Gerechtigkeit für Tiere Kinder zeigen „Aufstand der Tiere“ nach George Orwell

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Osnabrück. „Animal Farm“ oder „Die Farm der Tiere“ ist eine moderne Fabel aus der Feder von George Orwell. Gemeinsam mit dem Musiktheater Lupe machen knapp 30 Kinder aus dem Thema ein Musical. Es war im Piesberger Gesellschaftshaus zu sehen.

Völlig verständlich: Menschen legen keine Eier, geben keine Wolle oder Milch und lassen sich auch schlecht schlachten. Aus Sicht der Tiere auf dem Bauernhof sind Menschen keine Selbstversorger, sondern Schmarotzer. In einem Akt der Befreiung jagen die Hoftiere also die Menschen vom Hof und bilden ihre eigene Kommune. „Alle Tiere sind gleich“ schreiben sie als Gesetz an die Scheune, sodass es jeder lesen kann.

Dumm nur, dass manche Tiere sich eben doch für etwas Besseres halten. Schweine, wie laut deren Selbstdarstellung jeder weiß, sind ja angeblich die schlauesten aller Tiere. Und faul sind sie außerdem. Und süchtig nach Vergnügen und Wellness. Von den anderen zunächst unbemerkt, beginnen die Schweine die Herrschaft auf dem Hof zu übernehmen, kommandieren die anderen herum und ändern schließlich das Gesetz in „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als andere.“

Aus der Anti-Kommunismus-Parabel des britischen Autors machen die Kinder und Jugendlichen mit viel Fantasie und mit Hilfe von Katrin Orth und Ralf Siebenand vom Musiktheater Lupe eine bunte Geschichte über Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Dabei geben die erfahrenen Theaterpädagogen wenig vor, den Rest entwickeln die jungen Schauspieler durch Improvisation und eigene Ideen. So träumen etwa die Hühner davon, das nächste deutsche Gock-Model zu werden, und die Schafe kommunizieren in einer Art Ghettosprache, die ihre Nähe zur Mafia symbolisiert.

Und die Ratten-Gang, die die fiesen Machenschaften der Schweine als erste durchschaut, ist süchtig nach Selfies und vergisst dabei fast, die restlichen Tiere auf den Weg zurück zur Gerechtigkeit zu schubsen. „Jedes Projekt des ,Aufstands der Tiere‘ ist anders“, sagt Ralf Siebenand, „denn immer entwickeln die Teilnehmer ihre Rollen selbst.“ Im Piesberger Gesellschaftshaus entsteht so eine kurzweilig und doch professionell erzählte Geschichte, die freilich drei Schritte weitergeht, als das Original.

Denn wo George Orwells Geschichte damit endet, dass die Tiere erkennen, dass sie von den Schweinen ausgetrickst wurden, jagt die Kommune auf der Bühne auch die neuen Herrscher davon und versucht ihr Experiment der Gleichheit Aller aufs Neue. Das fällt aber vermutlich sowieso nur den Belesenen unter den gut 80 Zuschauern auf. Schließlich ist die Geschichte mit Schweinenasen, bunten Kostümen und kindgerechten Tanz- und Liedeinlagen auch so anschaulich genug erzählt. Und dass die Gerechtigkeit für die Tiere siegt, hat ja auch etwas.


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