In Walchum gefunden Osnabrücker Junge erhält nach sieben Jahren Antwort auf Flaschenpost

Von Cornelia Achenbach

2011 ging Svens Flaschenpost auf Reise. Seine Mutter machte ein Erinnerungsfoto. Foto: privat/Familie Lohmann2011 ging Svens Flaschenpost auf Reise. Seine Mutter machte ein Erinnerungsfoto. Foto: privat/Familie Lohmann

Osnabrück. Es war im Januar 2011 auf dem Weg nach Norwegen, als sich der damals achtjährige Sven Lohmann dazu entschloss, eine Nachricht in die Welt zu senden. Seine Mutter schoss noch ein Erinnerungsfoto von ihrem Sohn und seiner Schwester Finja, die beide eine Flaschenpost von Bord der Colorline-Fähre warfen – und zumindest Sven wird in Kürze eine Antwort erhalten.

Denn sieben Jahre später wurde Svens Nachricht gefunden. An einem schönen Urlaubstag saß Christiane Steinweg vor ihrem Ferienhaus im Marinapark im emsländischen Walchum und ärgerte sich: Die Uferböschungen waren beschnitten worden, und zum Vorschein kam allerlei Glas- und Plastikmüll, für den sich offenbar niemand zuständig fühlte. Also packte die Essenerin eben selbst mit an und schleppte einen Eimer voll Flaschen zum nächsten Container. „Ich wollte gerade eine Flasche einwerfen, als ich merkte: Da steckt ja was drin“, berichtet sie unserer Redaktion. In krakeliger Kinderhandschrift mit altersentsprechenden Rechtschreibfehlern stand auf einem vergilbten Stück Papier: „Hallo! Wer die Flaschenpost findet, soll uns einen Brief schreiben.“ Dazu die Adresse eines gewissen Sven Lohmann aus Osnabrück sowie die Anschrift von „Oma Gabi und Opa Jürgen“.

Das ist die Nachricht, die sich im Internet rasant verbreitete. Auf Wunsch der Familie haben wir die Adressen gepixelt. Screenshot: NOZ/Facebook

Zu viele Sven Lohmanns

Auf der Rückseite der geheimnisvollen Botschaft habe zudem eine „Einladung zum Agententreffen 2007“ gestanden – „wahrscheinlich irgendein Werbeschreiben“, vermutet Christiane Steinweg. Wie auch immer: Ihre Neugier war geweckt. Sie hatte einen Namen und einen Ort, dazu eine Adresse, von der sie annahm, sie sei längst veraltet. Aber bei Facebook würde sie den Verfasser sicher schnell ausfindig machen, nahm Christiane Steinweg an. Doch: „Sven Lohmanns gibt es hier wie Sand am Meer“, sagt sie. Wie also den richtigen finden?

Sie stellte schließlich ein Foto der Nachricht auf ihrem Facebook-Profil ein – und binnen kürzester Zeit wurde der Post zigfach geteilt und kommentiert. „Das ging alles ganz schnell“, sagt Christiane Steinweg. Die Suche nach dem Schreiber der Flaschenpost fand auch den Weg in mehrere Osnabrücker Facebookgruppen, und schon hieß es: „Den kenne ich aus dem Sport!“ und „Der wohnt da immer noch.“

Facebook-Nutzer helfen

Schließlich las auch Svens Tante aus Österreich die Nachricht und rief ihre Schwester an, die schließlich mit Christiane Steinweg Kontakt aufnahm. Ein bisschen erschrocken war Anja Lohmann schon darüber, wie schnell sich ihre private Adresse im Internet verbreitete, aber gleichzeitig freute sie sich über den kuriosen Fund. „Wir haben erst einmal auf dem Atlas nachgeschaut, welchen Weg die Flaschenpost genommen haben muss“, sagt die Mutter des mittlerweile 16-jährigen Sven. Von Norwegen ins Emsland? Wie ist das möglich? Auf diese Frage hat niemand eine Antwort und was mit der Flasche in den vergangenen sieben Jahren geschah, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben.

Doch Anja Lohmann erinnert sich noch gut an den Tag, an dem Svens Flaschenpost auf Reise ging und sie ein Foto davon machte – auch wenn sie mittlerweile den Einwurf aufgrund der Plastikmülldebatte kritisch sieht.

Nach sieben Jahren wird Sven jetzt jedenfalls eine Antwort erhalten. „Wenn ich wieder zurück aus meinem Urlaub bin, werde ich mich hinsetzen und einen handschriftlichen Brief schreiben, wie sich das gehört“, sagt Christiane Steinweg und lacht. Und wer weiß – vielleicht taucht ja eines Tages auch noch die Flaschenpost von Svens kleiner Schwester Finja auf.