Jahreshauptversammlung 2018 Osnabrücker Jäger haben Nutria und Wildschwein im Visier

Von Carolin Hlawatsch

Sprachen über Entwicklungen der Wildbestände und damit verbundene Aufgaben für Jäger: (von links) Reinhard Korbel, Vorsitzender der Jägerschaft Osnabrück-Land, Friederike Hänsch vom Veterinäramt Stadt und Landkreis Osnabrück, Jägerschaftsvize Hendrik Pannenborg, Kreisjägermeister Martin Meyer-Lührmann, Helmut Dammann-Tamke als Präsident der Jägerschaft Niedersachsen und Jägermeister Hans-Joachim Nieberg. Foto: Carolin HlawatschSprachen über Entwicklungen der Wildbestände und damit verbundene Aufgaben für Jäger: (von links) Reinhard Korbel, Vorsitzender der Jägerschaft Osnabrück-Land, Friederike Hänsch vom Veterinäramt Stadt und Landkreis Osnabrück, Jägerschaftsvize Hendrik Pannenborg, Kreisjägermeister Martin Meyer-Lührmann, Helmut Dammann-Tamke als Präsident der Jägerschaft Niedersachsen und Jägermeister Hans-Joachim Nieberg. Foto: Carolin Hlawatsch

Osnabrück. Diagramme von Hasen-, Fuchs- oder Damwildbeständen auf der Leinwand, dazu Klänge der Krevinghauser Jägdhornbläser: Am Freitagabend traf sich die Jägerschaft Osnabrück-Land zur Jahreshauptversammlung mit Geweihschau im Haus Rahenkamp in Osnabrück-Voxtrup.

300 Gäste, größtenteils Mitglieder der zehn Hegeringe der Jägerschaft Osnabrück-Land, aber auch Vertreter aus Politik, Forst- und Landwirtschaft wurden vom Jägerschaftsvorsitzenden Reinhard Korbel im Saal begrüßt. Ehrengast und CDU-Bundestagsabgeordneter André Berghegger betonte den Stellenwert der Jäger als „starke Stimme“ im Naturschutz.

Mehr Blühstreifen anlegen

Mit ihren Erfahrungen müssten sie in die politische Ergebnisfindung beim Umgang mit dem Rückkehrer Wolf oder zur Prävention der Afrikanischen Schweinpest eingebunden werden. Dem schloss sich Klaus Wübbolding vom Fachdienst Ordnung beim Landkreis Osnabrück an. Auch beim Schutz der rückgängigen Niederwildarten seien die Jäger unerlässliche Helfer. Heimische Arten wie Rebhuhn oder Feldhase hätten nur eine Chance zu bestehen, wenn ihr Lebensraum verbessert würde – etwa durch Anlegen von Blühstreifen, in denen die Tiere Rückzug und Nahrung finden, oder auch durch Bejagung ihrer Feinde Fuchs, Waschbär und Marderhund.

Feldhasen die großen Verlierer

Der Streckenbericht des Jägermeisters Hans-Joachim Nieberg unterstrich den Rückgang bei Hasen, Kaninchen und Fasanen. Den Feldhasen bezeichnete Nieberg als „Verlierer unserer Kulturlandschaft“. Die Bestandsdiagramme zeigten nicht nur besorgniserregende Rückgänge, sondern auch Steigerungen, die sich negativ auf die Natur auswirken: starke Vermehrungsraten bei Wildschwein und Nutria. Seit 28 Jahren betreibt die Jägerschaft Niedersachsen Wildtier-Monitoring. Die Erfassung einzelner Arten soll verantwortungsvolle und nachhaltige Bejagung ermöglichen.

Muttertierschutz bei Nutrias aufheben

Warum die Jäger ihr Gewehr vermehrt auf Wildschwein und Nutria richten sollten, erklärte Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen: „Nutria haben sehr hohe Reproduktionsraten, bekommen das ganze Jahr über Nachwuchs. Sie untergraben Uferböschungen und Deiche.“ Um der Lage Herr zu werden, müsse beim Nutria sogar über eine Aufhebung des Muttertierschutzes nachgedacht, also auch tragende oder säugende Weibchen zur Jagd freigegeben werden.

Jährliche Verdreifachung des Wildschweinbestands

Auch die Wildschweine finden in unserer Landschaft, in diesem Fall durch zahlreiche Maisfelder, beste Lebens- und Nahrungsbedingungen, was zu einer jährlichen Vermehrungsrate von bis zu 300 Prozent führt. Zu viele von ihnen verursachen Verbissschäden an Ackerpflanzen. Seit dem Näherrücken der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sind sie auch Gefahr als Überträger des Virus. Dammann-Take appelliert: „Wir müssen Schwarzwild stark bejagen – kein Ausrottungsfeldzug, aber großflächige, revierübergreifende Drückjagden.“ Verhindern könne man den Ausbruch der ASP in Deutschland wohl nicht mehr, aber ihn früh bemerken und Wildschweinbestände ausdünnen, um die Chance auf Eindämmung des Virus zu vergrößern.

Gefahr durch Afrikanische Schweinepest

Die Tücken der für den Menschen ungefährlichen Tierseuche erläuterte Veterinärin Friederike Hänsch. Das ASP-Virus entginge dem Immunsystem, deswegen sei es schwierig, Impfstoff zu entwickeln. Es breite sich hartnäckig in der Rotte aus und sei ungünstigerweise lange haltbar in Fleisch, wo es nur durch starkes Erhitzen inaktiviert werden kann. Nicht aufgesammelte Kadaver von Tieren können über ein Jahr infektiös sein. In Afrika übertragen Lederzecken das Virus. Diese gibt es in unseren Gefilden nicht. Hier erfolgt eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren und deren Sekreten, ebenso durch Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleisch und indirekt über Kleidung, Fahrzeuge, Jagdausrüstung oder landwirtschaftliche Geräte. Jäger, Schweinehalter und Tierärzte gehören genauso zu den Personen mit besonderer Verantwortung wie Fernreisende und Saisonarbeiter, die das Virus aus anderen Ländern einbringen könnten.

Bronzenadeln und Beitragserhöhung

„Wir müssen Schwarzwild stark bejagen – kein Ausrottungsfeldzug, aber großflächige, revierübergreifende Drückjagden.“

Nach den Vorträgen wurden Ursula Eilers Bittner, Werner Witte und Herbert Heckmann am Ende des Abends mit der bronzenen Verdienstnadel geehrt. Weniger Applaus aber mehrheitliches Einvernehmen gab es zur Beitragserhöhung, die nötig sei, um sich wachsenden Aufgaben in den Bereichen Niederwildhege und Öffentlichkeitsarbeit stellen zu können.