Einbruch per Gullideckel 20 Monate Haft für drogenkranken Dieb

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Auf frischer Tat ertappte die Polizei den Angeklagten bei seinem letzten Einbruch in die Filiale von Galeria Kaufhof. Symbolfoto: Jörn MartensAuf frischer Tat ertappte die Polizei den Angeklagten bei seinem letzten Einbruch in die Filiale von Galeria Kaufhof. Symbolfoto: Jörn Martens

Osnabrück. Um seine Drogensucht zu finanzieren, ist ein 35-Jähriger mehrfach zum Dieb geworden. Dafür hat ihn das Amtsgericht Osnabrück zu 20 Monaten Haft verurteilt. Eine Bewährungschance erhielt der Mann mangels Perspektiven nicht.

Der gebürtige Georgier war 2015 aus Russland in die Bundesrepublik gekommen. Er erwarb für 6000 Euro lettische Personalpapiere, augenscheinlich um seinen Aufenthaltsstatus zu verbessern. Er arbeitete zunächst noch als Maler, wurde dann aber nach eigenen Worten heroinabhängig.

Um seine Sucht zu finanzieren, stieg er etwa zweimal in einen Kiosk an der Augustenburger Straße in Osnabrück ein. Nur beim ersten Mal konnte er Waren und Geld im Gesamtwert von rund 2300 Euro erbeuten. Einen zweiten Versuch musste er abbrechen, weil er von einem Mann beobachtet wurde.

Auch bei acht weiteren Diebstählen wurde er jedes Mal ertappt: Mal steckte er Zigaretten ein, dann Parfüm oder eine Sportjacke. Doch immer war der Ladendetektiv aufmerksamer. Spektakulär der letzte Einbruch des Angeklagten im Januar dieses Jahres: Mit einem Gullideckel zertrümmerte der 35-Jährige eine Scheibe der Galeria Kaufhoffiliale. Auf dem Weg durch das Kaufhaus, stoppte ihn die durch den ausgelösten Alarm alarmierte Polizei. Sie nahm den Mann fest. Seitdem sitzt er in der Untersuchungshaft. Vor dem Amtsgericht räumte er alle Taten ein.

Der Oberstaatsanwalt konnte sich kurzfassen: Die Taten seien nicht entschuld-, aber erklärbar durch die Drogensucht des Angeklagten. 20 Monate Haft forderte er für die Diebstähle, die er wegen der gefundenen Messer zum Teil auch als schwere Diebstähle einordnen musste.

Eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe – sie wird oft bei Urteilen bis zu zwei Jahren verhängt – käme wegen der ungünstigen Sozialprognose nicht in Betracht, so der Anklagevertreter. Ohne Arbeit, die in seinem bislang ungeklärten Asylverfahren auch nicht möglich sei, und ohne Therapie müsse die Strafe verbüßt werden.

Der Verteidiger wollte das Gericht von einer Bewährungschance überzeugen. Sie sollte mit der Auflage einer Therapie verbunden werden. Einen konkreten Strafantrag wolle er nicht nennen.

Im letzten Wort vor der Urteilsverkündung sagte der Angeklagte, dass er einen Termin bei der Ausländerbehörde brauche, damit er in Deutschland bleiben können und auch eine ambulante Therapie schloss er nicht aus.

Das Gericht folgte in seinem Urteil allerdings den Ausführungen des Oberstaatsanwaltes. Eine Bewährung sei nicht zu rechtfertigen, begründete der Richter. Bei einer sofortigen Entlassung bestehe die Sucht weiter. „Sie haben auch keine Stelle, die sie sofort in ihrer Krankheit unterstützen könnte. Darum hätten Sie sich schon längst kümmern können.“ Eine Entlassung käme höchstens in Frage, wenn der Mann in einer stationären Therapie unterkommen würde. „Den Willen dazu sehen wir aber nicht“, sagte der Richter.


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