57 Prozent der Betriebe mit offenen Stellen Handwerk: „Wir müssen Fachkräfte ansaugen“

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Das Handwerk in der Region schaut weiterhin positiv in die Zukunft. Sorge bereitet jedoch der Fachkräftemangel. Foto: dpaDas Handwerk in der Region schaut weiterhin positiv in die Zukunft. Sorge bereitet jedoch der Fachkräftemangel. Foto: dpa

Osnabrück. Die Konjunktur im regionalen Handwerk bleibt auf hohem Niveau stabil. Das machte Peter Voss, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, am Freitag auf der Jahrespressekonferenz deutlich. Die rund 10700 Betriebe mit ihren mehr als 90000 Beschäftigen schauen optimistisch in die Zukunft – auch wenn der Geschäftsklimaindex laut Frühjahrsumfrage leicht gesunken ist.

„Wir sprechen von einer Normalisierung der guten Wirtschaftslage von einem extrem guten auf ein gutes Niveau“, betonte Voss. Allerdings übersteigen zum ersten Mal die Erwartungen die Bewertung der aktuellen Geschäftslage. Sorge macht dem Kammerpräsidenten hingegen weiterhin der Fachkräftemangel. „Es ist für uns fraglich, warum in benachbarten Regionen wie dem Ruhrgebiet, Ostfriesland oder Bremen zweistellige Arbeitslosenzahlen zu verzeichnen sind, während der heimische Ausbildungs- und Arbeitsmarkt nahezu leer gefegt ist“, sagte er. Das sei eine paradoxe Situation. Voss betonte dabei die Notwendigkeit eines stärkeren Regionalmarketings. „Wir müssen Fachkräfte ansaugen.“ 57 Prozent der Unternehmen gaben an, offene Stellen zu haben. Noch nie waren es mehr.

648 offene Lehrstellen und Praktikumsangebote

Hinzu kommen in der internen Ausbildungsbörse 648 offene Lehrstellen und Praktikumsangebote. Insgesamt ging die Zahl der registrierten Ausbildungsverträge im Jahresvergleich um 4,6 Prozent zurück, die Zahl der neu geschlossenen Verträge verringerte sich um 6,1 Prozent. Einziger Lichtblick: Im Bundesvergleich steht der Kammerbezirk damit weiterhin gut da. Der Anteil der Ausbildungsverhältnisse in Relation zur Gesamtbetriebszahl liegt mit 70 Prozent deutlich über dem Bundes- und Landesschnitt (37 bzw. 55 Prozent). „Unsere Ausbildungsbetriebe sind trotz des Rückgangs der Zahlen weiterhin ausbildungswillig“, betonte Hauptgeschäftsführer Sven Ruschhaupt.

15 Prozent der neuen Azubis hatten Abitur

Was ihn besonders freute: 15 Prozent aller neuen Lehrverhältnisse wurden mit Gymnasiasten geschlossen. „Auch diese Quote liegt über dem Bundesschnitt.“ Die Zahl der Geflüchteten mit einem Ausbildungsvertrag erhöhte sich im Kammerbezirk deutlich auf 70. Die meisten hätten im vergangenen Jahr ihre Ausbildung begonnen. Während das Handwerkliche kein Problem sei, bleibt die Sprache – gerade mit Blick auf die Prüfungen – eine Herausforderung, so Ruschhaupt. Wobei er auch eine Lanze für die Jugendlichen brach: „Wir sollten uns mal in ihre Lage versetzen. Wir hätten mit einer fremden Sprache auch Probleme.“

Meisterausbildung weiter in Vordergrund

Forciert werden soll laut Voss künftig weiterhin die Meisterausbildung. „Die Meisterprämie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung der akademischen und beruflichen Bildung.“ Und während in Niedersachsen laut Voss die Zahl der bestandenen Meisterprüfungen seit dem Jahr 2000 um knapp 30 Prozent zurückgegangen ist, liegt sie mit 401 im Kammerbezirk zum ersten Mal wieder höher als 2006. Voss bezeichnete den Meister im Bereich des Bäckerhandwerks und der Fleischer auch als „aktiven Verbraucherschützer“. Er war sich sicher: „In dem einen oder anderen Bereich werden wir wieder einen Meister bekommen.“

Nachfolge bleibt im Handwerk ein Problem

Doch es waren nicht nur positive Nachrichten, die Peter Voss und Sven Ruschhaupt verkündeten. 63 Betriebe weniger gibt es nun im Kammerbezirk – viele von ihnen haben laut Ruschhaupt geschlossen, weil es keinen Nachfolger gab.


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