Tiefwurzler und Regenwürmer helfen Verdichtete Böden machen Landwirten in der Region Osnabrück zu schaffen

Von Harald Preuin

Christoph Mönter, Boden- und Pflanzenfachmann in der Bezirksstelle Osnabrück der Landwirtschaftskammer, präsentiert ein Stück hochverdichteten Ackerboden. Foto: Harald Preuin  Christoph Mönter, Boden- und Pflanzenfachmann in der Bezirksstelle Osnabrück der Landwirtschaftskammer, präsentiert ein Stück hochverdichteten Ackerboden. Foto: Harald Preuin

Osnabrück. Monatelang waren die Felder durchnässt, konnte nicht bearbeitet werden. Nun hat sich die Lage halbwegs normalisiert. Die Bauern können endlich ihre Äcker bestellen, ohne Gefahr zu laufen, sich mit ihren Bearbeitungsmaschinen festzufahren. Etwa 14 Tage haben sich die Arbeiten nach hinten verschoben.

Der Grund für tiefgründige Äcker, auf denen teilweise das blanke Wasser stand, lag an den monatelangen Regenfällen. Seit Juli letzten Jahres hatte es immer wieder relativ hohe Niederschläge gegeben. Dennoch hätte das Wasser schneller versickern müssen, sind sich Bodenkundler sicher. Ein normaler, funktionsfähiger Boden müsste theoretisch auch überdurchschnittliche Regenfälle wegleiten können, so wie es Waldböden auch können. Rainer Horn von der Uni Kiel führt diesen Umstand auf die Bodenverdichtung zurück. Der Süddeutschen Zeitung sagte er kürzlich: „Das Porensystem im Boden funktioniert nicht mehr“. Der Mensch habe dem Boden mit den schweren Landmaschinen nachhaltigen Schaden zugefügt.

Bodenleben wieder verbessern

Für den Landwirt ist nicht leicht zu erkennen, was sich unter seinen Sohlen anbahnt. Manchmal gibt es Plattenbildungen im Boden, die sich unbemerkt unter der normalen Pflugfurche aufbauen. Diese Platten sind hochverdichtet, lassen dem Regenwasser keine Chance nach unten zu sickern. Erst wenn sich auf den Äckern Seenplatten entwickeln, wird deutlich, dass da unten irgendetwas nicht in Ordnung ist. Nach Niederschlägen kann das Wasser nicht in tiefere Bodenschichten kommen, bei Trockenheit kann die Feuchtigkeit nicht in den Wurzelbereich aufsteigen. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben, Verdichtungen zu beseitigen und das Bodenleben wieder zu verbessern.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat das erkannt und macht sich stark für eine „Einfache Feldgefügeansprache für den Praktiker.“ So heißt es auf der LWK-Homepage. Wissenschaftler und Berater aus den Disziplinen Bodenkunde, Pflanzenbau und Landtechnik haben solch eine Methode entwickelt. Damit sei der Landwirt in der Lage, sein Bodengefüge selbst zu beurteilen und seinen Maschineneinsatz an die Verdichtungsempfindlichkeit der Standorte anzupassen.

Bis zur Achse eingesackt

Christoph Mönter (34) ist in der Fachgruppe Pflanzenbau und Pflanzenschutz der LWK-Bezirksstelle Osnabrück, Ansprechpartner auch rund um den Boden. Die Ernte von Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben sei wegen der schlechten Befahrbarkeit der Flächen sehr schwierig gewesen. Bis zur Achse seien die Maschinen eingesackt, mussten schließlich mit schweren Schleppern befreit werden. Er kennt die Sorgen der Landwirte aus eigener Anschauung. Im Nebenerwerb betreibt er Ackerbau auf 45 Hektar.

Mönter hat sein Rezept gegen die Bodenverdichtung gefunden: „Ich bin ein Verfechter des Pfluges“. Die andere Methode heißt „konservierende Bodenbearbeitung“, die die Mulchsaat mit Grubbern und Scheibenegge vorbereitet. „Beides hat Vor- und Nachteile“, sagt Christoph Mönter. Bei der „wendenden Bodenbearbeitung“ wird der Boden auf den Kopf gedreht, damit sich die Poren im trockenen Boden lockern. Neben der normalen Pflugschar, die bis 30 Zentimeter greift, setzt Mönter bei Bedarf auch einen Tiefenlockerer (bis 80 Zentimeter) ein.

Typische Fahrspuren auf einem Feld in der Region Osnabrück. Foto: Harald Preuin

Um der flächigen Bodenverdichtung vorzubeugen, erfolgt die Feldbestellung über Fahrgassen. Einige Kollegen setzen auch hier den Tiefenlockerer ein, der wie ein Sauzahn den Boden aufbricht und so die Bodenqualität wieder erhöht.  

Mönter setzt auch auf die biologische Bodenlockerung, zum Beispiel mit Tiefwurzlern, die er nicht nur als Zwischen-, sondern auch als Hauptkultur anbaut. Dazu zählen Leguminosen wie Lupinen, verschiedene Kleearten, Wicken, aber auch Ackerbohne, und Erbse. Bis zu 120 Zentimeter tief wurzeln diese Hülsenfrüchtler und Stickstoffsammler. Und er freut sich über jeden Regenwurm der ihm bei der Bodenlockerung hilft.

Reifenfläche vergrößern

Dass der Maschineneinsatz an den Standort und die Bodenbeschaffenheit angepasst sein sollte, haben Wissenschaftler schon vor Jahren empfohlen. Ob aber Reifendruckregelanlagen oder Maschinen mit versetzten Fahrspuren der Bodenverdichtung vorbeugen, dürfte angesichts immer schwererer Dünger- und Ernteaggregate fraglich sein. Mönter sieht in Reifendruckanlagen zumindest einen ersten Schritt. Damit werden die Reifen-Aufstandsflächen der selbstfahrenden Maschinen und der Traktoren auf dem Acker vergrößert. Mönter: „Ich hoffe, dass schon bald alle Trecker über diese Technik verfügen“. Lohnunternehmer wenden sie beispielsweise schon bei den modernen Düngertanks an. Eine Nachrüstung im vorhandenen Maschinenpark sei möglich, sagt Christoph Mönter, aber leider sehr teuer.