Spannende Entdeckungsreise Zweiter Liederabend im Theater in Osnabrück

Von Jan Kampmeier

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Lieder aus aller Welt, vorgetragen von Genadijus Bergorulko (Gesang) und Eline Brys (Klavier). Foto: Thomas OsterfeldLieder aus aller Welt, vorgetragen von Genadijus Bergorulko (Gesang) und Eline Brys (Klavier). Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Einen sehr abwechslungsreichen Liederabend voller Raritäten präsentierten Erika Simons, Genadijus Bergorulko und am Flügel Eline Bry im oberen Foyer des Theaters.

Stärker als in anderen Bereichen des Konzertbetriebs dominieren beim Lied einige wenige Namen: Schubert, Schumann, Brahms, Mahler, mit deutlichem Abstand schon Hugo Wolf. Von Letzterem sang Erika Simons beim zweiten Liederabend der Spielzeit am Theater immerhin ein Lied, ansonsten ging es unter dem Motto „Lieder aus aller Welt“ auf spannende Entdeckungsreise weit abseits ausgetretener Pfade. Erika Simons sang außer Wolf zum Beispiel Joaquín Rodrigo, Jean Sibelius, Frank Bridge und Georges Bizet, die als Liedkomponisten nicht allzu bekannt sind. Besonders charmant war sie mit Edvard Grieg und Ernest Chausson. Ihr Zugang zu allen Liedern ist sehr direkt, Emotionen werden überdeutlich dargestellt, oft wirkte ihr Vortrag impulsiv und leidenschaftlich. Sie steht damit ganz im Gegensatz zu Genadijus Bergorulko, der das dramatische Element zugunsten einer sehr viel nobleren und eleganteren Herangehensweise etwas zurücknimmt. Er ist deswegen keineswegs weniger klar in der Darstellung verschiedener Stimmungslagen, vermittelt sie aber subtiler. Ein ansprechender Kontrast ergab sich so zwischen den beiden Sängern, und beide waren in ihrer jeweiligen Art überzeugend.

Gut zwei Drittel des Programms bestritt Genadijus Bergorulko, und in seiner Auswahl schien sich ein deutliches Faible für Raritäten zu spiegeln. Gleich am Beginn standen sechs Lieder des Polen Mieczyslaw Karlowicz, der Holländer Alexander Voormolen war mit drei englischen, sein Landsmann Juriann Andriessen mit fünf spanischen Liedern vertreten, und den fünfteiligen Zyklus „Sommernächte“ des litauischen Zeitgenossen Jurijas Kalcas auf deutsche Texte sang Bergorulko sogar als Uraufführung. Der Zyklus sei ihm vom Komponisten gewidmet, wie Dramaturgin Ulrike Schumann vorher verriet.

Noch größer als sein Pensum war an diesem Liederabend das von Eline Brys, denn sie war beider Sänger Partnerin am Flügel, und so dezent und unaufdringlich sie den Klavierpart auch häufig gestaltete, so war dabei doch nicht zu überhören, wie sensibel sie auf die Sänger reagierte und wie sicher sie selbst Stimmungen vorgab. Aus ihrer Heimat Belgien hatte die Pianistin zwei Klavierstücke von Peter Benoit mitgebracht, wobei sich „Die Legende vom Leiegeist“ als höchst eigenartiges Stück erwies.


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