Stallgeruch So sieht‘s aus im Stall: Drei-Höfe-Radtour in Osnabrück

Von Harald Preuin

Die Drei-Höfe-Radrundtour bietet hautnah Einblicke in die Landwirtschaft. Bei der Premiere ging es unter anderem auf dem Hühnerhof Kottmann um Eier aus der Freilandhaltung. Foto: Harald PreuinDie Drei-Höfe-Radrundtour bietet hautnah Einblicke in die Landwirtschaft. Bei der Premiere ging es unter anderem auf dem Hühnerhof Kottmann um Eier aus der Freilandhaltung. Foto: Harald Preuin

Osnabrück/Hasbergen. Woran erkennt man, ob Hühner weiße Eier legen? Wie lange bleiben Ferkel bei ihren Müttern im Stall? Wieviel frisst eine Kuh am Tag? Enno Kamrath, Erfinder der Drei-Höfe-Rundradtour, kann diese Fragen und viele andere mehr beantworten. Auch kritische, die sich um Gülle, Unkrautvernichter und Antibiotika drehen.

Enno Kamrath ist der Erfinder der Drei-Höfe-Rundradtour, die vergangenen Samstag Premiere hatte. Nach einer Ankündigung in unserer Zeitung meldeten sich 20 Teilnehmer, damit war die Obergrenze der Gruppe erreicht. Bei der Vorpremiere zwei Wochen zuvor feilte Kamrath letzte sprachliche Stolpersteine für Otto-Normalbürger glatt. Die hätten mit einigen Fachbegriffen aus dem Bauerndeutsch wohl ihre Schwierigkeiten bekommen.

Kamrath ist kein Landwirt. Der 58-Jährige ist als Freiberufler in der IT-Branche tätig. Das Aussteiger-Gen erfasst ihn in der Freizeit. In der einjährigen Vorbereitung für die Höfetour, die er „Hofbesuch“ betitelt, absolvierte er jeweils vierwöchige Praktika auf drei Höfen. Auf dem Hof Kolkmeier in Atter vertiefte er sein Laienwissen über Rinderhaltung und Milchwirtschaft, auf dem Hof Pott in Hasbergen widmete er sich der Sauenhaltung mit Ferkelaufzucht und auf dem Hühnerhof Kottmann ging es um Eier aus der Freilandhaltung.

„Sich selber ein Bild machen“

Kamrath öffnet mit den beteiligten Landwirten die Höfe. Der Blick hinter die Kulissen soll dazu beitragen, dass sich die Teilnehmer ein objektives Bild von der heimischen Landwirtschaft machen. „Die Bauern stehen in den Medien in der Kritik. Massentierhaltung, Grundwasserverschmutzung und Tierquälereien werden ihnen vorgeworfen. Ist das wirklich so?“ sagt der Höfe-Radler: „Ich denke, jeder Interessierte sollte die Möglichkeit nutzen, sich selber ein Bild über die aktuelle Landwirtschaft zu machen“.

(Weitere Berichte aus der regionalen Landwirtschaft auf unserer Themenseite noz.de/stallgeruch)

Bei der Vorpremiere zeigen sich Heiner Kolkmeier, Norbert Pott und Johannes Kottmann mit Angehörigen und Freunden sportlich. Von der Sutthauser Mühle startet der Tross aus jung und alt auf die 26 km lange Strecke. Kamrath hat zwischen und auf den Höfen genügend Zeit eingeplant, damit sich intensive Gespräche entwickeln können. Norbert (49) und Alexander Pott (23) stehen Rede und Antwort, als sie ihren Kollegen den Hof vorstellen. Wer in die Schweineställe will, muss sich allerdings einen Schutzanzug anziehen, um Krankheitskeime draußen zu halten. Die Ferkel können auch ohne Overall angesehen werden. Nach der Trennung von der Mutter leben sie in offenen Klimahütten, wo sie zwei Monate gefüttert werden. Mit einem Gewicht von etwa 30 Kilo werden sie an Schweinemäster verkauft.

Jede Kuh frisst 43 Kilo Futter am Tag

Für die Fahrten auf Nebenstrecken von Hof zu Hof hat Enno Kamrath jeweils eine Stunde eingeplant, ebenso wie für die Gespräche auf den Höfen. Auf dem Hof Kolkmeyer schaut Kamrath auf die Uhr: „Wir sind gut in der Zeit“. Gut so, denn wie schon bei Pott zeigt sich, dass viele Fragen kommen. Die junge Bäuerin Nele Kolkmeier (27) informiert die Gäste über das Herdenmanagement bei Kälberaufzucht, Rinderhaltung, Milchviehstall mit Schwangerenabteilung und Kreißsaal.

Der Offenstall mit dem frei zugänglichen Weideland ist ein Ideal der Rinderhaltung. Nele: „Die letzten Spaltenböden auf unserm Hof werden bald abgeschafft sein“. Die 100 Milchkühe bekommen Futter aus Mais- und Grassilage aus eigenem Anbau und werden mit zwei Melkrobotern gemolken. Hier informiert Enno Kamrath auch über die Tagesration: 43 Kilo Futter frisst jede Kuh pro Tag.

Nicht jeden Tag ein Ei

Bei Bauer Kottmann sind die Tiere ein paar Nummern kleiner, dafür hat er ein paar mehr. Mehrere tausend Lohmann-Hühner gackern auf den Wiesen. Sie tragen braunes Gefieder. Dass sie braune Eier legen sei aber nicht am Federkleid erkennbar, sondern an den Ohrläppchen, erklärt Enno Kamrath. Jedes Huhn habe vier Quadratmeter Auslauf. Im Stall, wo sie auch die Eier legen, teilen sich neun Tiere einen Quadratmeter. Der Auslauf in den Wintergarten und aufs Freigelände ist tagsüber geöffnet. Aber nicht jedes Huhn legt jeden Tag ein Ei, ergänzt Johannes Kottmann (58): „In der 14-monatigen Legeperiode sind es etwa 320 Stück“.

Enno Kamrath möchte seine Höfetour alle vier Wochen durchführen. Er nimmt kein Geld, nur die Schutzkleidung für die Hygiene-Sicherheitsbereiche auf dem Schweine- und dem Hühnerhof werden mit fünf Euro berechnet. Kinder ab fünf Jahre können dabei sein, Hunde aber nicht. Den Schlusspunkt kann ein Strammer Max in der Sutthauser Mühle setzen. Die nächste Höfetour findet am 13. Mai, ab 11 Uhr als „Sonntag-Tour zum Muttertag“ statt. Anmeldungen und Infos über e.kamrath@web.de.