Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit Jobcenter der Region Osnabrück fordern mehr Geld

Von Jean-Charles Fays

Die Jobcenter fordern dauerhaft mehr Geld vom Bund, um die in unserer Region stagnierende Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Symbolfoto: dpaDie Jobcenter fordern dauerhaft mehr Geld vom Bund, um die in unserer Region stagnierende Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Das Jobcenter Osnabrück und die Maßarbeit als Jobcenter des Landkreises fordern mehr Geld, um die Langzeitarbeitslosigkeit in der Region effektiver zu bekämpfen. Hintergrund ist, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen in der Region trotz des Job-Booms bei rund 5000 stagniert.

„Eine Senkung der Anzahl der langzeitarbeitslosen Menschen ist nur zu erreichen, wenn den Jobcentern unabhängig von Sonderförderprogrammen die Mittel für Personal und Eingliederungsqualifizierungen auf Dauer zur Verfügung gestellt werden“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Osnabrück, Nicole Anell, auf Anfrage unserer Redaktion.

Jobcenter können Betreuungsquote nicht erfüllen

Sowohl das Jobcenter Osnabrück als auch die Maßarbeit als Jobcenter des Landkreises können die Betreuungsquoten, die bei Leistungsbeziehern unter 25 Jahren gesetzlich vorgesehen sind, einhalten. Im Sozialgesetzbuch II wird ein Orientierungswert für das Verhältnis von für Integrationsaufgaben eingesetztem Personal und Leistungsberechtigten von eins zu 75 für Hilfebedürftige von unter 25 Jahren genannt. Beim Jobcenter des Landkreises kommt in dieser Gruppe jedoch nur ein Arbeitsvermittler auf 89 Leistungsempfänger, beim Jobcenter Osnabrück kommt ein Vermittler auf 83 Hilfebedürftige unter 25 Jahren.

Für ältere Leistungsberechtigte sieht der Gesetzgeber eine Betreuungsquote von eins zu 150 vor. Auch diese Betreuungsquote wird im Landkreis unterschritten, da nur ein Vermittler auf 171 Leistungsberechtigte kommt. Das Jobcenter Osnabrück kann eine Betreuungsrelation von eins zu 141 vorweisen und die gesetzliche Vorgabe somit zumindest in dieser Altersgruppe einhalten.

Budget um eine Million Euro gekürzt

Die Maßarbeit-Sprecherin Kimberly Lübbersmann begründet, warum die Betreuungsquote von der Maßarbeit nicht eingehalten wird: „In gewisser Weise wurden wir dafür bestraft, dass es unserer Region wirtschaftlich gut geht, denn die wirtschaftlichen Daten fließen in die Berechnung des Budgets ein.“ Der Maßarbeit-Bereichsleiter Lars Hellmers klagt, dass das Budget für dieses Jahr von 19,8 Millionen Euro im Vorjahr um eine Million Euro gekürzt wurde. Dennoch habe die Maßarbeit erreicht, dass die Zahl der Leistungsbezieher deutlich zurückgegangen ist. So ging die Zahl der Bedarfsgemeinschaften laut Hellmers in einem Jahr um 500 auf aktuell 6953 Bedarfsgemeinschaften im Landkreis Osnabrück zurück. Dabei besteht eine Bedarfsgemeinschaft aus einer Familie oder Lebensgemeinschaft, in der mindestens eine Person Hartz IV bezieht. Laut Lübbersmann hat die gute wirtschaftliche Lage dabei trotz der relativ geringen Zahl der Vermittler geholfen.

„Knappes Budget hat uns in unserer Schaffenskraft eingeschränkt“

Hellmers zeigt sich aber überzeugt, dass die Maßarbeit noch mehr Menschen fit für den Arbeitsmarkt gemacht hätte, wenn mehr Mittel zur Verfügung gestanden hätten: „Durch das knappe Budget fühlen wir uns in unserer Schaffenskraft eingeschränkt.“ Er bemängelt, dass die Maßarbeit nicht genügend Mittel habe, um zumindest so viele Vermittler beschäftigen zu können, wie es der vom Gesetzgeber vorgesehene Orientierungswert für die Betreuungsquote vorsieht.

Der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager, sagte der Zeitung „Die Welt“, dass die Jobcenter für einen Langzeitarbeitslosen nur 20 Prozent des Budgets zur Verfügung hätten, das die Arbeitsagenturen für einen kurzzeitig Arbeitslosen ausgeben können. Hellmers schließt sich Sager in der Kritik daran an: „Man sieht, dass dieses Verhältnis nicht stimmen kann. Die Budgets müssen angepasst werden.“ Schließlich sei es deutlich anspruchsvoller, Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dafür müssten dann aber auch die entsprechenden Mittel bereitgestellt werden.

Arbeitsagentur: Jobcenter chronisch unterfinanziert

Der Sprecher der Arbeitsagentur Osnabrück, Volkmar Lenzen, konstatiert: „Es ist grundsätzlich richtig, dass die Jobcenter chronisch unterfinanziert sind.“ Ein Vergleich zwischen den Budgets der Jobcenter und der Arbeitsagenturen sei aber schwierig, da die Jobcenter aus Steuermitteln und die Arbeitsagenturen aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert würden. Bei den Agenturen seien vergleichsweise mehr Mittel für Jugendliche vorgesehen.