Lachen ohne Grenzen All-Inclusive-Comedy mit Chris Tall in der Osnabrück-Halle

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Darf auch ohne Papa 
              
              Witze über alles und jeden machen: Chris Tall in der Osnabrück-Halle. Foto: Elvira PartonDarf auch ohne Papa Witze über alles und jeden machen: Chris Tall in der Osnabrück-Halle. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Niemand bekommt Witzverschonung: Mit seinem neuen, nach „Selfie von Mutti“ mittlerweile dritten Bühnenprogramm hat der Hamburger Comedian Chris Tall am Freitagabend in der ausverkauften Osnabrück-Halle eine Lanze für humoristische Gleichberechtigung gebrochen.

Die Absolution, sich inklusive sich selbst über alles und jeden lustig machen zu dürfen, hat sich der pummelige Mitt-Zwanziger mit seinem legendären Anti-Bedenkenträger-Spruch „Darf er das?“ längst selbst erteilt. Auch in der Osnabrück-Halle entpuppte sich die auf vielen T-Shirts prangende Frage schnell als rein rhetorisch. Denn Chris Tall sieht Menschen nicht als Vertreter irgendeiner fremddefinierten Minderheit oder Randgruppe, sondern als Individuen, die er so nimmt, wie sie sind. Die standhafte Stand-Up-Weigerung, Unterschiede zu machen und jemanden von seinem Humor auszugrenzen, nur weil er zum Beispiel im Rollstuhl sitzt, schwarz oder schwul ist, kommt nicht bei allen so gut an wie bei den Fans im ausverkauften Europasaal. So berichtet der Comedian zum Beispiel von einer Dame, die unfreiwillig komisch angemerkt hätte, dass Witze über Rollstuhlfahrer „nicht gehen“ würden oder von einem Journalisten, der sich beklagte, diese mit seinem Humor zu „überfahren“. Der Rollstuhlfahrer in der ersten Reihe, den Chris Tall beim Schlussapplaus bat, doch bitte sitzen zu bleiben, amüsierte sich darüber köstlich.

Zoten charmant verpackt

Auch der Rest des überwiegend jugendlichen und nicht direkt aus Osnabrück stammenden Popcorn-Publikums feierte den tabufreien, inklusiven Humor des TV-Generationenvermittlers, der auch vor jenen Privatfernsehsendern nicht Halt machte, die ihn groß gemacht haben. Eine große Stärke des Hamburgers mit der so gar nicht hanseatisch flinken und bissigen Zunge ist die ganz analoge, spontane Interaktion mit dem Publikum. Von Beginn suchte sich der bekennende Treppenfeind Ankerpersonen, auf die er im Laufe der Show dann immer wieder pointiert zurückgreifen konnte. Dabei mag zumindest der erst neunjährige Paul so manche deutlich unterhalb der Gürtellinie angesiedelte Witze etwa über autosexuelle Sofabeziehungen, die Ähnlichkeiten von SM- und Fitnessstudios oder buchstäblich fesselnde Kino-Dates nicht wirklich verstanden haben. Mit seiner charmanten, auf Menschen zugehende Art beherrscht Chris Tall aber die Kunst, selbst die übelsten Zoten und lokal ghettoaffinen „Schinkelklopfer“ weder bösartig noch beleidigend erscheinen zu lassen.

Plädoyer für Ehrlichkeit

Allein, warum das Programm „Und jetzt ist Papa dran!“ betitelt war, blieb am Ende ein Rätsel. Denn die wenigen Geschichten über seinen Vater, der sich permanent peinlich an die vermeintliche Jugendsprache anzubiedern versucht und dabei etwa Chicks mit Chucks verwechselt, bildeten allenfalls einen sehr losen Rahmen der rund zweieinhalbstündigen All-Inclusive-Comedy-Show, die den Saal zum Dampfen brachte wie eine Stadionwurst. Sie endete mit einem ganz ernst gemeinten Plädoyer für Familie, humoristische Gleichberechtigung und dafür, die Dinge beim Namen zu nennen statt sie politisch korrekt zu verschleiern. Nicht zuletzt auch, als Chris Tall zum Schluss eigene Merchandising-Artikel verschenkte, gab er dem Publikum auf seine ehrliche Art genau das, was sie haben wollten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN