Studie der IHK-Osnabrück-Emsland Trotz Brexit: Großbritannien für Firmen aus der Region attraktiv

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Handelsbeziehungen zu Großbritannien sind in der Region Osnabrück trotz des Brexit weiterhin gefragt. Foto: dpaHandelsbeziehungen zu Großbritannien sind in der Region Osnabrück trotz des Brexit weiterhin gefragt. Foto: dpa

Osnabrück. Trotz des geplanten Brexit ist das regionale Interesse nach Handelsbeziehungen zu Großbritannien ungebrochen hoch. Bislang ist wegen der Entscheidung der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union noch keine Kaufzurückhaltung zu spüren. Das geht aus einer Analyse der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim hervor.

So liegt Großbritannien bei den Unternehmen aus der Region auf Platz sieben der attraktivsten ausländischen Märkte. „Das Vereinigte Königreich ist einer der wichtigsten Außenhandelspartner der Unternehmen im IHK-Bezirk“, sagte der bei der IHK für die internationalen Geschäftsbeziehungen zuständige Geschäftsführer Frank Hesse bei der Vorstellung der Analyse „Chancen im Export“ in Osnabrück.

417 Betriebe aus der Region engagieren sich in Großbritannien

Demnach engagieren sich dort 417 Betriebe aus der Region, davon 30 sogar mit eigenen Niederlassungen. Somit ist Großbritannien weiterhin einer der bedeutendsten Auslandsmärkte. Das hohe Interesse an weiterem Geschäftsausbau lässt laut Hesse vermuten, dass Länder wie Großbritannien auch zukünftig wichtige Außenhandelspartner bleiben. Der Vorsitzende des IHK-Außenwirtschaftsausschusses, Franz-Josef Paus, warnte jedoch davor, dass der bevorstehende Brexit den freien Warenverkehr erschwere. „Hier muss man dem Protektionismus entgegentreten“, forderte Paus.

Exportquote bei 33 Prozent

Wie sich die Geschäftsbeziehungen nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU im März 2019 entwickeln, bleibe abzuwarten. Perspektivisch sind die Handelsbeziehungen zum Vereinigten Königreich laut Paus unsicher, weil das künftige Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien noch nicht definiert sei. Je nachdem wie die Handelsbeschränkungen und Zollbarrieren künftig ausfallen, könne sich dann auch der Stellenwert des Außenhandelspartners verändern. Insgesamt sind die Exportumsätze in der Region deutlich gestiegen. Die Exportquote, also der Anteil der Umsätze aus Auslandsgeschäften am Gesamtumsatz, liegt aktuell bei 33 Prozent.

Hälfte der auslandsaktiven Betriebe sind Kleinunternehmen

IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf stellte heraus, dass nach der Befragung von 1015 international aktiven Unternehmen aus unserer Region Klarheit herrsche, in welchen Ländern die Betriebe aktiv sind und das Geschäft noch ausgeweitet werden soll. Überraschend haben die Hälfte der auslandsaktiven Unternehmen weniger als 20 Mitarbeiter. Sogar 90 Prozent der im Außenhandel aktiven Firmen entfällt auf kleine und mittlere Betriebe mit weniger als 200 Mitarbeitern. Graf will gerade den kleineren Unternehmen Geschäftschancen aufzeigen und zusammen mit den Auslandshandelskammern etwa bei der größten Herausforderung – der Auswahl verlässlicher Geschäftspartner – unterstützen.

80 Prozent der auslandsaktiven Betriebe sind in den Niederlanden

Wenig überraschend haben die meisten Unternehmen außenwirtschaftliche Beziehungen in das Nachbarland Niederlande. Fast 80 Prozent der auslandsaktiven Betriebe aus unserer Region sind dort aktiv. „Das liegt sicherlich an der räumlichen Nähe des direkten Nachbarmarkts und der kulturellen Nähe der Niederländer“, erläuterte Hesse. Hinzu komme auch die Bedeutung des Hafens Rotterdam als einer der größten Seehäfen der Welt. Eine Untersuchung der Geschäftschancen für kleine Unternehmen in ausgewählten Ländern verdeutlichte darüber hinaus, dass die Marktbarrieren in den Niederlanden sehr gering sind und dass der Anteil der Kleinunternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten in Holland am größten ist. Der Anteil der Kleinunternehmen aus unserer Region im Verhältnis zur Gesamtzahl der in den Niederlanden aktiven regionalen Unternehmen beträgt 37 Prozent. Dahinter folgen Großbritannien und USA mit einem Kleinunternehmer-Anteil von jeweils 27 Prozent, Türkei mit 26 Prozent und Russland sowie China mit 23 Prozent. Während die IHK das Marktumfeld für kleinere Unternehmen in den Niederlanden als gut bezeichnet, wird es im Vereinigten Königreich, in den USA und in der Türkei als neutral und in Russland sowie China als schwierig beschrieben. Dennoch werden Russland und China zu den 20 hoch bedeutsamen Auslandsmärkten gezählt, die als Außenhandelspartner wohl auch künftig wichtig bleiben. Dazu zählen unter anderen aber auch Länder wie die Niederlande, Österreich, Frankreich, Großbritannien, die USA und Polen.

Am meisten Niederlassungen in Polen

Bei den Niederlassungen, die Vertriebsbüros und Produktionsstätten umfassen, ist Polen das am stärksten gesuchte Land. Auf Platz zwei und drei folgen Niederlande und China. Weil Polen laut Analyse zu den bedeutendsten Außenhandelspartnern gehört, kündigte Paus an, dass der IHK-Außenwirtschaftsausschuss sich demnächst wieder mit diesem Land befassen werde. Aufgrund der Analyse bestehender Geschäftskontakte schlägt die IHK auch vor, im kommenden Jahr mit einer Delegation nach Polen zu reisen. Zum Wachstumsmarkt Niederlande ist für den 5. Juni ein deutsch-niederländisches Wirtschaftsforum in Papenburg angekündigt. Vom 9. bis zum 13. Juni, also kurz vor Beginn der Fußball-WM in Russland, plant die Kammer Russlandtage.

Im September folgt eine Informationsveranstaltung zur US-Steuerreform in Osnabrück, und im November ist der Brexit Thema bei einer Veranstaltung am Flughafen Münster/Osnabrück. Im Fokus sind dann die bislang geplante 21-monatige Übergangsfrist nach dem britischen EU-Austritt sowie Details des Austrittsabkommens, das die EU erst im Oktober unter Dach und Fach bringen will. Wird dieses Abkommen nicht von beiden Seiten ratifiziert, kommt es auch nicht zur Übergangsperiode bis Ende 2020.


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