Donnerstag im Rosenhof The Dark Tenor im Interview über seine Tour mit Unheilig

Von Tom Bullmann

Freut sich auf die Tour: The Dark Tenor.Foto: imago/APP-PhotoFreut sich auf die Tour: The Dark Tenor.Foto: imago/APP-Photo

Osnabrück. Diesen Monat gehen Unheilig und The Dark Tenor zusammen auf „Zeitreise“. Anlässlich des Tourauftakts im Osnabrücker Rosenhof spricht der dunkle Tenor über seine Musik, die Maske und den Boxsport.

Wer vor einigen Tagen auf die Homepage von The Dark Tenor klickte, bekam einen Countdown zu sehen, der am 11. April endete. Was hatte das zu bedeuten?

Seit dem 11. April kann man Tickets für meine Symphony-of-Ghost-Tour bestellen, die im Januar 2019 startet. Dann werde ich mein neues Album im Gepäck haben, das Ende dieses Jahres erscheinen wird. Ich habe eineinhalb Jahre an dem Material gearbeitet, und es wird eine kleine Veränderung in meinem Musikstil geben, die sehr wahrscheinlich aber nur die harten Fans bemerken werden. Jetzt bin ich zunächst mit Unheilig auf Tour – werde aber bereits einiges von dem neuen Material exklusiv live spielen.

Der Unheilig-Sänger, der Graf, hat sich allerdings schon von der Bühne verabschiedet.

Richtig, der Graf ist nicht dabei. Es handelt sich um drei Mitglieder seiner Band: Henning, Licky und Potti.

Wie ist es zu dem Tourkonzept gekommen?

Im letzten Jahr hatten wir die Idee, zwei Duette mit dem Grafen zu machen. Die wurden auf dem Best-of-Album von Unheilig im Oktober vergangenen Jahres veröffentlicht. Die klangliche Verschmelzung der Charaktere Der Graf und The Dark Tenor hat uns so gut gefallen, dass wir uns überlegt haben, ob man noch mehr zusammen machen kann. Aber da der Graf sich von der Bühne verabschiedet hat, kamen Live-Auftritte für ihn nicht infrage. Stattdessen hat er uns Unterstützung hinter den Kulissen zugesagt. Also haben wir mit seinen Musikern dieses einzigartige Tourkonzept entwickelt. Wir lassen die Unheilig-Musik wieder lebendig werden, zusätzlich gibt es die größten Momente meiner beiden Alben, die ich bisher veröffentlicht habe, und ein paar neue Songs live dazu.

Ihre Tour startet im Osnabrücker Rosenhof. Absicht oder Zufall?

Ich bin der Meinung, dass es Zufälle eigentlich nicht gibt. Ob es jedoch seitens des Tourmanagements einen besonderen Grund dafür gab, die Tour im Rosenhof zu starten, weiß ich nicht. Aber ich freue mich darauf. Im Februar letzten Jahres bin ich schon im Rosenhof aufgetreten und hatte da eine gute Zeit. Den Saal finde ich von der Atmosphäre ganz großartig. Da wir mit insgesamt acht Musikern auf der Bühne stehen, passt das hervorragend.

Und, werden Sie eine Maske tragen?

Nein, die Maske gibt es nicht mehr. Das können sie in den „Webisodes“ genannten Kurzfilmen auf meinem Youtube-Kanal nachverfolgen. In der letzten Ausgabe entledige ich mich der Maske und kündige eine Neuerfindung des Dark Tenor an. So wird es schlüssig, wie er in diese Unheilig-Nummer hineingerät, ohne seine Identität zu verlieren.

Sie sind auch schon einmal vor einem Boxkampf von Wladimir Klitschko aufgetreten. Mögen Sie den Boxsport?

Generell bin ich ein sehr sportlicher Mensch und bewege mich gerne. Zum Boxen hatte ich allerdings bis dahin keinen großen Bezug. Als ich von Klitschkos Management auf den Boxkampf angesprochen wurde, fand ich das Angebot aber sehr spannend. Ich hab den Leuten zwei Varianten der jeweiligen Nationalhymnen vorgelegt. Als sie die Versionen gehört haben, sind sie ausgerastet. Daraufhin bin ich auch ausgerastet – und war engagiert. Es wurde ein einzigartiges Erlebnis, mit 60-köpfigem Chor und kleinem Orchester.

Sie treten bei Carmen Nebel auf, wirken aber, als kämen sie aus der Gothic Szene. An welche Zielgruppe wenden Sie sich eigentlich?

Nun, zunächst komme ich ja aus dem klassischen Bereich. Ich bin mit dem Dresdener Kreuzchor aufgewachsen und später zwei Jahre Teil des Ensembles der Semperoper gewesen. Auch von Seiten meiner Eltern bin ich klassisch geprägt, habe Geige und Klavier gelernt. Später habe ich meine Aufgabe darin gesehen, klassische Musik so modern zu interpretieren, dass Kids sagen: Hey, das finde ich cool. Die Leute aus dem Klassikbereich machen immer noch den Fehler, Komponisten auf den Thron zu heben und zu sagen: Sie sind unantastbar. Dabei waren Mozart, Beethoven und Verdi die Rocker, Punker und Popper ihrer Zeit. Die sind auch den Mädels hinterhergelaufen und hatten sicherlich auch mal das eine oder andere alkoholische Getränk zu viel intus. Also: Ich will die coolen Seiten der klassischen Musik darstellen. Und natürlich habe ich einen Hang zum Dunklen. Mit Gothic hat das gar nicht so viel zu tun, in diese Rubrik würde ich den Dark Tenor gar nicht einsortieren. Aber die einschlägigen Magazine haben uns doch wahrgenommen und über uns berichtet. Sehen sie, im Grunde ist es mir egal, ob ich meine Musik bei Carmen Nebel präsentiere, bei „Guten Morgen Deutschland“ oder ob sie in einem Gothic-Magazin behandelt wird. Daher ist mein Publikum auch total gemischt. Zu meinen Konzerten kommen Leute zwischen 9 und 90 Jahren. Da trifft man Mütter mit ihren Kids, die mal einen Abend lang ein bisschen Dunkelheit in ihr Leben lassen wollen. Aber es gibt auch etwas ältere Leute, die eher aus der Klassik-Ecke kommen und ihre Musik mal aus einer anderen, neueren Perspektive betrachten wollen.

Welche Musik hören sie privat?

Ich liebe Alice Cooper und The Kiss. Das Theatralische mag ich, die Inszenierung, die Show. Daher bemühe ich mich auch, den Leuten live mehr zu bieten als nur die Musik, die auf CD zu hören ist. Die Zuschauer sollen nach meinem Konzert sagen können: „Toll, ich habe mein normales Leben an der Kasse abgegeben und zwei Stunden etwas ganz Besonderes erlebt.

Unheilig & The Dark Tenor: Auf Zeitreise. Donnerstag, 19. April, 19.30 Uhr, Rosenhof.