Berufungsverhandlung Schwierige Aufklärung einer Schlägerei in Osnabrück

Von Christina Halbach

Eine mittlerweile anderthalb Jahre zurückliegende Schlägerei beschäftigt derzeit die Richter am Landgericht Osnabrück. Foto: Michael GründelEine mittlerweile anderthalb Jahre zurückliegende Schlägerei beschäftigt derzeit die Richter am Landgericht Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Vor dem Landgericht Osnabrück wurde eine nächtliche Schlägerei in der Osnabrücker Fußgängerzone im September 2016 noch einmal aufgerollt. Angeklagte und Staatsanwaltschaft hatten gegen die Entscheidung des Amtsgerichts, das die beiden Männer zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt hatte, Berufung eingelegt.

Vorgeworfen wird den beiden aus dem Irak stammenden 26- und 30-jährigen Asylbewerbern gegen ein Uhr nachts in der Herrenteichstraße auf einen Passanten eingeschlagen und diesen getreten zu haben. Das Opfer hatte zuvor einem Mann zu Hilfe kommen wollen, der in Höhe der Reno-Filiale mit einer Gruppe von mutmaßlich fünf Personen, unter denen sich auch die Angeklagten befunden haben, in Streit geraten war und dabei auch mit einem Messer gedroht haben soll. Während diesem die Flucht in einen der Hauseingänge an der Herrenteichstraße gelang, wurde der Geschädigte in Höhe des Restaurants „Vapiano“ von der Gruppe in die Mangel genommen und  erlitt dabei multiple Prellungen am ganzen Körper, Schmerzen habe er noch zwei Monate später gespürt. Eine schwere Körperverletzung nach Auffassung der Staatsanwaltschaft , die mit der Berufung auch die Strafaussetzung zur Bewährung angreift . Beendet wurde die Schlägerei schließlich durch die Polizei, die Passanten alarmiert hatten und die jetzt in zweiter Instanz ein weiteres Mal zur Aufklärung beitragen sollten.

Getrübte Erinnerungen

Erschwert wurde die Beweisaufnahme dadurch, dass der Geschädigte und Hauptbelastungszeuge seiner Vernehmung vor der Kleinen Strafkammer fernblieb. Ein weiteres Problem: Der Vorfall liegt mittlerweile anderthalb Jahre zurück, dementsprechend getrübt ist die Erinnerung an eine bereits damals unübersichtliche Situation zu vorgerückter Stunde. „Das weiß ich nicht mehr“ lautete daher einige Male die Antworte auf die Fragen von Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Erinnern konnten sich die Zeugen jedoch daran, dass bei der Schlägerei die Träger eines roten und eines weißen T-Shirts mit einem Blutfleck zumindest dabei waren und auch zu den Festgenommenen und späteren Angeklagten zählten.

Keine Einigkeit

Keine Einigkeit besteht jedoch über die konkreten Tatbeiträge: „Da war ein großer Menschenpulk. Sind die zwei, die festgenommen worden sind, auch die, die getreten haben?“, will der Verteidiger des 26-jährigen Angeklagten von einem Zeugen wissen, der bereits den Beginn der Auseinandersetzung beobachtet hatte und alarmiert durch Schreie an die Herrenteichstraße zurückgekehrt war. „Das weiß ich nicht“, muss er darauf antworten. Ein Anwohner, der ebenfalls schlichten wollte, sich dann aber wieder in den Hauseingang zurückgezogen hat, will dagegen vom ersten Stock beide T-Shirt-Träger bei der Attacke auf das am Boden liegende Opfer gesehen haben. Seine Freundin kann hingegen nur bestätigen, dass der mit dem roten T-Shirt getreten und geschlagen hat. Auch ein weiterer Zeuge ist sich sicher, dass dieser auf das Opfer eingetreten hat. Der mit dem weißen T-Shirt habe breitbeinig über dem Geschädigten gestanden. Ob er ihn dadurch vielleicht sogar habe schützen wolle, könne er nicht mit Sicherheit sagen.

Der Prozess wird am 20. April mit der Vernehmung des Geschädigten, der dazu polizeilich vorgeführt werden soll, fortgesetzt. Mit einer Urteilsverkündung wird Ende Juni gerechnet.

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