Unmut über Fahrradclub ADFC Osnabrück lässt manche Radler stehen

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Rosemarie Hellbrecht mit ihrem Pedelec darf nicht mehr bei allen Touren des ADFC mitfahren. Foto: Michael GründelRosemarie Hellbrecht mit ihrem Pedelec darf nicht mehr bei allen Touren des ADFC mitfahren. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Marie Luise Paschertz aus Osnabrück ist 82 Jahre alt und fährt gerne Rad, ebenso wie die 81-jährige Rosemarie Helbrecht. Daher schlossen sie sich vor Jahren dem ADFC an und nahmen seither an vielen Radtouren teil. Nun sind sie teilweise nicht mehr erwünscht – zumindest nicht mit ihren Pedelecs.

2010 hatte sich Paschertz ein Pedelec zugelegt, vor sechs Jahren trat sie in den ADFC Osnabrück ein. Es sei eine größere Gruppe Senioren gewesen, die in den vergangenen Jahren nach und nach in den Verein eingetreten sei, erzählt sie. Jahrelang sei es „ein wunderbares Miteinander“ gewesen. „Jetzt sind wir offenbar nicht mehr geschätzt“, so die 82-Jährige. 

Tourenleiter schließt Pedelec-Fahrer aus

Denn zuletzt am Ostersonntag habe es vor der Abfahrt zu einer gemeinsamen Radtour geheißen: Pedelec-Fahrer seien nicht erwünscht. Die Abweisung sei nicht die erste gewesen, versichert Paschertz. „Das sind keine Räder, sondern Mofas“, habe ihr der Tourenleiter gesagt..

Manch Radler braucht die Unterstützung

„Wir sind wirklich sehr traurig darüber“Marie Luise Paschertz

„Wir sind wirklich sehr traurig darüber. Pedelecs sind doch keine Mofas“, erzählt Paschertz. Die älteren Teilnehmer seien auf die Unterstützung angewiesen. Das sagt auch Rosemarie Helbrecht. Der Tourenleiter schloss die 81-Jährige ebenfalls von einer Tour wegen ihres Pedelecs aus. „Ohne die Technik könnte ich nur im Sessel sitzen“, sagt sie.

Senioren wollen Ausschluss nicht hinnehmen

Das Pedelec ermögliche Älteren die Teilnahme ebenso wie Menschen mit einer Beeinträchtigung, etwa einem kaputten Knie oder einem schwachen Herz wie bei ihrem Mann. „Wir behindern doch niemanden und passen uns immer an“, versichert Helbrecht. „Bei schnellen Touren bleiben wir eh zu Hause, aber wir wehren uns gegen die Ausgrenzung bei normalen Touren.“

Vorstand spricht von Ausnahmen

Helbrecht wandte sich an den Vorstand des ADFC Osnabrück. Dort habe sie die Antwort bekommen, dass der Tourenleiter bestimmen könne, wer mitfahren dürfe – und wer eben nicht. „Wie kann sich ein Fahrradverein nur so gegen Technik sperren?“, fragt Helbrecht.

„Das war der Wunsch von vielen Radfahrern aus dem Verein.“Wolfgang Driehaus, ADFC-Vorstand

ADFC: Pedelecs manchmal in Überzahl

Wolfgang Driehaus, 2. Vorsitzender der ADFC Osnabrück, bestätigt auf Anfrage: Bei einigen Touren seien Pedelec-Fahrer seit diesem Jahr unerwünscht – auch alte und körperlich beeinträchtigte Mitglieder. Schriftlich teilte Driehaus mit: „Wir wissen aus Gesprächen, dass sich viele unserer Fahrradfahrer auch gelegentliche Touren in unmotorisierter Gruppe wünschen. Im letzten Jahr waren die Pedelecfahrer bei kurzen und mittleren Touren öfters schon in der Überzahl, das schreckte manche Fahrradfahrer ab. Mit einem sportlich orientierten Angebot auf moderatem Niveau wollen wir auch diese Fahrradfahrer als neue Mitfahrer und Mitglieder gewinnen und betrachten daher die Fahrradtouren ohne Pedelecs als eine sinnvolle Ergänzung unseres vielfältigen Tourenprogramms.“ Der Club hoffe, mit diesen Touren auch die Altersgruppe bis Mitte 40 ansprechen zu können, die bisher im Verein zu schwach vertreten sei.

Den Aufruhr der Pedelec-Fahrer kann Driehaus nicht nachvollziehen. Der ADFC biete von März bis Juni 61 Touren an, nur fünf davon seien als reine Fahrradtouren ohne elektrische Unterstützung konzipiert. „Bei der Masse an Touren sehen wir da kein Problem“, so Driehaus. „Daher können wir nicht verstehen, dass der Unmut nun so hoch gehängt wird.“

Im Übrigen sei der Osnabrücker Kreisverband nicht der einzige, der Pedelecs von bestimmten Touren ausschließe. „Und der Landes- und Bundesverband stützen unsere Position“, sagt Driehaus. Er wehrt sich gegen den Eindruck, Pedelecfahrer seien generell unerwünscht: „Der ADFC richtet sich an alle Radfahrer, also auch an solche, die Pedelecs nutzen.“

Gute Laune bei den Teilnehmer einer ADFC-Tour am Freitag – auch bei den Pedelec-Fahrern; denn an dieser Tour dürfen sie teilnehmen. Foto: Michael Gründel

Helbrecht versichert, sie habe Verständnis, dass Pedelecs von manchen Touren ausgeschlossen werden. „Aber doch nicht an Sonntagen und den Feierabendtouren.“ Paschertz ergänzt: „Ausgerechnet am Ostersonntag?“ Sie sagt, erste Mitglieder würden bereits „aus Zorn“ aus dem ADFC austreten. Wie Peter Bettenbrock: Der Tourenleiter – mit Pedelec – kündigte seine Mitgliedschaft zum 15. Mai, sagt er.

Peter Bettenbrock (mit Warnweste) ist am Freitag der Tourenleiter. Auch er ist mit einem Pedelec unterwegs – und verärgert über die Entscheidung des ADFC. Er kündigte seine Mitgliedschaft zum 15. Mai. Foto: Michael Gründel

Paschertz selbst will gerne im Verein bleiben. „Ich will nicht austreten, ich will mit mitfahren. Radfahren ist die Freude meines Alters.“

„Radfahren ist die Freude meines Alters“Marie Luise Paschertz


Unterschiede der Mofa zum Pedelec

Die Aussage, Pedelecs seien wie Mofas, ist rechtlich betrachtet nicht korrekt. Das Wort Mofa leitet sich zwar ab von Motor-Fahrrad, unterscheidet sich aber deutlich von Pedelecs. Mofas mit Hilfsmotor bis zu 25 km/h gelten als Kleinkraftrad. Zum Fahren ist eine Mofa-Prüfbescheinigung erforderlich, ein Helm ist Pflicht.  

Pedelecs hingegen unterstützen den Fahrer lediglich beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h und sind dem Fahrrad rechtlich gleichgestellt. Führerschein, Zulassung, Versicherungskennzeichen und Helm sind nicht vorgeschrieben.

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