Investoren sauer auf die Stadt Bauprojekt am Berliner Platz in Osnabrück steht auf der Kippe

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Der Berliner Platz soll schöner werden – aber schon das erste Projekt, für das sich Investoren gefunden haben, steht auf der Kippe. Wenn es nicht bald eine Einigung gibt, wird der traurige Anblick des grünen Hochhauses und des verwilderten Tankstellengeländes weiterhin das Bild der Wittekindstraße prägen.

Geplant sind zwei Bauvorhaben auf zwei benachbarten Grundstücken, aber die Stadt fordert, dass sie aus einem Guss erscheinen sollen. Deshalb haben die beiden Eigentümer eine gemeinsame GmbH gegründet und den Architekten Joachim Kummer beauftragt, dem Komplex ein Gesicht zu geben. Auf der Grundlage dieses gemeinsamen Entwurfs will die Stadt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufstellen.

Dabei wird akzeptiert, dass die Pläne des Architekten eine Zweiteilung erkennen lassen – hier der überarbeitete siebenstöckige Wohnturm, nebenan der etwas flachere, lang gestreckte Neubau, der sich bis in die Karlstraße zieht. Der Berliner Platz, der demnächst nach Altkanzler Helmut Kohl benannt werden soll, würde mit dem neuen Wohnkomplex eine deutliche Aufwertung erfahren. Doch beide Investoren sind nicht gut auf die Stadt zu sprechen.

Gemeinsame Sache

„Hören Sie auf!“, ruft Uwe Lehmkuhl, wenn es um sein Bauprojekt geht. Er klagt über die dicken Papierstapel, die von den Verhandlungen mit dem Fachbereich Städtebau zeugen. Ständig gebe es unliebsame Überraschungen, weil wieder jemand in die Planung reinreden wolle, wie der Immobilienkaufmann aus Ibbenbüren argwöhnt. Lehmkuhl gibt sich zwar genervt, ist aber entschlossen, auf der Tankstellenbrache einen Wohnkomplex zu errichten. Vier Vollgeschosse, dazu ein Staffelgeschoss, 21 Wohnungen und eine Tiefgarage mit 20 Stellplätzen.

Bauen darf er aber nur, wenn er mit seinem Nachbarn Ulrich Grewe aus Münster gemeinsame Sache macht. Dem gehört das in die Jahre gekommene Wohnhaus Berliner Platz 1, in dessen Erdgeschoss lange Zeit Matratzen verkauft wurden. Grewe will das Haus sanieren und erweitern, die Pläne sind fertig, die Details mit der Stadt geklärt. Aber der Münsteraner ist die Auseinandersetzungen leid und droht, das Handtuch zu werfen.

Aus für das grüne Monster

Am liebsten hätte Grewe seinen Nachkriegsbau schon 2012 saniert und neue Fenster eingebaut, aber dem Fachbereich Städtebau ging das zu schnell. Die Planer wollten keine kosmetischen Verbesserungen, sondern eine grundlegende Neugestaltung für den Berliner Platz. Deshalb gab die Stadt 2014 ein städtebauliches Gutachten in Auftrag, um Leitlinien für die weitere Entwicklung des Quartiers festzulegen. Am Ende lagen unterschiedliche Ideen von drei Architektenteams auf dem Tisch, aber in einem Punkt waren sich alle einig: Das grüne Monster sollte aus dem Stadtbild verschwinden, um den Blick auf die „wertvolleren“ Exponate der Baukultur freizugeben. Gemeint waren das Hochhaus der Sparkasse und das Medienhaus NOZ.

Eigentümer Grewe lässt sich seine Nachkriegsimmobilie aber nicht von den Ästheten der reinen Lehre madig reden. Die Bausubstanz sei in Ordnung, sagt er, im Innern habe die Sanierung schon begonnen. Ein Abbruch oder Teilabbruch komme nicht infrage. Da war auch für die Stadt nichts zu machen. Man setzte sich zusammen und verständigte sich, dass die sieben Geschosse bleiben dürfen, der Wohnturm aber ein zeitgemäßes Outfit und eine seitliche Erweiterung bekommen soll.

Zwischen dem grünen Nachkriegsbau und dem Berufsschulgebäude am Breiten Gang ist noch eine Lücke frei, die der Münsteraner mit einem Wohngebäude schließen darf. Das muss sich dann mit seinen vier Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss in die Umgebung einfügen.

Baurecht mit Verfallsdatum

Grewe betont, dass inzwischen fast alle Fragen geklärt und alle Details geplant seien. Es fuchst ihn aber, dass die Stadt ihn verpflichten will, das ganze Bauvorhaben in einem engen Zeitrahmen durchzuziehen. Jahrelang habe er gewartet, und jetzt solle er auf Kommando loslegen. Die Fristen seien nicht verhandelbar, bekundet der Eigentümer. Wenn die Stadt sich nicht bewege, so lautet seine Drohung, „dann ist der Berliner Platz tot!“

Stadtbaurat Frank Otte will sich in den nächsten Tagen mit Grewe und Lehmkuhl an einen Tisch setzen, um die Missverständnisse auszuräumen, die sich nach seiner Ansicht aufgeschaukelt haben. Grundsätzlich sei es aber unverzichtbar, dass in einem städtebaulichen Vertrag die Bauzeiten festgelegt würden. Ziel sei es ja, ein Projekt zu realisieren und es nicht auf die lange Bank zu schieben. Deshalb sei es üblich, das Baurecht mit einem Verfallsdatum zu versehen.

Gerade am Berliner Platz, wo zwei Investoren in den Startlöchern stehen, seien klare Festlegungen unerlässlich. „Wir wollen ja nicht, dass der eine baut und der andere Teil Brache bleibt“, vermerkt der Stadtbaurat. Über die Zeitfenster könne man ja verhandeln. Otte ist zuversichtlich, dass es zu einer baldigen Einigung kommt.