J.M. Coetzees Roman Finale der Theater-Lesereise „Schande“: Ein Weg in die Demut

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Lesereise des Theaters Osnabrück mit J. M. Coetzee, 4. Station im Atelier m82, Osnabrück. Foto: Swaantje HehmannLesereise des Theaters Osnabrück mit J. M. Coetzee, 4. Station im Atelier m82, Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Die vierte Station „Ein guter Mensch“ bildete am Donnerstag im Atelier m82 mit Schauspieler Klaus Fischer das Finale der Theater-Lesereise zu J.M. Coetzees Roman „Schande“. 

Ölbilder in Grautönen, auf denen Gebäude und Figuren wie nebelhafte Schemen auftauchen: Die Serie „Raum/Zeit/Körper“ der Künstlerin Margit Rusert lässt viel Raum zur Interpretation und bildet dadurch den passenden Hintergrund für die vierte Station der Theater-Lesereise durch J.M. Coetzees Roman „Schande“ zum Themenschwerpunkt Afrika.

Denn ähnlich verhangen scheint der Weg des Protagonisten David Lurie, den es von der Universität in Kapstadt auf die abgelegene Farm seiner Tochter Lucy verschlagen hat. Dort muss er vor dem Hintergrund der kaum überwundenen Apartheid nicht nur die Vergewaltigung seiner Tochter durch drei junge Männer erleben, sondern auch widerwillig Lucys Umgang mit ihrer daraus resultierenden Schwangerschaft akzeptieren. Als weiteren Schritt zu Demut und Schulderkenntnis, bittet der geschasste Professor die Eltern seiner Studentin und Ex-Geliebten Melanie um Vergebung. Davids Einsicht in die eigene Schuld - vor allem darum ging es in der gut besuchten vierten, finalen Station der Theater-Lesereise zu J.M. Coetzees Roman „Schande“ (Konzeption, Organisation: Milena Kowalski und Marie Senf), die am Donnerstag im Atelier m82 stattfand.

Unter dem Leitmotiv „Ein guter Mensch“ machte Schauspieler Klaus Fischer mit seiner eindrucksvollen Lesestimme die moralische Entwicklung des David Lurie nachvollziehbar. Als Abschluss seiner Metamorphose zum „guten Menschen“, gibt David schließlich der Tierärztin Bev Shaw seinen verkrüppelten Lieblingshund zum Einschläfern frei: Ein weiteres  Zeichen selbst gewählter Demut und Liebe, das dem Publikum viel Raum zum Nachdenken und Interpretieren bot.  


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