Der Mensch im Fokus der Kunst Ausstellung in Osnabrück: Hiltrud Schäfer spielt mit der Erwartungshaltung

Von Tom Bullmann

Präsentiert ihre Kunst: Hiltrud Schäfer in der Skulptur-Galerie Osnabrück. Foto: David EbenerPräsentiert ihre Kunst: Hiltrud Schäfer in der Skulptur-Galerie Osnabrück. Foto: David Ebener

Osnabrück. „Unerwartet“ lautet der Titel einer neuen Ausstellung in der Skulptur-Galerie am Rissmüllerplatz. Die Osnabrücker Künstlerin Hiltrud Schäfer zeigt aktuelle Arbeiten, in denen Puppenteile eine maßgebliche Rolle spielen.

Mit der Erwartungshaltung der Besucher spielt Hiltrud Schäfer ab Sonntag in der Skulptur-Galerie am Rissmüllerplatz. Denn wer erwartet, dass die Osnabrücker Künstlerin wie gewohnt Arbeiten aus Japan-Papier präsentiert, sieht sich getäuscht: Stattdessen konfrontiert sie den Kunstfreund im Ausstellungsraum mit Skulpturen und Objekten, die sie aus Porzellan, Stoff, Holz und Blei gefertigt hat.

„Unerwartet“ lautet dementsprechend der Titel der Schau. Er funktioniert auf verschiedenen Verständnisebenen. Nicht nur die Sicht des Rezipienten wird aus dem Gewohnten gelockt, auch die Herangehensweise der Künstlerin gleitet immer häufiger ins Unerwartete. Hiltrud Schäfer ist Sammlerin. Die Materialien, die sie in der Natur oder auch in stillgelegten Fabriken oder Archiven findet, lenken häufig ihre Kreativität. Zurzeit sind es Porzellanteile aus einer Puppenmanufaktur, die Kistenweise in ihren Besitz gelangten und jetzt ihre aktuellen Skulpturen prägen. So kreiert Schäfer menschenähnliche Kreaturen, die bisweilen sechs Arme, mehrere Köpfe, dann aber deformierte oder gar keine Beine haben. Gebettet sind die entstellten Wesen auf altem, gebraucht erscheinendem Verbandmaterial. So verstärkt die Künstlerin die Assoziationskette, die bei Missbildung oder Genmanipulation anfängt, bei Vergänglichkeit und Tod aufhört.

In einem zweiten Ausstellungssegment zeigt Hiltrud Schäfer uralte, original „Flurkartenbehälter“ aus Holz, die sie schon häufiger in Objekte oder Installationen integrierte. Jetzt dienen sie als Behausung für morbide Kreaturen und deformierte Puppenköpfe, die zu Hybriden aus Niedlichkeit und grauenhafter Fratze geraten.

Neben einem größeren Objekt, mit der Hiltrud Schäfer die Flüchtlingsproblematik fokussiert, zeigt sie auch eine Skulptur aus ihrer Serie „Hüllen und Häute“ – und erfüllt damit versöhnlich die Erwartungshaltung der Besucher, denn die ist aus selbst gemachten Japan-Papier.


„skulptur-galerie“ (Bierstr. 2): Skulpturen und Objekte von Hiltrud Schäfer. So., 8. April (Eröffnung um 11 Uhr) bis 10. Juni. Do. – Mo. 11-16 Uhr.