„Luisa“ hat nicht geholfen Keine Hilfe für Frauen: Osnabrücker Sonderbar wehrt sich gegen Kritik

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Die Sonderbar in der Osnabrücker Lohstraße. Archivfoto: Michael GründelDie Sonderbar in der Osnabrücker Lohstraße. Archivfoto: Michael Gründel

Osnabrück. „Ist Luisa hier?“ Auf diese Codefrage hatte unsere Redaktion beim Test in der Sonderbar keine Hilfe bekommen. Dabei listet die Frauenberatungsstelle, die das Projekt in Osnabrück koordiniert, die Bar in der Lohstraße als Teilnehmer. Sonderbar-Wirt Sebastian Heukamp hingegen fragt sich, wie er auf die Liste gekommen ist.

„Ich kann mir nicht erklären, warum die Frauenberatungsstelle das behauptet“, versichert Heukamp. Er ist der Wirt der Sonderbar und wundert sich, warum die Frauenberatungsstelle ihn als Teilnehmer des Projektes nennt.

„Luisa? Gibt es hier nicht!“

Das Projekt „Luisa ist hier!“ soll Frauen helfen, die in Clubs und Kneipen belästigt werden. Die Teilnehmer verpflichten sich, diese Frauen zu unterstützen, wenn sie das Personal fragen: „Ist Luisa da“? In unserem Test wusste das Personal der Sonderbar nichts mit der Codefrage anzufangen und sagte, eine Luisa gebe es dort nicht. Erst auf erneute Nachfrage kramte das Personal einen Flyer sowie ein Plakat von dem Projekt hervor.

Heukamp habe nach dem Test mit seinen Mitarbeitern gesprochen. Weder sie noch er könnten rekonstruieren, wie das Informationsmaterial in die Schublade gekommen war. Vielleicht hatte es jemand abgegeben, vielleicht hatte es im Briefkasten gesteckt.

Heukamp: Nie eine Zusage gemacht

Aber er versichert: „Bei mir war niemand, und die Mitarbeiter dürfen das nicht alleine entscheiden. Niemand erinnert sich an einen Besuch“ von der Frauenberatungsstelle, sagt Heukamp. Daher fühlt er sich nach Kritik auf seiner Facebookseite nach der ausbleibenden Hilfe nun zu Unrecht angeprangert. „Ich hatte mal von dem Projekt gehört – mehr aber auch nicht.“ Entsprechend habe er nie eine Zusage gemacht. 

Wirt will Projekt unterstützen

Das wiederum bedeutet nicht, dass er das Projekt ablehne. „Wir machen gerne mit, ich finde das ganz hervorragend“, sagt Heukamp. Er habe seine Mitarbeiter nun für „Luisa“ sensibilisiert. Jede Frau, so versichert der Wirt, bekomme ab sofort Hilfe, wenn sie nach Luisa fragen. Das Plakat will er auf der Damentoilette gerahmt aufhängen. „Wir wollen gelistet bleiben“, versichert Heukamp.

Hinweisplakate in Damentoiletten sollen Frauen, die sich bedroht fühlen, darauf aufmerksam machen, dass ihnen vor Ort geholfen wird. Foto: Mareike Eigenwillig

Angekündigte Stellungnahme bleibt aus

Eine vergangene Woche von der Frauenberatungsstelle zugesicherte Stellungnahme auf Anfrage unserer Redaktion bis zum Dienstag zu den Schilderungen des Sonderbar-Wirts blieb aus. Für Rückfragen war die Frauenberatungsstelle am Dienstag nicht zu erreichen.

Hilfe nur im Whisky's

In unserem Test hatte unsere Redaktion die Sonderbar, das Sonnendeck und das Whisky's besucht. Lediglich im Whisky's erhielt unsere Testerin alle nur erdenklichen Hilfsangebote.

Im Osnabrücker Whiskey's bekam unsere vermeintlich belästigte Testerin umgehend Hilfe. Der Barkeeper reagierte vorbildlich. Foto: Larena Klöckner

Im Sonnendeck und in der Sonderbar hingegen wusste das Personal nichts mit der Frage nach Luisa anzufangen. Auch das Sonnendeck will nachbessern, sagt Heukamp, das habe ihm der Wirt gesagt.


Die Teilnehmer

Diese Bars nehmen der Frauenberatungsstelle Osnabrück zufolge an dem Projekt teil:

  • Whisky‘s 
  • Sonderbar 
  • Sonnendeck 
  • Rosenhof 
  • Dr. Vogel 
  • Culina 
  • Pollyesther‘s 
  • Shock Records & Coffee 
  • Bastard Club 
  • Zauber von OS
Das Projekt „Luisa ist hier!“ stammt vom Frauen-Notruf aus Münster. Mittlerweile gibt es das Projekt in zahlreichen Städten in ganz Deutschland. Auch in Osnabrück soll es etabliert werden.

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