Übergangs-Schutzwohnung geplant Einziges Frauenhaus im Kreis Osnabrück wies 45 Frauen ab

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Aktuell wird über den Platzmangel in den Frauenhäusern in Osnabrück und Bersenbrück diskutiert. Hier wurde vor dem Osnabrücker Rathaus demonstriert, weil der Osnabrücker Rat 2012 einen finanziellen Beitrag der Frauenhaus-Bewohnerinnen diskutierte. Archivfoto: Gert WestdörpAktuell wird über den Platzmangel in den Frauenhäusern in Osnabrück und Bersenbrück diskutiert. Hier wurde vor dem Osnabrücker Rathaus demonstriert, weil der Osnabrücker Rat 2012 einen finanziellen Beitrag der Frauenhaus-Bewohnerinnen diskutierte. Archivfoto: Gert Westdörp

Osnabrück/Bersenbrück. Nicht nur das Frauenhaus in Osnabrück, auch das einzige Frauenhaus im Landkreis, hat im vergangenen Jahr längst nicht alle Schutzsuchenden aufnehmen können. In 2017 konnte das Frauenhaus Bersenbrück 45 Frauen wegen Überbelegung nicht aufnehmen. Das Osnabrücker Frauenhaus hatte sogar 483 Hilfesuchende abgewiesen.

Die Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Bersenbrück, Jutta Brockhage, sagte auf Anfrage unserer Redaktion, dass in einzelnen Fällen etwas längere Aufenthaltszeiten im Frauenhaus, jedoch nie über ein halbes Jahr hinaus, erforderlich gewesen seien. Ein Grund dafür könne der langsam enger werdende Wohnungsmarkt auch in der ländlichen Region sein.

„Bei der Vermietung werden seitens der Vermieter immer öfter erschwerend für die wohnungssuchenden Frauen Angaben erfragt über Migrationshintergrund, Schufa-Auskunft, Aufenthaltstitel, Arbeitsnachweise der letzten drei Monate und die Anzahl der Kinder erfragt“, beklagte Brockhage als Vorsitzende des Vereins, der Träger des Frauen- und Kinderschutzhauses in Bersenbrück ist. „Als Lösung für dieses Problem denken wir darüber nach, eine Übergangs-Schutzwohnung einzurichten“, erklärte die SkF-Vorsitzende. Aktuell sei in dem Frauenhaus noch ein Zimmer frei. Aus der Stadt Osnabrück habe das Frauenhaus Bersenbrück zehn Frauen aufgenommen.

Bersenbrücker Frauenhaus war 2017 an 43 Tagen voll

Im vergangenen Jahr sind Brockhage zufolge 40 Frauen mit 35 Kindern aufgenommen worden. Das Frauenhaus habe eine 70-prozentige Auslastung gehabt. Zwei Drittel der Frauen hätten einen Migrationshintergrund gehabt. An 322 Tagen sei mindestens ein Zimmer für eine weitere Frau frei gewesen. An 43 Tagen war das Bersenbrücker Frauenhaus in 2017 somit voll.

In den Beratungs- und Interventionsstellen (BISS), die Opfer häuslicher Gewalt unterstützen, habe die Zahl der Beratungsfälle im Jahr 2017 noch etwas zugenommen. Demnach wurden im Landkreis Osnabrück 607 Personen zeitnah beraten, davon 479 Frauen. Zudem habe die Beratung von Männern, die häusliche Gewalt erfahren, weiter zugenommen. In der Stadt Osnabrück wurden den Angaben zufolge 543 Personen von der Frauenberatungsstelle Osnabrück beraten. Brockhage kündigte an, dass der SkF Bersenbrück als Träger des Frauen- und Kinderschutzhauses als auch einer BISS-Beratungsstelle aktuell im Gespräch mit dem Landkreis Osnabrück sei, um differenzierte und gut vernetzte Beratungs- und Unterstützungsangebote im Landkreis Osnabrück für Frauen und Mädchen, die häusliche Gewalt erfahren, weiterzuentwickeln.

Landkreis Osnabrück weist Kritik der FDP Osnabrück zurück

Der Landkreis Osnabrück wies unterdessen den Vorwurf des Osnabrücker FDP-Fraktionschef Thomas Thiele zurück, dass der Kreis sich am Osnabrücker Frauenhaus nicht ausreichend finanziell beteilige. Thiele hatte in der Sitzung des Osnabrücker Rats im März darauf verwiesen, dass das Frauenhaus Zufluchtsort für Frauen aus dem Umland sei und im vergangenen Jahr sechs Frauen aus dem Landkreis hilfesuchend vor der Tür des Osnabrücker Frauenhauses gestanden hätten. Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff kommentierte, dass in Bersenbrück zehn Frauen aus der Stadt aufgenommen wurden, während im Autonomen Frauenhaus Osnabrück lediglich sechs Frauen aus dem Landkreis aufgenommen worden seien.

Stadt und Landkreis rechnen mit steigenden Anforderungen

Laut Osnabrücks Kultusdezernent Wolfgang Beckermann und Kreisrat Matthias begreifen Stadt und Landkreis die Hilfe für Frauen und Kinder in Notlagen als Gemeinschaftsaufgabe, bei der aktuell „wegen des Migrationshintergrundes der Betroffenen“ auch mit steigenden Anforderungen zu rechnen sei. Die Beratungs- und Interventionsstelle BISS werde vom Landkreis mit 21.000 Euro unterstützt. Der Frauennotruf an der Frauenberatungsstelle in Osnabrück werde mit 9000 Euro vom Landkreis unterstützt.

Die Osnabrücker Frauenberatungsstelle erhalte jährlich 40.000 Euro vom Kreis und habe für das laufende zusätzlich 20.000 Euro für die Beratung geflüchteter Frauen bekommen. Die Osnabrücker Ausstiegsberatung für Prostituierte in Trägerschaft des Vereins Solwodi werde vom Landkreis in diesem Jahr mit 15.500 Euro gefördert. Beim Frauen- und Kinderschutzhaus in Bersenbrück schließlich werde im laufenden Jahr eine Finanzierungslücke von 12.000 Euro geschlossen, die wegen des erhöhten Beratungsbedarfs von Frauen mit Migrationshintergrund entstanden sei.

„Wegen der Wohnungsnot bleiben viele Frauen trotz häuslicher Gewalt in den Häusern“

Die Mitarbeiterin der Frauenberatungsstelle Frauen für Frauen in Osnabrück, Katharina Wittenbrink, wies darauf hin, dass nicht jedes Opfer häuslicher Gewalt in ein Wohnhaus vermittelt werden müsse: „Wichtig wäre auch, dass die Frauen sich auch selbst auf dem Wohnungsmarkt eine neue Wohnung suchen können.“

Ein großes Problem sei daher der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Osnabrück. „Weil es in der aktuellen Situation aber so schwierig ist, eine bezahlbare eigene Wohnung zu finden, sehen sich viele Frauen trotz häuslicher Gewalt gezwungen, noch länger in den Häusern zu bleiben“, kritisierte Wittenbrink.


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