Vorbereitung auf die Spieltriebe Neu am Osnabrücker Theater: Dramaturg Peter Helling

Von Anne Reinert

<em>Der neue leitende Schauspieldramaturg</em> Peter Helling steckt derzeit in den Proben zum Theaterfestival „Spieltriebe“. Foto: Gert WestdörpDer neue leitende Schauspieldramaturg Peter Helling steckt derzeit in den Proben zum Theaterfestival „Spieltriebe“. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Über die Spieltriebe lernt Peter Helling seine neue Heimat kennen: Melanchthonkirche, Hellmann, Redlinger Bunker – all diese Aufführungsorte besucht der neue leitende Schauspieldramaturg am Theater Osnabrück derzeit bei den Proben zum Festival.

Seit acht Wochen lebt Helling in Osnabrück. Einen ersten Eindruck hat der 41-Jährige schon gewonnen. „Mir gefällt es, dass das Theater an einer so prominenten Stelle liegt“, sagt er über das Theater am Domhof. Daran komme keiner vorbei. Nach Osnabrück gelockt haben ihn aber vor allem die Menschen am Theater: Es reize ihn, mit dem Dramaturgenteam, der leitenden Schauspielregisseurin Annette Pullen und Intendant Ralf Waldschmidt zusammenzuarbeiten. Auch dass der Schwerpunkt im Haus auf zeitgenössischer Dramatik liegt gefällt ihm.

Die bieten auch die „Spieltriebe 5“ von Freitag, 6. September, bis Sonntag, 8. September, unter dem Motto „Total Real“. „Das Festival ist eine Chance für junge Regisseure, die Welt so abzubilden, wie sie ist“, sagt Peter Helling, der viel mit Annette Pullen unterwegs ist, um in die Proben der elf Uraufführungen reinzugucken.

Die Festival-Spielstätten seien keine neutralen Bühnenräume, wie Helling am Live-Hörspiel „Club d’Europe“ erklärt, das er als Dramaturg begleitet. Aufgeführt wird es bei Hellmann, „einem Ort der Wirtschaft und Finanzen“.

Um diese Themen geht es auch in dem Hörspiel über das krisengeplagte Europa, das Regisseur Carsten Golbeck geschrieben hat. Das Stück „stimmt nachdenklich“, sei aber auch durch „ein extrem lustvolles Spiel“ der Schauspieler Martin Schwartengräber, Stephanie Schadeweg und Patrick Berg geprägt, so Helling.

Fast wäre er übrigens selbst Regisseur geworden. Denn Peter Hellings Weg in die Dramaturgie war alles andere als gerade. Nach dem Abitur studierte er Elektrotechnik, spielte aber gleichzeitig in freien Theatergruppen mit. „So wurde ich vom Theatervirus infiziert“, sagt er. Unheilbar. Denn sein Studium schloss er nur mit „Ach und Krach“ ab, um danach gleich in Hamburg Regie weiterzustudieren.

Parallel dazu schrieb er Stücke und fand heraus, was er eigentlich wollte: Dramaturg sein. Denn der muss wie der Regisseur einen „Blick auf die Szene“ haben, arbeitet aber nicht frei. „Ich wollte mich fest an ein Haus binden, um mich damit identifizieren zu können“, erklärt Helling. Seine Aufgabe als Dramaturg sieht er unter anderem darin, „der erste Zuschauer zu sein“. Schließlich sitzt er oft mit in den Proben und „spiegelt dem Regisseur wider, was er macht“.

Widerspiegelung ist auch der Sinn der Spieltriebe, in diesem Fall die der Realität. „Was ist unser Begriff der Wirklichkeit? Können und müssen wir sie nicht sogar hinterfragen?“ fasst Helling das Festivalthema zusammen. Heute heiße es zu oft: „Das ist eben so.“ Was dabei verloren gehe, seien die Utopien. Die Spieltriebe sollen helfen, neue zu finden.