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Unten Waren, oben Wohnen Discounter als Bauherren für Wohnungen – ein Modell für Osnabrück?

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Aldi plant ein Wohnprojekt mit integriertem Discount-Markt in Berlin-Lichtenberg und will nach gleicher Machart etwa 2000 Wohnungen in der Hauptstadt errichten. Foto: Aldi Nord/dpaAldi plant ein Wohnprojekt mit integriertem Discount-Markt in Berlin-Lichtenberg und will nach gleicher Machart etwa 2000 Wohnungen in der Hauptstadt errichten. Foto: Aldi Nord/dpa

Osnabrück. In Berlin steigen Discounter wie Aldi und Lidl ins Immobiliengeschäft ein: An neuen Filialstandorten sollen unten Lebensmittel verkauft werden und oben Menschen wohnen. Alleine Aldi will in den nächsten Jahren so rund 2000 Wohnungen schaffen. Taugt das Modell in Zeiten der Flächenknappheit auch für Osnabrück?

Osnabrück hat ein Problem. Ein Flächenproblem. Bauland für neue Wohnungen und Häuser ist ein knappes Gut und weil die Stadt gleichzeitig wächst, bereitet der Immobilienmarkt vielen Wohnungssuchenden Kummer. Wie in vielen Städten fehlt vor allem bezahlbarer Wohnraum für sozial Schwache. Bis 2020 will die Stadtverwaltung die planerischen Voraussetzungen für 3000 neue Wohnungen schaffen, vor allem durch Nachverdichtung schon bestehender Wohngebiete.

Bis zu eine Million Wohnungen

Weil der Druck in Berlin noch größer ist, entstehen dort kreative Lösungen. Angesichts der Platz- und Wohnungsnot verständigten sich der Berliner Senat und Aldi Nord auf einen Deal: Der Discounter bekommt Baurecht für großflächige Märkte und baut im Gegenzug in den Etagen über der Filiale Wohnungen – 30 Prozent davon sollen zu erschwinglichen Preisen vermietet werden. „Innerstädtische Flächen sind viel zu kostbar, um sie mit Parkplätzen und eingeschossigen Einkaufsmärkten zu bebauen“, sagt Karsten Tichelmann, Architekturprofessor an der Technischen Universität Darmstadt. Für den Wissenschaftler hat die Idee Potenzial: Bundesweit könnten seiner Meinung nach rund eine Million Wohnungen nach diesem Modell entstehen – ohne dass neue Straßen erschlossen und unbebaute Flächen angetastet werden müssten.

Beispiele in Osnabrück

Tichelmann hält das Konzept neben Berlin auch in anderen Städten für möglich. Ist das Modell in Osnabrück denkbar? „Dass Handel und Wohnen miteinander verquickt werden, ist ja kein neues Thema“, sagt Stadtbaurat Frank Otte im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Beispiel sei der kürzlich wiedereröffnete Edeka-Markt am Johannistorwall, ein anderes der Edeka-Markt am Anfang der Johannisstraße. Abseits der Einkaufsmärkte im Bestand sei das Thema bei Neubauvorhaben aber auch schon von der Verwaltung identifiziert worden. Otte verweist auf den Einzelhandelsstandort, der im neuen Landwehrviertel ausgewiesen ist. Aus baurechtlicher Sicht habe die Möglichkeit bestanden, über dem Einkaufsmarkt noch weitere Geschosse für Wohnungen zu errichten. „Das wurde vom Anbieter aber nicht verfolgt.“

Osnabrück muss höher werden

Anfragen von Aldi oder Lidl, neue Märkte ähnlich wie in Berlin mit Wohnungen zu versehen, hat es in Osnabrück bislang nicht gegeben. „Es ist aber sinnvoll, darauf zu achten, wo sich im Bestand in Zukunft etwas tun könnte“, sagt Otte und meint damit in die Jahre gekommene Märkte, bei denen eine Sanierung oder gar ein Neubau in Betracht kommt. Generell glaubt der Stadtbaurat, dass Osnabrück in Zukunft höher werden muss. Die Stadtverwaltung befinde sich beispielsweise in Gesprächen mit einem großen Wohnungsbauunternehmen, das überlege, einige seiner Mehrfamilienhäuser mit einem weiteren Geschoss zu versehen.

Aldi Nord ist für alles offen

Und was sagt der Discounter? Aldi Nord will sich auf Anfrage unserer Redaktion zunächst auf seine Wohnbauprojekte in Berlin mit insgesamt rund 2000 Wohneinheiten konzentrieren. „Derzeit beziehen sich unsere konkreten Vorhaben ausschließlich auf den Raum Berlin“, heißt es aus der Essener Konzernzentrale. Die Sprecherin betont jedoch auch, dass größere Verkaufsflächen jetzt schon als auch erst recht in der Zukunft unverzichtbar seien – und lässt eine Hintertür offen: „Generell freuen wir uns, dass wir bis jetzt sehr viel positive Resonanz auf unsere Vorhaben erhalten haben und sind für alles offen.“


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