Uraufführung beim Sinfoniekonzert Philipp Maintz: Komponist fürs Osnabrücker Symphonieorchester

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Klangsinniger Komponist: Philipp Maintz. Für das Osnabrücker Symphonieorchester hat er „para descubrir“ geschrieben. Foto: Swaantje HehmannKlangsinniger Komponist: Philipp Maintz. Für das Osnabrücker Symphonieorchester hat er „para descubrir“ geschrieben. Foto: Swaantje Hehmann

Beim Sinfoniekonzert am Montag wird ein Werk für großes Orchester des Komponisten Philipp Maintz uraufgeführt. Am Donnerstag hat er bei einer Probe des Osnabrücker Symphonieorchesters zugehört.

Dem Klischee vom Komponisten entspricht Philipp Maintz nicht gerade. Das Klischee unterstellt ihnen ja gern, nicht von dieser Welt zu sein. Maintz verkörpert da ziemlich genau das Gegenteil: Das Bürstenhaar gegelt und so perfekt geschnitten wie der sauber getrimmte Bart, groß und muskulös, so steht er im Bühneneingang des Theaters, und mit Cargohose, rotem Sweatshirt und Sportschuhen sieht er aus, als wäre er auf dem Weg ins Fitness-Studio und nicht ins Orchesterstudio des Theaters am Domhof. Allerdings trägt er keine Sporttasche mit sich, sondern die plakatgroße Partitur seines Werks „para descubrir“, das beim Sinfoniekonzert am Montag in der Osnabrückhalle uraufgeführt wird. Weiterlesen: Ende April erlebt Osnabrück die Uraufführung der Oper „San Paolo“

„Ich koche besser als meine Mutter“

Tatsächlich ist Maintz jemand, der klare Worte nebulösem Wortgeklingel vorzieht, egal ob es um seinen Wohnsitz Berlin geht oder die Neue Musik im Allgemeinen und seine Kompositiionen im Speziellen. „Aus Liebesblödigkeit“ sei er von seiner Heimatstadt Aachen aus nach Berlin gezogen, und nach 15 Jahren scheint er dort wirklich angekommen zu sein: „Seit kurzem habe ich das Gefühl von hier-bin-ich-zuhause“, sagt er. Und da spricht kein Kreuzberg-Hipster, sondern der Komponist mit Sinn fürs Pragmatische: Als Ausgangspunkt für Reisen zu Konzerten mit seiner Musik eignet sich Berlin ganz gut, und außerdem „kommt irgendwann jeder vorbei, den ich treffen möchte“, sagt er. Zum Beispiel Christoph Eschenbach: Mit dem Dirigenten arbeitet Maintz schon länger gut zusammen. Ab der Saison 2019/20 übernimmt Eschenbach die Leitung des Konzerthausorchesters Berlin, ein Engagement, das Perspektiven eröffnet. „Ich habe eine Küche“, sagt Maintz, „und er isst gern.“ Und Maintz kocht gern, „mittlerweile besser als meine Mutter.“ Das ist mal eine Ansage.

Gleich wird er sein fünfsätziges Werk mit dem Osnabrücker Chefdirigenten Andreas Hotz durchgehen. Viel zu diskutieren gibt es offenbar nicht; zehn vor Sieben sitzt Maintz bereits auf einem Stuhl hinter den ersten Geigen, die große Partitur vor sich, und wartet auf den Beginn der Probe. „Ein Glücksfall“ sei das, sagt er, dass ihn ein konventionelles Orchester um dieses Werk gebeten hat. „Ich empfinde das als den normalen Konzertbetrieb“ – er meint das im Gegensatz zu Spezialistenfestivals wie den Donaueschinger Musiktagen. Dieses Festival hat er das letzte Mal 2008 besucht. Weiterlesen: So waren die Donaueschinger Musiktage 2017

„Para descubrir“ geht zurück auf ein Gedicht des argentinischen Dichters Roberto Juarroz und auf musikalisches Material, das ihm zu den fünf Orchesterliedern „tríptico vertical“ eingefallen war. Vieles musste damals „unter den Tisch fallen“; jetzt hat er das Material wieder hervorgeholt und weiterentwickelt. Wie? Auf jeden Fall hat er sich eine Anregung seines Lehrers zu Herzen genommen: „Schreib die Musik, die du gerne hören möchtest“, hat der ihm gesagt. Wenn „para decubrir“ dafür paradigmatisch steht, dann hört Maintz gern in feinen und feinsten Nuancen: Das Orchester arbeitet am dritten der fünf Sätze, und der beginnt an der Schwelle zur Unhörbarkeit, arbeitet mit Luftgeräuschen und filigranen Klanggespinsten bis hin zum großen Orchesterdonner. „Sinnlich erfahrbar soll und will“ seine Musik sein, sagt er, „Musik, die Poesie hat und Freude macht –zu hören und zu spielen.“ Das klingt doch vielversprechend.


6. Sinfoniekonzert: Montag, 9. April, 20 Uhr, Osnabrückhalle. Auf dem Programm: Nachtstück aus „Der ferne Klang“ von Franz Schreker, „para descubrir“ von Philipp Maintz (Uraufführung), „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss. Osnabrücker Symphonieorchester, Leitung Andreas Hotz. Weitere Infos und Karten gibt es hier

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