Kein mobiles Surfen Osnabrücker Altenheime sind überwiegend W-Lan-freie Zone

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Osnabrück. Kein einziges Osnabrücker Altenheim bietet seinen Bewohnern derzeit standardmäßig W-Lan an. Das hat eine Anfrage der Grünen im Rat ergeben. Wer im Internet surfen will, muss sich auf seinem Zimmer selbst um einen Anschluss kümmern – und auch das ist nicht überall technisch machbar.

Lediglich in einigen Häusern der Diakonie, etwa dem Wohnstift am Westerberg und im Hermann-Bonnus-Haus an der Rheiner Landstraße können Senioren und ihre Angehörigen im Café und Foyer via W-Lan im Netz surfen. Das geht aus einer Auflistung der Stadtverwaltung hervor. Auch im neuen Anbau am Bischof-Lilje-Altenzentrum in der Wüste sei das möglich, ergänzt Diakonie-Sprecherin Karina Eggers. Bei allen übrigen steht in der Liste: „W-Lan nicht vorhanden.“

Sieben der 15 Osnabrücker Alten- und Pflegeheime sind in der Hand des Diakonischen Werks. Über eine Netzwerkdose würde jedes Zimmer verfügen, so Eggers. „Ob ein Bewohner das nutzt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen.“ Wer im Internet surfen will, muss das dann auf eigene Kosten tun und sich einen eigenen W-Lan-Router beschaffen – die Heime böten dabei auch Unterstützung an, so Eggers. Doch der Bedarf sei gar nicht vorhanden. Diese Antwort geben auch andere Träger und Einrichtungen. „Bislang haben wir nur eine geringe Nachfrage“, sagt etwa Hildegund Twardon, Leiterin des Seniorenheims Haus Dorette. Das hänge auch damit zusammen, dass der Grad der Pflegebedürftigkeit zunehme. Wer kann, bleibt solange wie möglich zu Hause wohnen.

Immer mehr Alte surfen im Netz

Die Internet-Nachfrage dürfte sich in den nächsten Jahren allerdings ändern. Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil der Internetnutzer in der Altersgruppe der über 65-Jährigen Anfang 2017 bereits bei 55 Prozent, 2014 waren es noch 45 Prozent. 69 Prozent der wegen ihrer silbergrauen Haare sogenannten Silver-Surfer gehen täglich oder fast täglich ins Netz, fast alle (91 Prozent) nutzen das Internet zum Senden oder Empfangen von E-Mails. Und die Hälfte aller älteren Internetnutzer surft mobil, also etwa via Smartphone.

„Ich bin selbst schon über 60“, sagt Anke Jacobsen, Ratsmitglied der Grünen, die die Anfrage gestellt hatten. Für ihre Generation sei Internet nicht mehr wegzudenken. „Wenn wir dann in das Alter kommen – und das ist bald –, ist es notwendig, dass wir im Heim auch einen Internetzugang haben. Das ist auch eine Form von Teilhabe.“ Für Angehörige, die ihre Eltern oder Großeltern im Heim besuchen, wäre W-Lan ebenfalls sinnvoll, etwa um sich mit ihnen zusammen etwas im Internet angucken zu können.

Heywinkel-Haus führt W-Lan ein

„Ich habe immer einen Computer gehabt“, sagt Ria Vornberger. Sie ist 91 Jahre alt und lebt im Heywinkel-Haus. Noch ist ihr PC nur über ein Lan-Kabel mit dem Internet verbunden. Als erstes Osnabrücker Seniorenheim will die Einrichtung am Westerberg aber noch in diesem Jahr W-Lan für die Bewohner installieren. Insbesondere die Angehörigen würden vermehrt danach fragen, sagt Geschäftsführer Eckhard Kallert. Es ist ein teurer Weg, den das Haus geht. 30000 bis 40000 Euro koste die Nachrüstung, 900 Meter Kabel müssten verlegt werden. „Das sind Sondermaßnahmen, die nicht refinanziert werden“, so Kallert. Doch es gehe letztlich auch um die Attraktivität des Heims. „Wir haben einen guten Ruf, den wollen wir behalten.“ Über mehrere Access-Points werden die Senioren im Heywinkel-Haus künftig ins Internet gelangen, in einem zweiten Schritt sollen auch die Mitarbeiter das W-Lan für die Pflegedokumentation via Tablet nutzen können – so wie es einige Krankenhäuser bereits tun.

„Andere Themen sind drängender“

Noch ist Computer-Nutzerin Ria Vornberger ein Einzelfall im Seniorenheim. Das Durchschnittsalter in den privaten SSB-Seniorenzentren in Eversburg und Lüstringen etwa liege bei über 90 Jahren, sagt Heimleiterin Anke Rosemann. „Unsere Bewohner sind schwerst pflegebedürftig.“ Internetanschlüsse bieten die Zimmer nicht. „Die Anlage gibt das nicht her“, sagt Rosemann. Aber: „In ein paar Jahren werden wir umstellen müssen.“ Auch in den drei Häusern der St. Elisabeth-Pflege (Caritas) ist die internetaffine Generation nicht eingezogen. Doch selbst im Paulusheim, das 55 Plätze für pflegebedürftige jüngere Menschen hat, gibt es kein W-Lan, obwohl 70 Prozent der jüngeren Bewohner über ihre eigenen Anschlüsse Internet nutzen. Technisch müsste die Elisabeth-Pflege ihre Häusern nachrüsten, sagt Pflegedienstleiter Franz Paul, außerdem gebe es Bedenken bezüglich Haftungsfragen bei der Internetnutzung. Paul: „Andere Themen sind momentan drängender.“

Seniorenbeirat wünscht sich W-Lan in Altenheimen

Paul Meimberg, Vorsitzender des Osnabrücker Seniorenbeirats, hat durchaus Verständnis für die Heime. Viele Bewohner wären körperlich und geistig gar nicht mehr in der Lage, Internet zu nutzen, sagt er unserer Redaktion auf Anfrage. Trotzdem fände es persönlich es gut, wenn W-Lan in allen Heimen zur Verfügung stünde. „Die, die damit umgehen können, sollen das auch nutzen können.“


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