Passantenfrequenz sinkt Warum kommen weniger Leute in die Osnabrücker City?

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Foto: Gert Westdörp/Grafik: Mathias MichelFoto: Gert Westdörp/Grafik: Mathias Michel

Osnabrück. Diese Zahl hat in der Mitgliederversammlung des Osnabrücker Citymarketings (OCM) für Aufsehen gesorgt: 2017 ist die Passentenfrequenz in der City um fast zwölf Prozent gesunken.

In der Messung der Passantenfrequenz ist Osnabrück technisch ganz weit vorn. Seit Dezember 2014 zählen Laseraugen an acht Standorten die Menschen in der Fußgängerzone, und zwar rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Über die Jahre hat sich so ein wertvoller Datenschatz aufgebaut, der Vergleiche zulässt und Veränderungen in den Kundenströmen aufzeigt.

Der Vergleich zwischen 2016 und 2017 ließ die Mitglieder des Osnabrücker City-Marketings nun aufhorchen. 2016 passierten 58,8 Millionen Menschen die acht Messstationen in der Osnabrücker Innenstadt zwischen Neumarkt und Krahnstraße. 2017 waren es nur 51,8 Millionen. Ein Rückgang um 11,9 Prozent.

Realität und Gefühl

Wo liegen die Ursachen? Petra Rosenbach, Geschäftsführerin der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT), hat „zwei konkrete und zwei gefühlte Gründe“ für den Rückgang der Passantenfrequenz. 2017 fehlten im Vergleich zu 2016 zwei verkaufsoffene Sonntage. Stadtmarketing und Einzelhandel hatten sich im vergangenen Jahr wegen der unsicheren Rechtslage auf zwei verkaufsoffene Sonntage beschränkt. Einer fand im April in Kombination mit dem Hollandmarkt statt, der andere im November zusammen mit der neu entwickelten „Charity-Meile“. Der Einzelhandel war mit der Kundenresonanz insgesamt zufrieden, doch blieben die Frequenzen vor allem im November unter anderem wegen schlechter Wetterprognosen hinter den Ergebnissen früherer Verkaufssonntage zurück.

Zweiter messbarer Faktor: 2017 gab es am Neumarkt kein Winterdorf mehr. Das erkläre den Rückgang der Frequenzen am Messpunkt Neumarkt-Carrée im Vergleich zu 2016, so Rosenbach.

Onlinehandel und Verkehrsprobleme

Auf Platz eins der „gefühlten Gründe“ steht nach Meinung von Petra Rosenbach die zunehmende Konkurrenz des Onlinehandels. „Der Einfluss lässt sich in Passantenzahlen natürlich nicht exakt beziffern, aber die Tendenz ist nicht zu leugnen“, sagte die OMT-Chefin unserer Redaktion. Tatsache ist: Der Umsatz im Onlinehandel stieg 2017 um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach Angaben des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) kauften Verbraucher in Deutschland im vergangenen Jahr Waren für 58,5 Milliarden Euro im Internet. Damit entfiel jeder achte Euro des gesamten Einzelhandelsumsatzes auf den Handel im Internet. Im laufenden Jahr sei abermals mit einem Wachstum von 9,3 Prozent zu rechnen, so die Prognose des Bundesverbandes.

Erreichbarkeit der Innenstadt

Schädlich für Osnabrück ist nach Meinung der Marketingchefin auch die andauernde Verkehrsdiskussion. Die Debatten über das Thema Erreichbarkeit der Innenstadt habe zu einer „Imageverschlechterung“ geführt. Viele Kunden aus dem Umland hätten durch die zahlreichen Verkehrsmeldungen zum Beispiel über die Bauarbeiten am Lotter Kreuz und Berichte über Baustellen in Osnabrück den Eindruck gewonnen, die Stadt sei mit dem Auto nicht mehr bequem erreichbar. Das sei „teils real, teils gefühlt“.

Baustellen seien unvermeidlich und die Koordination wegen der vielen Akteure oft schwierig, so Rosenbach. Doch die Parkhäuser seien in der Regel immer gut erreichbar, worauf das Stadtmarketing auch bei jeder Gelegenheit ausdrücklich hinweise. Die OMT-Chefin appellierte an die Kunden, den Berufsverkehr morgens und abends möglichst zu meiden.

Die Zahl der Passanten ist an sieben der acht Messstationen zurückgegangen. Die Ausnahme bildet der Laserkasten am Nikolaiort, der auch die Kundenströme Richtung Herrenteichsstraße erfasst. Durch diese Seitenstraße, die zum neuen L+T-Sporthaus führt, sind 2017 mehr Menschen gegangen als im Jahr zuvor. Petra Rosenbach erklärt das mit der Großbaustelle von L+T: „Da gab es immer was zu gucken.“


Frequenzmessung

Acht Lasergeräte zählen in der Osnabrücker Passanten. Sie hängen an Häuserfassaden am Neumarkt, am Kamp, an den Haupteingängen von L+T, am Nikolaiort und in der Krahnstraße. Die Kosten teilen sich IHK, Stadt und Einzelhändler. Die Laseraugen erfassen nur Personen ab einer bestimmten Körpergröße, sodass zum Beispiel Hunde nicht gezählt werden. Für Aufmerksamkeit sorgen alljährlich die Frequenzzahlen, die das Maklerbüro Jones Lang LaSalle in Deutschlands Großstädten ermitteln lässt. Dabei zählen Helfer an einem Samstag für drei Stunden händisch die Passanten. Die Ergebnisse sind stark von Zufällen abhängig wie besondere Events oder schlechtes Wetter. Die Große Straße in Osnabrück schnitt 2017 auch deshalb gut ab, weil zufällig während der Maiwoche gezählt wurde.

Die Firma Lase PeCo Systemtechnik setzte die maschinelle Frequenzzählung erstmals in der Autostadt in Wolfsburg ein. Volkswagen wollte genau wissen, wie viele Menschen sich wann in der Autostadt aufhielten. Inzwischen nutzen etwa zwei Dutzend Städte in Deutschland diese Technik. Ein wichtiges Einsatzgebiet sind Massenveranstaltungen wie Open-Air-Konzerte. Seit der Love-Parade-Katastrophe von Duisburg achten die Ordnungsbehörden sehr genau darauf, dass Besucherkapazitäten nicht überschritten werden. Die Laser-Zähler geben sekundengenau Auskunft, sodass Veranstalter den Zugang regulieren können. Beim „Rock am Ring“ zählen Laser fortlaufend die Menschen vor den Bühnen, um Überfüllungen zu vermeiden. Auch Diskotheken-Besitzer nutzen die Technik.

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