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Stadt Osnabrück nicht zuständig Bezahlt, aber nicht geliefert: Anwohner aus Gretesch wollen ihre Straße

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Sie wollen nicht doppelt zahlen: Die Anwohner aus der Sandgrube König sind mit ihrer Geduld am Ende. Foto: Thomas OsterfeldSie wollen nicht doppelt zahlen: Die Anwohner aus der Sandgrube König sind mit ihrer Geduld am Ende. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Seit Jahren warten die Siedler aus der Sandgrube König auf den Bau ihrer Straße, und ebenso lange werden sie schon vertröstet. Dabei haben sie bereits bezahlt. Aber es ist nicht klar, ob das Geld noch zur Verfügung steht. Und die Stadt, die sonst die Straßen baut, ist gar nicht zuständig.

Schon zweimal rückten Baufahrzeuge an – und wurden wieder abgezogen. Immer wieder machten die Anwohner Druck. Sie erhielten wortreiche Beteuerungen, aber keinen Quadratmeter Straßenpflaster. Das Baugebiet in Gretesch mit der Vinckestraße und der Dehlerstraße ist ein Sonderfall: Es wurde privatrechtlich erschlossen, weil der Eigentümer der früheren Sandgrube es so wünschte. In einem städtebaulichen Vertrag hat er sich verpflichtet, die Straße zu bauen – mit Betonsteinen aus eigener Produktion. Nach ihrer Fertigstellung soll sie in das Eigentum der Stadt übergehen.

Die Firma König, die in Georgsmarienhütte ein Betonsteinwerk betreibt, brachte die 23 Grundstücke 2011 auf den Markt. Wer wie Michael und Monika Pichelkastner eine Parzelle erwarb, bekam es schriftlich: „Es wird ein vollerschlossenes Grundstück veräußert, d.h. sämtliche Erschließungs- und sonstige Anliegerbeiträge für Erschließungsanlagen, unabhängig davon, ob diese endgültig hergestellt [sind] oder die Beitragspflicht bereits entstanden ist, trägt der Verkäufer“. Spätestens 2015, auch das wurde vertraglich festgelegt, sollte die Straße fertig sein. Aber König hat nicht geliefert.

Bauwagen nur Deko

Zu den Neubauten in der früheren Sandgrube führt eine Baustraße ohne Seitenbefestigung, und dieses Provisorium beginnt zu zerbröseln. Weil sich nichts bewegte, schrieben die Anwohner Beschwerdebriefe, riefen im Betonsteinwerk an und baten die Stadt, sich einzuschalten. Die setzte dem Unternehmen eine Frist, und plötzlich stand ein Bauwagen der Westerkappelner Tiefbaufirma Iborg an der Vinckestraße. Allerdings wohl nur für Dekorationszwecke. Auf Anfrage in Westerkappeln soll es eine ziemlich patzige Antwort gegeben haben, berichtet Pichelkastner: Man habe doch die Baustelle eingerichtet. Punkt. Und prompt verschwand der Bauwagen wieder von der Bildfläche.

Nach etlichen weiteren Beschwerden wähnten sich die Siedler fast am Ziel, als das Tiefbauunternehmen Unverfehrt aus Bad Laer schriftlich ankündigte, „ab der 46. KW 2017“ mit dem „Straßenendausbau des Wohngebietes Vinckestraße/Dehlerstraße“ zu beginnen. Und tatsächlich wurden im Oktober ein Bagger, ein Radlader und ein Dixi-Klo gesichtet. Allerdings nie in Aktion. Und schon bald wurden die Maschinen unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Warum? Auf diese Frage unserer Redaktion wollte Geschäftsführer Jens Unverfehrt keine Antwort geben. Ob er befürchtete, dass seine Rechnungen nicht bezahlt würden? Kein Kommentar.

Der Chef ist nicht zu sprechen

Klarheit könnte Michael König in die Sache bringen, der Geschäftsführer des Betonsteinwerks. Unsere Redaktion hat ihn mehrfach um eine Stellungnahme ersucht, doch der Chef war nicht zu sprechen. Tochter Sabrina König, die im Büro arbeitet, übermittelte eine Botschaft: Im September 2018 werde gebaut. Definitiv. Warum nicht eher? Weil die Tiefbauunternehmen allesamt ausgelastet seien und nur Unverfehrt diesen Termin fest zugesagt habe, lautete die Antwort.

In der Vergangenheit, räumt Sabrina König ein, habe man sich vielleicht zu wenig um die Angelegenheit gekümmert. Einmal hätten ein paar fehlende Unterschriften den Baustart verzögert. Aber am Geld habe es nicht gelegen, dass die Straße unvollendet ist.

Warten auf ein Wunder

Den Bauherren aus der Sandgrube fehlt der Glaube, dass im September das angekündigte Wunder geschieht. Sie argwöhnen, dass ihr Erschließungsbeitrag, den sie seinerzeit mit dem Kaufpreis entrichtet haben, für andere Zwecke aufgezehrt wurde. Dabei gerät auch Corinna König ins Blickfeld, die Ehefrau vom Chef Michael König.

Sie hat als Geschäftsführerin der König Verwaltungsgesellschaft mbH einen Teil der Kaufverträge unterschrieben. Doch inzwischen ist es zu einem Zerwürfnis gekommen und Corinna König darf sich im Unternehmen nicht mehr blicken lassen. Im Betonsteinwerk heißt es dazu: „Frau König gehört nicht mehr zur Geschäftsleitung“. Unserer Redaktion war es nicht möglich, Kontakt zu Corinna König aufzunehmen.

100000 Euro fehlen

Inzwischen haben die Grundstückseigentümer von der Vinckestraße und der Dehlerstraße ausgelotet, wie sie an ihre Straße kommen können, falls König sie hängen lässt. Rund 100.000 Euro sollen noch durch eine Bürgschaft des Betonfabrikanten abgedeckt sein, doch dieser Betrag dürfte mit etwas Glück gerade einmal für die Hälfte der Baukosten reichen.

Die Stadt hat angeboten, die Straßenbauarbeiten in Auftrag zu geben. Allerdings unter der Bedingung, dass die Anwohner für die Kosten aufkommen, falls bei König nichts zu holen ist. Zu riskant, meinen die Siedler aus der Sandgrube. Einer von ihnen bringt es auf den Punkt: „Wir wollen doch nicht doppelt zahlen!“


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