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European Media Art Festival startet am 18. April EMAF 2018: Ist das Wirklichkeit? Oder Kunst? Oder beides?

Von Ralf Döring


Osnabrück. Die Schnittstelle zwischen Journalismus und Kunst findet die Medienkunst derzeit besonders reizvoll. Deshalb gibte es beim European Media Art Festival dieses Jahr „Notizen aus der Wirklichkeit“.

„Wem können wir noch glauben?“, fragt das ARD-Mittagsmagazin diesen Mittwoch vor dem Hintergrund des Giftgas-Anschlags in der syrischen Stadt Duma. Gute acht Minuten brauchen die Autoren, um geglaubte Wahrheiten vom Anschlag des Assad-Regimes zu erschüttern und dem Zuschauer die Kluft zwischen seriöser Berichterstattung und Fakenews aufzuzeigen. Wo aber die Realität nicht mehr weiterkommt, schlägt die Stunde der Kunst: Deshalb schaut sich das 31. European Media Art Festival, kurz EMAF, die Schnittstelle zwischen Realität und Kunst besonder an. Weiterlesen: Das EMAF 2017 klärt über Fakenews auf

Zentrales Kunstwerk: Milo Raus „Kongo Tribunal“

„Report – Notizen aus der Wirklichkeit“ steht über dem Programm des diesjährigen Festivals, das das Leitungsteam nun vorgestellt hat. „Das Vertrauen in Information ist durch die neuen Kanäle verloren gegangen“, sagt Alfred Rotert, einer der drei Festivalleiter. Daraus leiten sich zwei Frage ab: Wohin führt diese Entwicklung? Und vor allem: Was bedeutet das für die Medienkunst?

Wie immer prägt das Festivalmotto Filmprogramme, eine Ausstellung, den Kongress und Performances. Als Novum greifen die einzelnen Bereiche dieses Jahr aber stärker ineinander. Dafür steht etwas „Das Kongo Tribunal Transmedia“ von Milo Rau: Der Theatermann schmiedet sein interdisziplinäres Kunstprojekt aus Video, Theater und Performance; außerdem wird das es Thema eines Podiumsgespräches sein. Und sicher ist es kein Nebeneffekt, sondern Ausdruck der gesellschaftspolitischen Haltung des EMAF, dass das Projekt die Folgen eines Krieges verhandelt, in dem es unter anderem um jene Bodenschätze ging, die wir in unseren Mobiltelefonen, Tablets und Computern täglich mit uns tragen. Weiterlesen: So war die EMAF-Ausstellung 2017

Als Zeichen der verstärkten Verzahnung innerhalb des Festivals ist der Kongress in die Kunsthalle Osnabrück verlegt worden: Das unterstreicht die enge Verbindung mit der Ausstellung, sagt Kurator Franz Reimer. 15 Arbeiten haben er und Festivalleiter Hermann Nöring zusammengetragen, um „Strategien zu zeigen, wie sich Kunst den Journalismus zu Eigen macht“, so Reimer. „Wo kann Kunst in ihren Räumen ansetzen, um Auseinandersetzungen aufzugreifen?“, so formuliert er eine Leitfrage für die Konzeption der EMAF-Schau.

Mehr Studierende denn je

Wichtiger und größer denn je wird in diesem Jahr der Bereich Media Campus Init, die Sektion für den Nachwuchs in den Medienkunst-Studiengängen deutscher Hochschulen. Mit Ausstellungen, Filmen und Performance zeigen die Verantwortlichen Tim Roßberg und Tim Duvendack einen breiten Querschnitt durch das künstlerische Schaffen an den Medienkunststudierenden in Braunschweig, Bremen und Osnabrück. Eine besondere Rolle kommt dabei einem tatsächlich einmaligen Veranstaltungsort zu: Die Studierenden werden die Leerstände in der Theaterpassage zum Standort für Medienkunst machen, bevor die Passage wegen Umbau schließt. Festivalleiter Ralf Sausmikat sieht darin auch die Chance, neues Publikum anzusprechen.

Als Kurator für das Filmprogramm hat Sausmikat neben dem thematischen einen technisch-ästhetischen Trend ausgemacht: Autoren drehen wieder auf 16- und 35- Millimeter-Film. „Das Format 4 zu 3 ist wieder da“, sagt er; vier Filme werden analog gezeigt werden. Das habe mit der „Authentizität des Mediums“ zu tun, meint Sausmikat. Dabei ist Mangel an Glaubwürdigkeit kein Phänomen unserer Tage, und „Kritik am Journalismus ist nicht neu“, sagt Ko-Kuratorin Katrin Mundt. Das zeigt sie anhand von Klassikern, die bis in die 70-er-Jahre zurückreichen. Und um den medienkünstlerischen Input zu verarbeiten, gibt es schließlich, organisiert vom Init-Team, die „Night Shift“im Glanz&Gloria. Ein bisschen Partie gehört schon zum EMAF. Weiterlesen: Die EMAF-Party vom letzten Jahr


EMAF 2018: 18.-22. April, Ausstellung bis 21. Mai. Weitere Infos und Tickets: www.emaf.de