Hirschkuh in Belm-Icker gerissen Erster bestätigter Wolfsriss im Umland von Osnabrück

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Die genetische Untersuchung wies nach, dass ein einjähriger männlicher Wolf aus der Lüneburger Heide am 11. November 2017 eine Hirschkuh in Belm-Icker riss. Symbolfoto: dpaDie genetische Untersuchung wies nach, dass ein einjähriger männlicher Wolf aus der Lüneburger Heide am 11. November 2017 eine Hirschkuh in Belm-Icker riss. Symbolfoto: dpa 

Osnabrück/Belm. Zum ersten Mal ist ein Wolfsriss im Osnabrücker Umland bestätigt worden. Der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, Raoul Reding, sagte auf Anfrage unserer Redaktion, dass es aktuell einen Gennachweis gibt. Ein nur einjähriger Wolf riss am 11. November 2017 eine Hirschkuh in Belm-Icker.

Nach Angaben des Wolfsberaters Olaf Göpfert ist die gerissene Hirschkuh zufällig von einem Spaziergänger gefunden worden. Die genetische Untersuchung habe nachgewiesen, dass es sich um einen männlichen Wolf aus einem Rudel im Ostenholzer Moor in der Lüneburger Heide handelt. Das gerissene Damwild ist nach Angaben des Wolfsbeauftragten Reding etwa 60 Kilo schwer und zwei Jahre alt gewesen.

Der Wolf sei im vergangenen Jahr aus dem Territorium der Eltern abgewandert, um sich ein eigenes Revier zu suchen und ein Rudel zu gründen. Ob der Rüde sich in der Region Osnabrück niederließ, sei nicht bekannt. „Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass er wieder weg ist“, sagt Reding. (Weiterlesen: Wölfe töteten 2017 mehr als 500 Nutztiere in Norddeutschland)

Verdachtsfälle für Wolfsrisse in Belm, Bramsche und Hasbergen

Bereits am 10. November, einen Tag vor dem nun bestätigten Wolfsriss, hatte unsere Redaktion basierend auf Fotos im Kalkrieser Moor in Bramsche und in Belm-Icker von dem Raubtier berichtet. Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann hatte darüber hinaus erwähnt, dass ein Wolf mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Ostercappeln-Schwagstorf einen Hirsch riss. Allerdings blieb es bei den genannten Fällen bei Verdachtsfällen, weil ein entsprechender wissenschaftlicher Nachweis fehlte.

Reding hatte angesichts der Bilder aus dem Kalkrieser Moor erklärt, dass es sich „mit aller Wahrscheinlichkeit um einen Wolf handelt“. Da aber kein Gennachweis vorlag, sprach Reding nur von einem sogenannten C3-Nachweis, wonach es sich wahrscheinlich um einen Wolf handelt, und nicht von einem sogenannten C1-Nachweis, der nach wissenschaftlichen Kriterien bestätigt ist. Diesen C1-Nachweis gibt es mit dem Riss vom 11. November in Belm-Icker nun erstmals im Osnabrücker Speckgürtel. Reding sprach darüber hinaus davon, dass es Anfang Dezember Verdachtsfälle für Wolfsrisse in Belm, Bramsche und Hasbergen gab. „Dafür gibt es allerdings keine Gennachweise. Die Befunde waren zu alt, um sie auswerten zu können“, erläuterte Reding. (Weiterlesen: Jäger wollen Wölfe in das Jagdrecht aufnehmen)

Größeres Problem ist Wolfspaar im Emsland

Bislang waren die Wolfsexperten der Region davon ausgegangen, dass sich bislang nur ein Wolf im Bereich Bippen im Nordkreis dauerhaft aufhielt. Bei dem Bippener Tier handelte es sich laut Genanalyse um einen eingewanderten weiblichen Wolf, also eine sogenannte Fähe. Kreisjägermeister Meyer Lührmann ging basierend auf den vorliegenden Fotos schon vor einem halben Jahr davon aus, dass es sich nun um einen anderen Wolf handeln muss, weil er auf den Fotos einen Rüden erkannt hatte.

