Osmanischer Grummelsack Kaya Yanar eskaliert in der Osnabrückhalle

Von Tom Bullmann

Gab eine Lehrstunde im Ausrasten in der Osnabrückhalle: Komiker Kaya Yanar. Foto: Thomas OsterfeldGab eine Lehrstunde im Ausrasten in der Osnabrückhalle: Komiker Kaya Yanar. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. „Ausrasten für Anfänger“ heißt das aktuelle Programm des türkischstämmigen Komikers Kaya Yanar, der die Zwerchfelle der Zuschauer in der ausverkauften Osnabrückhalle ordentlich malträtierte.

Kaya Yanar entwickelt sich mehr und mehr zum „osmanischen Grummelsack“. Das, was man hier als Stänkerer und in Österreich als Grantler bezeichnet, kultiviert der deutsche Komiker mit türkischen Wurzeln zurzeit auf der Bühne. Da regt er sich über die „App-Epidemie“ auf seinem Smartphone auf, über die Hochtechnologie in Hotelduschen und über Russisch-sprechende Navis in Mietwagen. In diesem Zusammenhang läuft der Komödiant zur Hochform auf: „Sind Russen im Saal?“, fragt er. Es sind zwar nur wenige, die aufzeigen, dennoch spricht er sie an: „Sie sind ein lustiges Volk. Und im Moment sind die Russen an allem Schuld: Giftanschläge auf Ex-Spione, Wahlbeeinflussung in den USA“. Und schon ist er beim Thema Doping. „Was ich allerdings nicht kapiere, ist das Doping beim Curling“, sagt er. Dann imitiert er „Dimitri“, der vor dem Curlingstein mit rasender Geschwindigkeit das Eis wischt. „Er bohrt sich in Eis“, ruft er unter vollem Körpereinsatz sowie entsprechender Mimikentgleisung und strapaziert so das Zwerchfell der Zuschauer in der ausverkauften Osnabrückhalle.

„Ausrasten für Anfänger“ heißt das aktuelle Programm des Komikers, das er gekonnt mit dem Einstreuen von Lokalkolorit startet. „Ich liebe den Namen ihrer Stadt“, behauptet er und fängt an zu singen: „Ich fand das ganz große Glück mit dir im Zug nach Osnabrück“. Es folgt die Prophezeiung, dass er den Ohrwurm so platziert, dass viele den „Scheißschlager“ auch nach seinem Auftritt noch im Kopf haben werden.

Anschließend bekommt das Publikum eine Lehrstunde im Ausrasten. Unter vier großen, von innen beleuchteten Ärger-Emojis als Kulisse flucht Yanar über den bellenden Hund in der Nachbarschaft, über deutsche Schauspieler, die in Hollywood den Nazi spielen dürfen, über „Sitzbummser“, die ihn im Flugzeug keine Ruhe lassen, über Frauen, die sich im Bad stundenlang bis zur Unkenntlichkeit „upgraden“ und über die Regeln einer Tauchschule, die er bei der Begegnung mit einem Hai befolgen soll. „Lassen sie ihre Emotionen heraus, fluchen ist gut für ihre Gesundheit“, fordert er seine begeisterten Zuhörer auf. Manchmal verfällt er in den Dialekt seiner Figur Ranjid, die viele noch aus den Anfängen seiner Karriere kennen, als er mit der Show „Was guckst du?!“ den Grundstein für das Genre „Ethno-Comedy“ legte. Ähnlich geht er jetzt vor, wenn er den unterschiedlichsten Menschen einen Spiegel vorhält, die er auf seinen zahlreichen Reisen trifft und beobachtet.

Besonders brisant werden Kaya Yanars Geschichten, wenn er plastisch wird: Dann spielt er die Verwandlung des Cineasten vom Bollywood-Hasser zum –Liebhaber, bis er tanzend auf der Bühne steht und man die farbenprächtige Kulisse und die schmachtende Musik eines Bollywood-Schinkens geradezu vor Augen und im Ohr hat.

„Was regt euch auf?“ fragt Yanar vor der Pause und fordert seine Fans dazu auf, ihm per Facebook die eigenen Ausraster zu schicken. „Ihr scheint in Osnabrück ja ziemlich unzufrieden zu sein, ihr habt mir ja ganze Romane geschickt“, feixt er in der zweiten Hälfte seines Eskalationsprogramms, als er die Beiträge heiter bis zynisch kommentiert. Nur beim Thema Terror wird er ernst: „Ich finde, die Leute, die einen Anschlag verüben wollen, sollten die Reihenfolge ändern: Sie sollen sich erst umbringen, bevor sie andere Leute mit in den Tod reißen…“