Abmahnung zeigt Wirkung Teutoburger-Wald-Netz: Eurobahn bleibt unter Beobachtung

Von Sebastian Stricker

Die neuen, eigens für die Holland-Linie RB 61 angeschafften Mehrsystem-Elektrotriebwagen vom Typ Stadler Flirt-3 bereiten der Eurobahn große Probleme. Solange sie nicht voll einsatzfähig sind, müssen Fahrgäste im gesamten Teutoburger-Wald-Netz mit Einschränkungen rechnen. Foto: EurobahnDie neuen, eigens für die Holland-Linie RB 61 angeschafften Mehrsystem-Elektrotriebwagen vom Typ Stadler Flirt-3 bereiten der Eurobahn große Probleme. Solange sie nicht voll einsatzfähig sind, müssen Fahrgäste im gesamten Teutoburger-Wald-Netz mit Einschränkungen rechnen. Foto: Eurobahn

Osnabrück. Die Eurobahn bekommt ihre massiven Probleme im Teutoburger-Wald-Netz (TWN) immer besser in den Griff. Nach einer Abmahnung im Februar habe sich der Betrieb stabilisiert, stellen die Auftraggeber fest. Zufrieden mit dem neuen Anbieter sind sie aber noch nicht.

Wie der Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe (NWL) mitteilt, würden die Züge mittlerweile viel zuverlässiger fahren als zu Jahresbeginn. Es gebe deutlich mehr Triebwagenführer und große Fortschritte bei der Fahrgastinformation. Zudem habe die Eurobahn ihre Kunden für die monatelangen Störungen im TWN finanziell entschädigt. Schwierigkeiten bereite jedoch weiterhin der grenzüberschreitende Verkehr auf der Holland-Linie RB 61 (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo). Weil dort die Technik fabrikneuer Fahrzeuge streikt, kommt es auch auf den übrigen Strecken oft zu Kapazitätseinschränkungen.

Forderungen der Auftraggeber weitgehend erfüllt

„Die Abmahnung für die Eurobahn zeigt Wirkung, unsere Forderungen wurden weitgehend erfüllt“, stellt der NWL fest. Das habe eine Auswertung der betrieblichen Daten der Eurobahn bis Ende März ergeben. Gleichwohl werde die Entwicklung im TWN „weiterhin engmaschig beobachtet“. Für anhaltende Probleme erwarte der Verband „eine baldige Lösung und damit einen reibungslosen Verkehr, wie er von den Partnern bestellt und finanziert wird“. Aufgabenträger sind neben dem federführenden NWL die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und die Provinz Overijssel.

Betreiber hinkt eigenen Ansprüchen hinterher

Die Eurobahn-Muttergesellschaft Keolis Deutschland, nationaler Ableger einer französischen Staatsbahntochter, räumt weiteren Nachholbedarf in manchen Bereichen ein. „Wir werden unserem eigenen Anspruch aktuell noch nicht gerecht“, sagt Magali Euverte, Vorsitzende der Geschäftsführung. Ursächlich sei die Fahrzeugsituation. 

Das Teutoburger-Wald-Netz umfasst fünf Linien: RB61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo), RB65 „Ems-Bahn“ (Münster–Rheine), RB66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück–Münster), RB72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford–Paderborn) und RE78 „Porta-Express“ (Bielefeld–Minden–Nienburg). Grafik: NOZ

Zum Hintergrund: Für den Betrieb des TWN benötigt die Eurobahn insgesamt 27 Elektrotriebzüge. 19 gebrauchte übernahm sie vom Vorgänger Westfalenbahn. Die übrigen acht Fahrzeuge kamen ab Werk. Sieben davon sind für die neue Verbindung nach Holland vorgesehen, die eigentlich schon Mitte Januar hätte starten sollen.

Probleme beim Wechsel der Stromsysteme

Aus ungeklärten Gründen gelingt es diesen Zügen jedoch bis heute nicht, beim Grenzübertritt zuverlässig zwischen den verschiedenen Stromsystemen zu wechseln. Seit Anfang April bedienen sie laut NWL deshalb bis auf Weiteres nur noch den Abschnitt von Hengelo bis Bad Bentheim. Das zwingt einerseits Reisende zu Umstiegen, andererseits die Eurobahn dazu, im restlichen Netz mit weniger Rollmaterial auszukommen als geplant. Kunden spüren das unter anderem, wenn Züge mal wieder kürzer ausfallen als nötig – oder einfach gar nicht fahren. (Weiterlesen: Eurobahn entschuldigt sich bei Fahrgästen im Teutoburger-Wald-Netz)

NWL lässt Neufahrzeuge extern begutachten

„Ohne funktionierende Fahrzeuge sind wir nicht in der Lage, einen stabilen Betrieb durchzuführen“, erklärt die Eurobahn auf Nachfrage unserer Redaktion. Gemeinsam mit dem Hersteller Stadler werde von Beginn an unter Hochdruck an der Einsatzfähigkeit der neuen Triebwagen vom Typ Flirt-3 gearbeitet. In Abstimmung mit dem Aufgabenträger stünden sie seit April auch externen Gutachtern zur Prüfung zur Verfügung.

24/7-Echtzeitauskünfte auf allen Kanälen

Ferner habe die Eurobahn mit lokalen Busunternehmen zusätzliche Rahmenverträge geschlossen. Auf diese Weise sollen den Angaben zufolge Zugausfälle kompensiert werden, die sich mitunter erst unterwegs ergeben – beispielsweise durch Weichen- und Streckenstörungen. Im Bereich Fahrgastinformation sei ein Team aufgebaut worden, das die Kunden seit dem 19. Februar rund um die Uhr und auf allen Kanälen mit Echtzeitauskünften über den Eurobahn-Verkehr versorge. Im Internet seien sämtliche Meldungen über Fahrplanabweichungen auf den einzelnen Linien unter eurobahn.de/abfahrtsinfos abrufbar. Darüber hinaus sei unter der Rufnummer 00800/38762246 (00800-Eurobahn) an allen Tagen und zu jeder Uhrzeit eine kostenfreie Servicehotline geschaltet.

Wechsel in der Keolis-Geschäftsführung

„Ohne funktionierende Fahrzeuge sind wir nicht in der Lage, einen stabilen Betrieb durchzuführen“

Unterdessen hat Keolis Deutschland auch sein Führungsteam neu aufgestellt. Nach acht Jahren trennte sich das Unternehmen im März von Geschäftsführer Thomas Görtzen und setzte mit Anne Mathieu eine zweite Französin auf den Chefsessel neben Euverte. Acht Ressortleiter vervollständigen den Kreis der Verantwortlichen. Gemeinsam wollen sie künftig verstärkt auf Qualität, Leistung und Kundenorientierung achten, heißt es in einer Mitteilung.