Diskussion über Integration „Hart aber fair“: Du’A Zeitun würde Seehofer nach Osnabrück einladen

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„Islam ausgrenzen, Muslime integrieren - Kann das funktionieren?“ fragte ARD-Talker Frank Plasberg am Montagabend in seiner Sendung „Hart aber fair“. Mit am Diskussionstisch saß die Osnabrückerin Du’A Zeitun. Foto: Michael Gründel„Islam ausgrenzen, Muslime integrieren - Kann das funktionieren?“ fragte ARD-Talker Frank Plasberg am Montagabend in seiner Sendung „Hart aber fair“. Mit am Diskussionstisch saß die Osnabrückerin Du’A Zeitun. Foto: Michael Gründel 

Osnabrück. „Islam ausgrenzen, Muslime integrieren – Kann das funktionieren?“ fragte ARD-Talker Frank Plasberg am Montagabend in seiner Sendung „Hart aber fair“. Mit am Diskussionstisch saß die Osnabrückerin Du’A Zeitun.

„Ich würde ihn nach Osnabrück einladen um ihm zu zeigen, wie Integration funktioniert, wie Menschen aus den verschiedenen Religionen im Dialog stehen. Da haben wir viele Beispiele, auf die ich stolz bin“, sagte Du’A Zeitun nach einer teilweise hitzigen Diskussionsrunde bei „Hart aber fair“ am Montagabend. Gemeint war Bundesinnen- und Heimatminister Horst Seehofer, der unlängst davon gesprochen hatte, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Moderator Frank Plasberg hatte in seiner Schlussrunde – die Tagesthemen drängten schon – seinen Talkgästen die Frage gestellt, wohin sie Seehofer einladen würden.

Klare Fronten

Neben Zeitun, die seit Jahren in der Osnabrücker Flüchtlingshilfe aktiv ist, saßen Buchautor Hamed Abdel-Samad, der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Comedian Enissa Amani und Cem Özdemir (Grüne) in der Diskussionsrunde. Schon zu Beginn schien der Frontverlauf zwischen den Talkgästen klar zu sein. Auf der einen Seite Herrmann, der stets die christlich-jüdische Tradition Europas hervorhob, sowie Abdel-Samad. Der Autor zog ein verheerendes Fazit der Integrationsbemühungen – ganz so, wie es in seinem Bestseller “Integration. Ein Protokoll des Scheiterns“ geschrieben steht. 

Zeitun: Kein Widerspruch zwischen Islam und Grundgesetz

Auf der anderen Seite positionierte sich Comedian Amani, die sich immer wieder an den Aussagen der beiden rieb. Hoch emotional und in einem auch von Moderator Plasberg kaum zu stoppendem Redeschwall kritisierte sie die Aussagen Seehofers als diskriminierend, ohne mit wirklichen Sachargumenten dagegenzuhalten. Interessant und vor allem weniger hektisch wurde es immer dann, wenn Zeitun und Özdemir zu Wort kamen. Für die Osnabrückerin stehen der islamische Glaube und das deutsche Grundgesetz nicht in Widerspruch zueinander.

Mehr als vier Millionen Muslime

„Der Satz von Horst Seehofer geht an der Realität vorbei“, sagte Zeitun, die sowohl den ersten, als auch den letzten Wortbeitrag hatte. Mittlerweile gebe es mehr als vier Millionen Muslime in Deutschland. Der Glaube sei aber nur eine Facette dieser Menschen, sie nur auf die Religion zu reduzieren sei ein Fehler. „Für mich gehört der Islam auch zu diesem Land. Ich bin deutsche Muslima und ich bin auch stolz darauf, Deutsche zu sein.“

Einblicke in den Arbeitsalltag

Zeitun gab Einblicke in ihren Arbeitsalltag, in dem sie sich auch und vor allem mit muslimischen Jugendlichen beschäftigt. Immer wieder spiele dabei auch das Kopftuch eine Rolle. Die Osnabrückerin nannte das Beispiel ihrer Tochter, die wie sie ein Kopftuch trage und später auf Lehramt studieren wolle. „Meine Tochter fragt mich, ob das wirklich Sinn macht, wenn das mit Kopftuch gar nicht geht“, sagte Zeitun. „Wo ist das Problem mit dem Kopftuch“, fragte die Osnabrückerin. Ihrer Meinung nach würden muslimische Mädchen oft auf das Kopftuch reduziert. 

Individuelles Glaubensbekenntnis

Einig war sich Zeitun in dieser Frage mit Cem Özdemir. Der Grünen-Politiker hat kein Problem mit dem Kopftuch, wenn es im Sinne eines individuellen Glaubensbekenntnisses getragen wird. „Wenn es ein Mittel der Agitation ist, habe ich aber ein Problem damit“, so Özdemir. Wenn eine Lehrerin ein Kopftuch trage und einer Schülerin das Tragen eines Minirocks zugestehe, klappe für ihn der Deal.

Integration als Herausforderung

Zeitun, die hauptberuflich in der Katholischen Landvolkhoschule Oesede tätig ist, erklärte, ein Großteil der zweiten, dritten und vierten Einwandergeneration wolle unbedingt ein Bestandteil der deutschen Gesellschaft sein. Dies zu bewerkstelligen sei jedoch nach wie vor eine Herausforderung. „Damit das gelingt, müssen wir als Muslime an uns arbeiten, aber die Gesellschaft muss auch an sich arbeiten.“


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