Stadt Osnabrück setzt aufs Fahrrad Geführte Tour macht Radverkehrsplan mobil „erfahrbar“

Von Matthias Liedtke

Höchsten Ansprüchen 
              
              genügt der neue Radschnellweg von und nach Belm, dessen erstes Teilstück an der Schlachthofstraße bereits fertiggestellt ist. Foto: Swaantje HehmannHöchsten Ansprüchen genügt der neue Radschnellweg von und nach Belm, dessen erstes Teilstück an der Schlachthofstraße bereits fertiggestellt ist. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Buchstäblich „erfahrbar gemacht“ wurde im Rahmen des 6. Mobilitätsforums der Stadtwerke nun der Osnabrücker Radverkehrsplan 2030. Bei einer geführten Radtour konnten sich die Teilnehmer von konkreten Vorhaben ein eigenes Bild machen.

Wer bislang gemutmaßt hatte, die Stadtverwaltung hätte in Sachen Verbesserung der Verkehrssituation für Radfahrer keinen Plan, konnte sich am frühen Donnerstagabend auf anschauliche Art eines Besseren belehren lassen: Das 6. Mobilitätsforum der Stadtwerke setzte die mehr als zwei Dutzend Teilnehmer aufs Rad, um sie jeweils vor Ort über bestimmte Vorhaben zu informieren, die auf der Grundlage des Radverkehrsplan 2030 umgesetzt werden sollen.

Vom Treffpunkt am Rathaus aus fuhr die von ADFC-Mitgliedern geführte Kolonne, die als geschlossener Verband auch nebeneinander auf der Straße und über rote Ampeln fahren darf, sofern die Radler an der Spitze grün gehabt haben, zunächst zum Polizeipräsidium am Heger-Tor-Wall.

Geschützte Wege

Hier wurden sie von der städtischen Radverkehrsbeauftragten Ulla Bauer darüber informiert, dass künftig eine sogenannte „Protected Bike Lane“ Radfahrer über rund 350 Meter sicher den Wall entlang bis zur Katharinenstraße führen soll. Es handelt sich dabei um eine geschützte Fahrbahnführung, wie es sie bislang vor allem in den Niederlanden und in Dänemark gibt. Dafür eine ganze Fahrspur zu opfern, sei nicht durchsetzbar gewesen, bemerkte der mitfahrende Stadtbaurat Frank Otte. Stattdessen wird ein Parkstreifen aufgehoben, was neben dem 2,50 Meter breiten Radweg einen ebenso breiten Fußgängerweg ermöglicht.

Der Abstand von der entsprechenden Trennlinie bis zur Straße beträgt ganze 3,25 Meter und soll nach diesem Modell zusätzlich mit 20 Zentimeter hohen Barrieren abgesichert werden. Ob dies nötig wird oder die Autofahrer den rot eingefärbten Bereich auch ohne einen baulichen Schutz wahrnehmen und respektieren, wolle man erst noch abwarten, sagte Bauer.

Alternative Wege

Alternativ zu stark frequentierten Hauptrouten sieht der Plan vor, dazu parallel verlaufende Strecken als sogenannte „Velorouten“ zu kennzeichnen und somit für Radfahrer noch erkennbarer und attraktiver zu machen, als sie es nicht zuletzt aufgrund geringerer Wartezeiten an Ampeln ohnehin schon sind. Als Beispiel wurde eine „Veloroute“ über die Arndt- und Heinrichstraße bis zum Willy-Brandt-Platz abgefahren. Von dort führte der Weg durch die Innenstadt in die Gartlage zu den bereits fertiggestellten ersten paar Hundert Metern des mit Bundesgeldern geförderten Radschnellweges, der in den nächsten Jahren bis nach Belm ausgebaut werden soll, um auch Berufspendler zum Umsatteln zu bewegen.

Schnelle Wege

Die obligatorische, auch für Räder mit Anhängern und zum Überholen geeignete Mindestbreite von zwei Metern in beide Richtungen konnte auf diesem ersten Teilstück am Ende der Schlachthofstraße zwar nicht ganz verwirklicht werden. Dafür zeichnet sich die glatte Fahrt über die Baumallee durch eine hohe Qualität aus. Zudem konnte so parallel ein natürlich abgetrennter Gehweg mit eigener Führung eingerichtet werden.

Als Beleuchtungsvariante wurde zum Stromsparen und gegen Lichtverschmutzung eine solche mit Bewegungsmelder gewählt, die aber erst einmal erprobt werden müsse, betonte die Radverkehrsbeauftragte im Hinblick auf den nächsten Bauabschnitt, der die Lücke zum Bahndamm Richtung Widukindland schließen soll.

Vor dem Gebäude der Polizeidirektion bekamen die Teilnehmer der Radtour Einzelheiten der geplanten „Protected Bike Lane“ erläutert. Foto: Swaantje Hehmann

Neben einem verbesserten Radverkehrsnetz und der Förderung der „Fahrradkultur“ sollen als flankierende Maßnahmen mehr und bessere Parkmöglichkeiten für Radfahrer geschaffen werden, etwa in Form von „kleinen Garagen“, wie Bauer in Aussicht stellte. Die Stadtwerke werden zudem an bestimmten Orten zunächst drei Lastenräder zum Ausleihen zur Verfügung stellen.