Pralinen als Gastgeschenk Innenminister Pistorius wirbt in Japan für Osnabrück

Von Wilfried Hinrichs


hin/pm Osnabrück. Wenn er auf Dienstreise sei, sagt Innenminister Boris Pistorius (SPD), verstehe er sich auch immer als Botschafter Osnabrücks. Im japanischen Tokushima warb er am Mittwoch mit guten Worten und himmlischen Pralinen für seine Heimatstadt.

Pistorius, Ur-Osnabrücker und früherer Oberbürgermeister der Stadt, bereist in dieser Woche mit einer siebenköpfigen Arbeitsgruppe des Ministeriums die japanische Region Tokushima, Partnerprovinz des Landes Niedersachsens. Begründet hatte die Partnerschaft 2007 der damalige Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Beim Ehrenempfang des Gouverneurs der Präfektur Tokushima, Kamon Iizumi, übergab Pistorius vier „Himmlische Pralinen“ der Pralinenmanufaktur Leysieffer als besonderen Gruß aus seiner Heimatstadt an den Gouverneur. In seiner Rede betonte Pistorius vor dem Hintergrund der vielen Gemeinsamkeiten zwischen Niedersachsen und Tokushima den besonderen Wert einer von historischen Ereignissen geprägten Kultur. So habe er als Osnabrücker Ratsmitglied und insbesondere später als Oberbürgermeister Osnabrücks erlebt, wie identitätsstiftend etwa der Westfälische Friede für das Zusammenleben der Menschen in Osnabrück sei.

Bis Freitagbleibt die niedersächsische Delegation in der Präfektur Tokushima, in der es Partnerschaften von Schulen aus Osnabrück gibt. Zuletzt besuchte eine Gruppe Schüler der BBS Schölerberg im Februar Tokushima. Anlass war der 100. Jahrestag der Uraufführung von Beethovens 9. Sinfonie durch deutsche Kriegsgefangene, die in der Nähe von Tokushima interniert waren. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Werk in Asien noch völlig unbekannt gewesen. Zu diesem Anlass fand ein großes Jubiläumskonzert statt. Niedersächsische Schulen, die eine Partnerschule in der Provinz haben, waren eingeladen, an dem Jubiläumskonzert mitzuwirken.

Die fünftägige Reise hatte Pistorius zuerst nach Tokio geführt, wo der Minister Gespräche mit Fachleuten über elektronische Verwaltung (E-Government), Satellitenbüros, Cyberkriminalität und innere Sicherheit führte. „Tokushima ist uns weit voraus, was zum Beispiel E-Goverment und Breitbandversorgung angeht“, sagte Pistorius unserer Redaktion. „Wir können davon nur lernen.“ Besonders die Breitbandversorgung in der Fläche ist nach seinen Worten „vorbildlich“. Sie sei so gut, dass Firmen Mitarbeitern, die lieber auf dem Lande leben, weit draußen eine perfekte Büroinfrastruktur zur Verfügung stellen könnten. Weiteres Gesprächsthema war der Einsatz von Videokameras im öffentlichen Raum. Teil des Programms ist auch ein Besuch der Sportstätten für die Olympischen Spiele 2020, die in Tokio stattfinden werden. Zur Zuständigkeit des Landesinnenministers gehören auch die Themen Sport und Digitales.

Am Dienstag hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Schünemann die Japan-Reise kritisiert. Der Innenminister werde zurzeit in Niedersachsen gebraucht, es gebe noch zuviel Hausaufgaben.