Klangvolles Leergut Glas-Blas-Sing-Quartett begeistert mit Flaschenmusik im Rosenhof

Von Matthias Liedtke

Glasbläserkunst
              
               der musikalischen Art präsentierte das Glas-Blas-Sing-Quartett im Rosenhof. Foto: Swaantje HehmannGlasbläserkunst der musikalischen Art präsentierte das Glas-Blas-Sing-Quartett im Rosenhof. Foto: Swaantje Hehmann

OSNABRÜCK. „Flaschmob“ im Rosenhof: Das Ost-Berliner „Glas-Blas-Sing“-Quartett demonstrierte mit neuem Programm und aus Flaschen selbstgebauten Instrumenten, wie klangvoll Leergut sein kann.

Eine gelöcherte und hart besaitete Plastikflasche wurde zur „Coke-Fender“-Flaschengitarre, eine Ansammlung von Likörflaschen zum vertikalen „Flachmanninoff“-Xylophon und ein großer Wasserspender zum imposanten Kontrabass, der mit einer kleinen Schnapsflasche gespielt wurde. Kein Artikel aus dem gut sortierten Getränkehandel scheint davor sicher zu sein, von den vier Wahlberlinern aus dem Harz zu kreativen Instrumenten umgebaut zu werden. Vor einem Dutzend Jahren haben sie als Straßenmusiker die Flaschenmusik erfunden und seitdem kontinuierlich perfektioniert. Da werden ganze Melodien mit Daumen „geploppt“ oder virtuos mundgeblasen in Flaschenhälse geflötet. Gestimmt werden die Instrumente durch deren graduelles An- und Austrinken, so dass unterschiedliche Töne herausgepfiffen oder -geklopft werden können. Dabei dienen die großen Flaschen aus Kunststoff mal als Perkussionsfläche und mal als schlagendes Argument für Musik aus der Leergutabteilung, furios insbesondere bei einer krachenden Version von Depeche Modes „Weihnachtslied“ Personal Jesus.

Musikalisches Upcycling

Buchstäblich glasklar geriet dagegen The Cures „Close To Me“, leider nur ebenso kurz angespielt wie Queens „Radio Gaga“ oder White Stripes´ „Seven Nation Army“. Der neben Bela B. einzig verbliebene Stehschlagzeuger „Möhre“ erwies seinem verstorbenen Trio-Kollegen Peter Behrens mit „Da Da Da“ seine Reverenz, angereichert mit Vokalvariationen im Stil der „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“. Aber auch Eigenkompositionen boten die „Glas-Blas-Singer“ feil, darunter ein Lied über den peinlichen öffentlichen Gebrauch von Kosenamen oder eines über die stressig stöckelnde Nachbarin „oben drüber“.    Drucksprühflaschen machten am Ende ebenso alle „Happy“ wie vier gut durchgeschüttelte „Instrumentenkoffer“ respektive Leergutkisten mit beweglichen Tragegriffen. Nach mehr als zwei Stunden feinster Flaschenmusik und launigem Entertainment spülten die vier musikalischen Pfandsammler als Zugabe noch ein reines „Trinklied“ runter und beschlossen mit einer Abschiedshymne zum Mitsingen und Mitschunkeln einen originellen Abend, der eindrucksvoll zeigte, wie musikalisch „Upcycling“ sein kann.