von Autotune verfremdeten, zweistimmigen Gesangsintro und „Sneakers For Free“ geriet zum ersten Mitmachhit. Gitarrist Michael Krammer bewegte sich auf den Spuren von Prince und Ernst wechselte bisweilen vom Gesangsmodus in die Stilistik des Sprechgesangs. Einmal mehr bewiesen Bilderbuch, dass sie genau wissen, was sie dem Publikum zu bieten in der Lage sind. Und schon bald geriet es beim Hit „Maschin“ geradezu in Ekstase. Es wurde mitgesungen und gekreischt, was das Zeug hielt.

Timo Blunck im Stadtgalerie-Café

Am frühen Abend hatte Timo Blunck den dritten Popsalon-Abend mit einer ziemlich unkonventionellen Lesung gestartet. „Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern“ heißt sein autobiografischer Roman, in dem er Geschichten aus seinem Leben als Bassist der Kultband Palais Schaumburg zum Besten gibt. Im Stadtgalerie-Café illustrierte er jedes Kapitel, das er vortrug, mit Fotos, Videos und einem Song, den er live sang. Als seine Erlebnisse in Manchester oder New York anstanden, durften Zuschauer mitmachen. Wer erriet, welche Berühmtheiten er per Foto zeigte, die er dort getroffen hatte, wurde bei richtiger Antwort mit einem T-Shirt belohnt.

Consolers in der Kleinen Freiheit

Später wurden die Zuschauer in der Kleinen Freiheit vom Sänger der Band Consolers mit Blumen beschenkt. Nachdem der Frontmann in weißen Shorts das Publikum aufgefordert hatte, eine „Wall of Love“ zu bilden, schritt er die Schneise im Saal ab und verteilte als Geste der Liebe Rosen. Passend dazu erwiesen sich die Musiker aus Hannover als Neo-Hippies, die ihren Pop mit vierstimmigem Gesang aufbrezelten, der an die 60er Jahre erinnerte.

KLAN in der Kleinen Freiheit

Gegen 20:30 Uhr starteten KLAN in der Kleinen Freiheit in ihr Set. Dank Bilderbuch ist es nicht ganz so voll, wie es das Bruder-Duo Michael und Stefan aus Berlin mit ihrem souligen Mix aus Indie und Hiphop verdient hätten. Diejenigen, die trotzdem hergekommen sind, wippen begeistert mit und saugen die sauber gebauten, sehr druckvollen Beats und nachdenklichen Texte andächtig auf. Streckenweise erinnern die Songs an alte Stücke von Clueso, nur mit noch etwas mehr Leidenschaft. Dem Publikum gefällt es so gut, dass KLAN spontan noch eine Zugabe geben. Das Debütalbum „Wann hast du Zeit“ sollte nach dem Konzert sicher ein paar neue Besitzer gefunden haben.

Isolation Berlin im Haus der Jugend

Im Haus der Jugend servierten später Isolation Berlin eine energetische Mischung aus melancholischen Indie-Popsongs und wütend energetischen Rocknummern. Filigrane Klangkonstrukte und tosende Gitarren- und Percussion-Wände geben sich bei der vierköpfigen Band die Klinke in die Hand. Angestachelt von der Dynamik steht im Saal kaum noch ein Bein still. Tanzen, hüpfen und begeistertes Mitgrölen wird gut eine Stunde die Lieblingsbeschäftigung des begeisterten Popsalon-Publikums. Als Sänger Tobias Bamborschke gespielt Ernst das möglicherweise nahende Ende des Konzerts andeutet, protestieren die Leute im Saal lautstark.„Weiterspielen, immer weiterspielen!“ schallt es aus der Menge, bevor diese sich wieder in ein Meer aus begeistert tanzenden Körpern verwandelt. Bamborschke zum großen Finale todesmutig mittendrin.

Mogli in der Lagerhalle

Mit atmosphärisch verdichtetem Breitwandpop begann der Abend in der Lagerhalle. Dabei wirkten die mit gedrosselter Geschwindigkeit gefahrenen Songs von Selima Taibi alias Mogli nicht zufällig wie Kapitel eines musikalischen Roadmovies, sind sie doch auf einer Reise von Alaska nach Mexiko entstanden, die mit dem Film „Expedition Happiness“ dokumentiert wurde. Der mit glasklarer Stimme lupenrein vorgetragene Dream-Pop kam im gut gefüllten Saal bestens an. Moglis dreiköpfige Begleitband setzte Akzente mit klirrenden Gitarren und Violinensoli. Erst ganz am Schluss luden unter Aufhebung des Tempolimits vergleichsweise treibende Beat-Samples gar zum Tanzen ein.

5K HD in der Lagerhalle

Zum genauen Zuhören zwang dagegen das Wiener Avantgarde-Quintett 5K HD das Lagerhallenpublikum. Mit spannungsreich fusionierten Klangcollagen sabotierten die aus dem Jazz kommenden Musiker lustvoll und unerschrocken das konventionelle Strophe-Refrain-Schema. Sphärische Intros, irritierende Intermezzi, unvermittelte Rhythmus- und Tempovariationen und fein dosierte Eruptionen boten eine Herausforderung für Partygänger. Dabei fügte sich die glockenhelle, mitunter sirenenhafte Stimme von Mira Lu Kovacs so in die komplex konstruierten Klangstrukturen ein, dass sie wie ein Instrument unter vielen wirkte. Ein zunächst balladesk intonierter „Not A Love Song“ mündete in eine orgiastische Kakophonie, die am Ende wieder zum ursprünglichen Motiv zurückfand.

Rikas in der Kleinen Freiheit

Das melodiebetonte Kontrastprogramm zum sperrigen Kunst-Pop lieferte das Stuttgarter Quartett Rikas mit „Swabian Samba“ in der Kleinen Freiheit. Retro-Beats, fein groovende Disco-Rhythmen, luftig-leicht perlender Surf-Sound und mehrstimmige Gesangsharmonien sorgten für gute Laune kurz vor der Party. Selbst Songs über eine schmerzende Schulter oder ein geplatztes Date vermochten die „schwäbischen Beach Boys“ ebenso entspannt und tanzbar darzubieten wie ein überraschendes Cover von Kraftwerks „Das Model“.

Warhaus in der Lagerhalle

Das große Finale in der Lagerhalle kommt schließlich von Warhaus, dem vierköpfigen Projekt des Balthazar-Sängers Maarten Devoldere. Zwischen mystisch urbanen Klanggebilden aus Loops, Percussion, verfremdeten Gitarren und Posaunenzügen schwebt der Belgier in düster rotem Licht über die Bühne und beschwört mit seinem Gesang immer wieder das Publikum. Es wirkt fast so, als wolle er es mit der sehr experimentell anmutenden Musik hypnotisieren. Treibende Beats und starke Samples tun ihr Übriges.


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