Hélène Cixous im Osnabrücker Friedenssaal ausgezeichnet Die Justus-Möser-Medaille geht nach Frankreich

Von Anne Reinert

Hélène Cixous und ihr „lieber Oberbürgermeister“: Im Namen der Stadt Osnabrück hat Wolfgang Griesert der Schriftstellerin die Justus-Möser-Medaille überreicht. Foto: Swaantje HehmannHélène Cixous und ihr „lieber Oberbürgermeister“: Im Namen der Stadt Osnabrück hat Wolfgang Griesert der Schriftstellerin die Justus-Möser-Medaille überreicht. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Die französische Schriftstellerin und intellektuelle Hélène Cixous ist am Donnerstag im Osnabrücker Friedenssaal mit der Justus-Möser-Medaille ausgezeichnet worden. Die 80-Jährige wird für ihre schriftstellerischen Leistungen und insbesondere ihr Buch „Osnabrück“ geehrt.

„Osnabrück? Das ist die Stadt schlechthin“, würdigte Hélène Cixous in ihrer Dankesrede die Friedensstadt. Ihre Mutter stammt aus Osnabrück, musste aber vor den Nazis aus Deutschland fliehen. Zeitlebens sehnte sich Ève Klein nach ihrer Geburtsstadt. So fand die Stadt 1998 Eingang in Cixous‘ Buch „Osnabrück“. Erst im letzten Jahr erschien das Buch auf Deutsch. Passend zur Ehrung im Friedenssaal ist außerdem ihr Buch „Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem“ erschienen (Passagen Verlag).

Bezug zu „Im Westen nichts Neues“

Die Poststrukturalistin Cixous liefert in ihren Texten keine Beschreibung der Stadt, sondern hochartifizielle Literatur mit vielen Bezügen. So stellt sie etwa in einem Auszug aus „Den Vorzeichen zum Trotz“, den sie bei der Verleihung auf Deutsch vortrug, eine Verbindung zwischen Remarques „Im Westen nichts Neues“ und ihrem Großvater her, der im Ersten Weltkrieg fiel.

Verleihung der Justus-Möser-Medaille an Hélène Cixous Friedenssaal Rathaus. Foto: Swaantje Hehmann

Weil sie die Stadt aus der Erinnerung ihrer Mutter kennengelernt habe, verwandle sie „das uns vertraute Osnabrück in eine Fiktion oder einen Traum“, sagte Wolfgang Griesert – von Cixous in ihrer Rede mit „mein lieber Oberbürgermeister“ angesprochen – in seiner Laudatio. Ihre Literatur stehe damit auch für ein geeintes Europa, so Griesert, der auf Emmanuel Macrons „Initiative für Europa“ verwies.