Umfrage am Berliner Platz Helmut-Kohl-Platz? Geteilte Meinungen in Osnabrück

Von Steffen Siekmeier

In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Straße nach Altkanzler Helmut Kohl benannt. Ob der Berliner Platz in Osnabrück auch seinen Namen tragen sollte, da scheiden sich die Geister. Archivfoto: Stefan Sauer/dpaIn Mecklenburg-Vorpommern ist eine Straße nach Altkanzler Helmut Kohl benannt. Ob der Berliner Platz in Osnabrück auch seinen Namen tragen sollte, da scheiden sich die Geister. Archivfoto: Stefan Sauer/dpa 

Osnabrück Heißt der Berliner Platz in Osnabrück bald Dr.-Helmut-Kohl-Platz? Wir haben Passanten an Ort und Stelle befragt. Der Vorschlag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Fritz Brickwedde stößt bei Osnabrücker Bürgern auf geteilte Meinungen. Kern der Kritik: Wenn schon Helmut Kohl, dann doch bitte nicht für den Berliner Platz.

„Warum lässt man das nicht so?“, fragt sich Martina Niermann aus Georgsmarienhütte. Die Idee einer Umbenennung in Dr.-Helmut-Kohl-Platz sei „ganz schlimm“. Grundsätzlich habe sie nichts gegen eine Ehrung für den langjährigen Bundeskanzler einzuwenden, aber eine „Kleinstadt“ wie Osnabrück sei dafür nicht der richtige Ort. Dann doch eher Berlin oder seine pfälzischen Heimat, betont Niermann.

Zustimmung ja, aber Neugestaltung

Es gibt aber auch Menschen, die der Idee offen gegenüber stehen. Gerade durch seinen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung habe Kohl sich die Umbenennung verdient, erklärt ein Mann mittleren Alters, der seinen Namen nicht nennen möchte. Die zentrale Lage mache den Platz für eine Namensänderung interessant. Allerdings wäre es wünschenswert, ihn freundlicher herzurichten, ergänzt ein älterer Herr mit dunkler Jacke: „Wenn er umgestaltet werden sollte, fände ich das gut“, verdeutlicht er seine generelle Zustimmung.

Kritik am Exkanzler

„Der Berliner Platz war immer der Berliner Platz“, betont dagegen ein Ehepaar aus Bad Essen. Der Name sei für viele ein fester Begriff und gehöre zu Osnabrück. Was die Eheleute wohl nicht wissen: Erst 1961 erhielt der Berliner Platz seinen heutigen Namen.

Detlev König aus Osnabrück stört sich bei dem Anliegen der CDU-Ratsfraktion eher an der Person Helmut Kohl. Der Exkanzler sei „Nutznießer der Wiedervereinigung“ gewesen, eine solche Ehrung daher übertrieben. Dazu komme die Spendenaffäre, hier habe Kohl eine unrühmliche Rolle gespielt. König sieht dringendere Probleme in Osnabrück, beispielsweise die Neugestaltung des Neumarkts.

Geteilte Meinungen auch im Netz

Auch im Netz diskutieren die Leser unserer Zeitung die geplante Namensänderung. Der Tenor geht hier in eine ähnliche Richtung: Der Berliner Platz sei ein feststehender Begriff in Osnabrück, eine Umbenennung wenig sinnvoll. Viele Leser könnten sich einen Helmut-Kohl-Platz oder Straße vorstellen, allerdings an einem anderen Ort.

Am Ende, so schreibt eine Leserin, würden viele Osnabrücker weiterhin vom Berliner Platz sprechen, selbst wenn die Kreuzung offiziell anders hieße. Ähnlich wie bei der heimischen Fußballarena: Ob Piepenbrock-Stadion oder Osnatel-Arena, der VfL spiele immer noch im Stadion an der Bremer Brücke.