Junge Musiker proben in Hollage Ein eigenes Orchester für das Euregio Festival

Von Jan Kampmeier

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Hossein Pishkar gewann im vergangenen Jahr den Deutschen Dirigentenpreis. Foto: Gert WestdörpHossein Pishkar gewann im vergangenen Jahr den Deutschen Dirigentenpreis. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. In der Hollager Mühle bereitet sich das mit internationalen jungen Musikern besetzte Euregio Festival Orchestra zusammen mit dem Dirigenten Hossein Pishkar auf seine ersten Konzerte vor.

Die erste Probe des neuen Orchesters ist soeben beendet, und alle sind glücklich. Konzertmeisterin Nathalie Schmalhofer über den Dirigenten: „Wie er arbeitet, mit welcher Energie und Begeisterung, und das auf alle Musiker überträgt!“ Cellist Leonard Rees: „Toll, wie viel er aus der ersten Probe schon rausgeholt hat.“ Dirigent Hossein Pishkar: „Die Freude war bei den Musikern einfach da. Hohe Konzentration, großes Engagement und tolle Reaktion! Bei einem Orchester, das noch nie zusammen gespielt hat, bezeichne ich persönlich das als sensationell.“ Hossein Pishkar ist ohnehin begeistert, mit den jungen Musikern zwischen 16 und 26 Jahren arbeiten zu können, die sich aus ganz Europa zum ersten Mal für das Euregio Festival Orchestra treffen: „Ich halte so eine Arbeit für eine absolute Notwendigkeit für die Gesellschaft. Menschen unabhängig von Haarfarbe und Hautfarbe und Sprache in diesem Alter dazu zu bringen, gemeinsam etwas zu schaffen, das ist etwas, woran ich total glaube.“

Beethovens vierte Symphonie stand in der ersten Probe auf dem Programm, ein Komponist, den Hossein Pishkar mit Profis kaum spielt. Die ungeheure Energie, die man in seinen Augen dafür braucht, traut er der Jugend eher zu. In den weiteren Proben wird dann eine Ouvertüre und ein Cellokonzert von Haydn hinzukommen, von dem Hossein Pishkar in den höchsten Tönen schwärmt: „Ich bin wahnsinnig verliebt in diesen Komponisten“, so der Dirigent, der sogar von der Aufführung sämtlicher Symphonien träumt – das wären immerhin 104 Werke. „Er ist für mich einer der genialsten Komponisten, der je gelebt hat. Es gibt keinen einzigen normalen Takt.“ Man müsse allerdings die Feinheiten schon „herauskitzeln“.

Hossein Pishkar stammt aus dem Iran, studierte Komposition in Teheran und dirigieren in Düsseldorf. Er sei kein Wettbewerbsmensch, sagt Hossein Pishkar, doch letztes Jahr hat ihm sein Sieg beim Deutschen Dirigentenpreis viele Türen geöffnet. Darüber freut er sich, hat aber seine eigene Einstellung dazu: „Eigentlich ist man erst Dirigent, wenn man 80 ist. Aber deswegen ist das Leben vielleicht so schön, denn wenn man etwas kann, macht es doch keinen Spaß mehr.“

Das Projekt wird gefördert von der Felicitas und Werner Egerland Stiftung. Der Vorsitzende Johannes Dälken stellte nur eine Bedingung: Jugendliche, die sonst nicht mit klassischer Musik in Berührung kommen, sollten ebenfalls erreicht werden. Solist Claudio Bohórquez wird daher Schüler der Grundschule Dodesheide besuchen. Johannes Dälken: „Man muss den Kindern in ihrer Umgebung etwas bieten. Ein Plakat aufzuhängen, reicht nicht.“


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