Am Ende nur technische Probleme Vom Windquirl am Nettebad blieb nur ein Haufen Schrott

Von Rainer Lahmann-Lammert

Auch regeneratives Kleinvieh kann Mist machen, lautete die Botschaft, als die Stadtwerke 2012 ein Vertikalwindrad am Nettebad aufstellten. Das Foto zeigt (von links) den damaligen Vorstandsvorsitzender Manfred Hülsmann, Projektleiter Tobias Wilken und Bäderchef Wolfgang Hermle. Foto: Egmont SeilerAuch regeneratives Kleinvieh kann Mist machen, lautete die Botschaft, als die Stadtwerke 2012 ein Vertikalwindrad am Nettebad aufstellten. Das Foto zeigt (von links) den damaligen Vorstandsvorsitzender Manfred Hülsmann, Projektleiter Tobias Wilken und Bäderchef Wolfgang Hermle. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Was ist eigentlich aus dem Vertikalwindrad geworden, mit dem die Stadtwerke am Nettebad Strom erzeugen wollten? Leider nur ein Haufen Schrott, wie auf Anfrage zu erfahren war. Wegen ihrer vielen Aussetzer verschwand die Anlage ohne großes Aufhebens von der Bildfläche.

„Quiet Revolution“ hieß das britische Erzeugnis, das im November 2012 ans Netz ging. In punkto Geräuscharmut erfüllte der Windquirl auf dem 18 Meter hohen Mast tatsächlich alle Erwartungen, wie Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer berichtet. Allerdings blieb der Zwerg-Growian häufig stehen – zum Missvergnügen seiner Betreiber auch dann, wenn eine steife Brise ordentliche Stromerträge erhoffen ließ. Wegen technischer Pannen konnte die Spitzenleistung von 5000 Watt immer seltener abgerufen werden.

Aus heutiger Sicht fällt die Bilanz ernüchternd aus: Von den 7500 Kilowattstunden, die der stille Revolutionär jährlich liefern sollte, gingen im Durchschnitt nur 1100 ins Netz. Die Stadtwerke wären wohl bereit gewesen, dem Vertikalpropeller seine Leistungsschwäche zu verzeihen, wenn er nur kontinuierlich rotierend Energie geliefert hätte. Denn an der Einfahrt zum Nettebad zählte vor allem die Botschaft, dass regeneratives Kleinvieh auch Mist macht.

Aber zu allem Ungemach drohte schließlich ein Ersatzteilmangel, weil der britische Hersteller 2014 Insolvenz anmelden musste. Nach viereinhalbjähriger Laufzeit wurde der Vertikalläufer im Juli 2017 demontiert. Und weil es keinen Markt zur Weiternutzung oder Wiederverwertung gab, blieb am Ende nur, die Einzelteile fachmännisch zu entsorgen, wie Sprecher Marco Hörmeyer mitteilt.

Sind die 64.000 Euro für die „Quiet Revolution“ damit in den Wind geschrieben? So negativ wollen die Stadtwerke ihr Experiment nicht stehen lassen. „Wir haben praktische Erfahrungen sammeln können, warum es Kleinwindkraftanlagen insgesamt schwer haben“, sagt Hörmeyer – und verweist auf die geringe Förderung, auf hohe genehmigungsrechtliche Hürden und die technische Anfälligkeit. Die Erfahrungen trügen dazu bei, „unser Profil als innovativer Vorreiter“ beim Ausbau erneuerbarer Energien zu schärfen. Deshalb werde das Thema Kleinwindanlagen nicht komplett ad acta gelegt: „Wir halten die Technik weiterhin grundsätzlich für interessant, beobachten stetig den Markt und schließen nicht aus, zu einem späteren Zeitpunkt, bei passenderen Rahmenbedingungen, wieder einzusteigen mit einem neuen Projekt.“