Marterkammer und Sel‘ge Ruh Maximilian Schnaus spielte die erste Orgelmusik im Dom

Von Jan Kampmeier

Maximilian Schnaus an seinem Instrument. Foto: Egmont SeilerMaximilian Schnaus an seinem Instrument. Foto: Egmont Seiler

Neben Werken von Liszt, Bach und Mozart hat der junge Organist Maximilian Schnaus für sein Konzert im Dom auch eine eigene Komposition mitgebracht.

Maximilian Schnaus fackelt im Osnabrücker Dom nicht lange und beginnt sein Konzert mit einem der großen, technisch äußerst anspruchsvollen Brocken von Franz Liszt: Präludium und Fuge über die markante Tonfolge B-A-C-H, die in diesem Werk fast allgegenwärtig ist. Er verfügt für dieses Werk nicht nur über die erforderliche Virtuosität, sondern auch über die nötige Ruhe, die man über längere Strecken braucht. So flexibel das Tempo hier bei Bedarf sein kann, so straff im Rhythmus bleibt er ansonsten und wirkt in seinem Vortrag ausgesprochen entschlossen.

Der mit diesem Werk verehrte Johann Sebastian Bach steht als Nächstes auf dem Programm. Seine Triosonate BWV528 erklingt im eher ungewöhnlichen klanglichen Gewand, denn Maximilian Schnaus registriert die Orgel in matten und gedeckten Farben. So steht weniger die Klarheit der Struktur als eine sanfte und weiche Intimität im Vordergrund.

Das größte Werk des Programms hat der Organist selbst komponiert. Schon in den ersten Takten spielt der junge Komponist mit Klangeffekten, und eine ausgesprochen abwechslungsreiche Abfolge verschiedenster Elemente präsentiert er in den fünf Sätzen seiner Komposition „Come sweetest death“. Dabei bietet er den Zuhörern schon starken Tobak, die sel‘ge Ruh aus dem Titel des ersten Satzes lässt auf sich warten: Drohende, lautstarke Klangwolken in der Tiefe gibt es zunächst, gespenstisch-hohle Klänge, auch brutale Dissonanzen, wenn der dritte Satz unter dem Titel „O Welt, du Marterkammer“ steht. Freilich können, ein lustiger Einfall, unvermittelt auch Jazzklänge auftauchen, wie aus der Ferne und teilweise überlagert von lauten „Störgeräuschen“.

Wenn das Werk in den sehr getragen gespielten Bach-Choral „Komm süßer Tod“ mündet, von Virgill Fox für die Orgel arrangiert, so ist das die einkomponierte Erlösung nach einer klanglichen Tour de force. Dennoch ist das folgende Andante KV 616 von Mozart an dieser Stelle des Programms gut untergebracht, zur Entspannung. Mit hellen, hohen Stimmen, neutralisiert Maximilian Schnaus die Schwere des Bach‘schen Chorals.

Das Konzert endet, wie es begonnen hat, mit Franz Liszt, bearbeitet für die Orgel von Max Reger, es wird also noch einmal gewichtiger. Die Wogen, über die der heilige Franziskus in diesem Tongemälde schreitet, scheinen durch rasche Läufe umgesetzt, die Maximilian Schnaus stürmisch brausen lässt. Wiederum sehr konsequent inszeniert er eine große Steigerung, und nachdem sich das Geschehen beruhigt hat, endet das Konzert mit wenigen, strahlenden Akkorden.