Nun sagt er: „Dass es auch Wolfsrisse im Umkreis von Osnabrück gab, hatten wir bereits vermutet. Noch entscheidender ist für uns aktuell das Emsland.“ Auf dem Truppenübungsplatz nördlich von Meppen habe sich nachgewiesenermaßen ein Wolfspaar etabliert. „Das wird auch Auswirkungen auf unsere Region haben. Die Jungen, die dort geboren werden, werden im kommenden Winter vertrieben und dann könnten diese wiederum versuchen, in unserer Region ein eigenes Rudel zu gründen“, vermerkt Meyer Lührmann.

„Ein Wolfsrudel wäre die nächste Eskalationsstufe“

Das Beispiel der Bippener Wölfin, die sich zwei Jahre relativ unauffällig verhalten und die Samtgemeinde Fürstenau im vergangenen Jahr wohl wieder verlassen habe, zeige, dass ein einzelner Wolf nicht zwingend Sorgen bereiten müsse. Der Kreisjägermeister warnte jedoch: „Wir werden zunehmend Probleme mit dem Wolf bekommen, wenn sich hier ein Rudel gründet. Das wäre die nächste Eskalationsstufe.“ Die stark vom Menschen besiedelten Bereiche werde der Wolf vermutlich eher meiden. Der Teutoburger Wald sei stark zersiedelt und daher eher unattraktiv für das Raubtier. Wenn, dann kommen Meyer Lührmann zufolge in dieser Phase der Besiedelung eher Bereiche wie das Kalkrieser Moor in Bramsche oder noch größere ungestörte Waldgebiete in Betracht.

Meller Schäfer Willi und Josef Uhlen in Sorge um ihre 800 Schafe

Die Schäfer Willi und Josef Uhlen, die eine Herde von mehr als 800 Schafen in Melle haben, betrachten die Entwicklung mit großer Sorge. Der 66-jährige Willi Uhlen sagt, er betreibe die Schäferei bereits seit mehreren Generationen: „Wenn hier jedoch einmal der Wolf zuschlägt, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir hier weitermachen. Die Schadensersatzleistungen des Landes sind doch ein Witz und können den angerichteten Schaden nicht aufwiegen“, klagt er.

Zudem könnten auch Schutzmaßnahmen wie 1,20 Meter hohe Elektrozäune den Wolf nicht aufhalten. Darüber hinaus seien sie viel zu schwer und sperrig, um Schafe einzuzäunen. Daher fordert Uhlen den Abschuss der Wölfe - „und zwar noch bevor sie sich hier ausgebreitet haben“.

Kreisjägermeister: Wir werden um die Regulierung des Wolfes nicht herumkommen

Kreisjägermeister Meyer Lührmann kann die Sorgen nachvollziehen: „Die Schäfer sind bei ihrer Ertragslage sowieso schon am Rande dessen, was man ihnen zumuten kann. Es gibt keinen sicheren Herdenschutz.“ Auch Meyer-Lührmann sagt daher: „Man muss realistisch sein. In den kommenden Jahren werden wir nicht um die Regulierung des Wolfes herumkommen.“


Wolfsreviere: In Deutschland leben Wölfe in der Regel in Rudeln von fünf bis zehn Tieren. Zwischen 150 und 350 Quadratkilometer beträgt die Reviergröße eines Rudels. Auf dem Speiseplan steht hauptsächlich Rehwild, gelegentlich auch Rot- und Schwarzwild. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass Wölfe Schafe oder sogar Rinder angreifen, wie im Raum Cuxhaven geschehen. Im Landkreis Osnabrück gibt es aber lediglich Einzeltiere und noch kein Rudel.

Verhalten II: In einem Flyer gibt der Landkreis Tipps, wie sich Menschen bei Kontakt mit Wölfen verhalten sollten. Hier ein Auszug: 1)„Geben Sie dem Wolf die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Es sind häufig junge Wölfe, die nicht unmittelbar flüchten werden, da sie sehr neugierig sind. 2) Sollte sich ein Wolf nähern, machen Sie Lärm oder bewerfen Sie ihn mit Gegenständen. 3) Ziehen Sie sich langsam zurück. Gehen Sie niemals aktiv auf die Wölfe zu.

Bedrohung: Die Gefahr, die von Wölfen ausgeht, ist statistisch gesehen geringer als die Gefährdung durch Hunde. Seit dem Zweiten Weltkrieg seien in Europa – einschließlich des europäischen Teils von Russland –fünf Menschen von tollwütigen Tieren getötet worden und fünf Menschen von gesunden Tieren, wie Wolfsberater Arndt Eggelmann betont.

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