Klassikfestival beginnt am Freitag Mit Classic con brio entlang der Donau

Von Jan Kampmeier

Donau-Auen: Das Motto beim Classic con brio-Festival lautet in diesem Jahr „Entlang der Donau“. Foto: dpaDonau-Auen: Das Motto beim Classic con brio-Festival lautet in diesem Jahr „Entlang der Donau“. Foto: dpa

Osnabrück. „Entlang der Donau“ kann man ab Freitag mit den Musikern von Classic con brio reisen, denn unter dieses Thema ist das Festival in diesem Jahr gestellt.

Bei vielen der Festivalmusiker, so erzählt Classic con brio-Intendant Hagen Gleisner, sei der Wunsch nach einem bestimmten geographischen Schwerpunkt entstanden – allerdings gingen die individuellen Wünsche auseinander: Tschechien, Rumänien, Ungarn wurden genannt. Der Geiger Daniel Rowland habe schließlich vorgeschlagen: „Dann nennt das Thema doch entlang der Donau.“ Während des Festivals in Kuhmo, jenem Kammermusik-Mekka im von der Donauregion denkbar weit entfernten Finnland, konnte man sich auf diesen Vorschlag einigen.

Hagen Gleisner erklärt „Je mehr wir uns in das Thema vertieft haben, haben wir auch gemerkt, dass es eine ganz wichtige historische Dimension hat. Über Jahrhunderte hinweg gab es ja ganz starke Verknüpfungen zwischen Deutschland, Österreich, Ungarn. Aber dass das auch so tiefe musikalische Wurzeln hatte, war mir vorher eigentlich gar nicht so klar. Brahms hat zum Beispiel seine Violinsonate op. 107, das erste Stück unseres Festivals, mit dem ungarischen Geiger Jenö Hubay in Budapest uraufgeführt.“ Es habe da einen eng vernetzten Kulturraum gegeben, der mit dem zweiten Weltkrieg zerstört wurde und, allen Bestrebungen der europäischen Einigung zum Trotz, bis heute nicht wieder belebt werden konnte. „Deswegen ist unser Festival auch eine Hommage an diese Kulturregion, die es bis 1945 gegeben hat.“

Wie immer bat Hagen Gleisner seine Musiker, zum Motto passende Werke vorzuschlagen, die sie gerne spielen würden, und es entstand eine lange Liste. Daraus galt es, das Festival-Programm zu basteln: Welche Werke ergeben ein sinnvolles Konzertprogramm, welche Besetzung braucht man für welche Stücke, welche Musiker sind wann da und können nicht nur zusammen im Konzert spielen, sondern vorher auch vor Ort proben. Es muss eine enorme Puzzlearbeit sein, „aber es macht auch richtig Spaß“, sagt Hagen Gleisner. Doch nicht nur die Festivalmusiker machten ihre Vorschläge: „Meine Frau Christiane kam nach Hause und sagte, sie hätte gerade im Autoradio ein ganz tolles Stücke gehört. Sie dachte erst an Brahms, dann klang es aber doch wieder anders.“ Außerdem: Die Gleisners kennen sich aus, wäre es von Brahms gewesen, hätten sie es gekannt. „Dann kam die Ansage: Es war der junge Bartók, gespielt vom Notos Quartett. Diese jungen Musiker hatten erfahren, dass es dieses Werk gibt, aber dass es verschollen sei. Sie fanden schließlich in Budapest irgendwo in einer Bibliothek Bartóks Manuskript und haben es aufgenommen.“ Hagen Gleisner lud das Ensemble ein, und sie spielen nun das erste Mal bei Classic con brio.

Das Konzert am Donnerstag bleibt zwar wie immer in den letzten Jahren im Blue Note, doch der traditionelle Tango-Abend wird ersetzt durch eine Wiener Melange. „Tango und Donau funktioniert nicht“, sagt Hagen Gleisner, „aber es gibt so viele spannende Sachen der leichteren Musik aus dieser Gegend, da haben wir gedacht, probieren wir das mal.“